Testbericht

Jürgen Wolff, 17. Januar 2012
Audi wertet seinen A1 auf. Mit dem Sportback bekommt der kleinste Ingolstädter zwei Türen mehr. Außerdem übernimmt er das Konzept der Zylinderabschaltung aus der Oberklasse.

Es hat anderthalb Jahre gedauert, bis Audi seine kleinste Modellfamilie aufstockt: Zum Februar 2012 erweitern die Ingolstädter die A1-Palette um eine fünftürige Version namens Sportback. Bei dem kompakten A1 ist der Zuwachs an Platz naturgemäß eher bescheiden - der Zuwachs an Komfort dank zweier zusätzlicher Hecktüren dafür um so größer. Der Sportback baut bei gleicher Länge (3,95 Meter) und gleichem Radstand (2,47 Meter) ein paar Millimeter höher (1,42 Meter) und breiter (1,42 Meter) als der normale A1 und schafft so gut einen Zentimeter mehr Platz für Schultern und Kopf auf der Rückbank. Dort liefert Audi serienmäßig zwei ausgeformte Sitze mit einer breiten Ablage in der Mitte aus, auf Wunsch sind ohne Aufpreis auch drei Sitze bestellbar. Dann allerdings wird es dort ungebührlich eng.

Um jeweils zwei Seitentüren mehr auf der gleichen Breitseite unterbringen zu können, hat Audi die vorderen beiden Türen gegenüber dem dreitürigen A1 um 29 Zentimeter gekürzt und die B-Säule um 23 Zentimeter nach vorne gesetzt. Das macht zwar den Zustieg vorne etwas enger und mühevoller - kommt aber den Passagieren im Font um so mehr zugute. Sie müssen sich nicht mehr an den umgeklappten Rücklehnen nach hinten hindurch quetschen sondern können ganz bequem durch ihre eigenen Türen einsteigen. Sonderlich mehr Laderaum bringt der A1 Sportback nicht mit: statt 267 Liter wie beim Dreitürer sind es nun 270 Liter. Das Volumen lässt sich bei umgeklappten Rüchsitzlehnen wie beim Dreitürer auf 920 Liter vergrößern.

Innen geht es wie gehabt edel und aufgeräumt zu. Das Cockpit, findet Audis Marketingabteilung, weise "Anklänge an die Tragfläche eines Flugzeugs auf". Und "die Konsole auf dem Mitteltunnel" hat demnach "Ähnlichkeit mit dem Heck einer Segelyacht". Nun ja. Halten wir fest: Man fühlt sich gut aufgehoben und findet alles da, wo man es erwartet. Die Materialien machen einen hochwertigen Eindruck und sind perfekt verarbeitet. Audis Designabteilung hat außerdem dafür gesorgt, dass sich auch die Innenausstattung mit allerlei Stoffen, Farben und Zierleisten weit individualisieren lässt. Die Sitze sind bequem und bieten einen guten Seitenhalt, könnten aber eine längere Beinauflage vertragen. Die Verstellmöglichkeiten des Fahrersitzes und des Dreispeichen-Lenkrades (Neigung und Tiefe) sind auch für größere Fahrer bis 1,85 Meter ausreichend. Bei ganz zurückgeschobenen Vordersitzen wird es hinten ein wenig eng um die Knie - aber es lässt sich für zwei Leute durchaus auch auf etwas längeren Strecken aushalten.

Unter der Haube arbeiten die bereits vom bisherigen A1 bekannten TFSI-Benziner und TDI-Diesel. Neu entwickelt wurde dagegen der 1.4 TFSI mit 103 kW/140 PS mit "cylinder on demand"-Technologie. Die Leistungsspanne reicht (noch) von 63 kW/86 PS bis zu 136 kW/185 PS. In einigen Motorisierungen gibt es das Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Schaltstufen zumindest als Option.

Deutlich agiler als die kleinen Benziner gehen die 1,6-Liter-TDI-Motoren ans Werk. Schon der kleinste leisten 66 kW (90 PS) und schiebt den A1 mit seinen 230 Nm maximalem Drehmoment kräftig voran. Den Spurt von 0 auf 100 km/h schafft er in 11,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 182 km/h. Der Durchschnittsverbrauch laut Audi: 3,8 Liter auf 100 km.

Besonders interessant ist der 1.4 TFSI mit 103 kW/140 PS, der ebenso später kommen soll wie der 2.0 TDI mit 105 kW/143 PS. Der TFSI verfügt über die Zylinderabschaltung, die Audi bisher nur im neuen Achtzylinder S8 einsetzt - und bald dann eben auch beim A1. Je nach Bedarf werden bei dieser Technik binnen Sekundenbruchteilen die zwei mittleren der vier Zylinder abgeschaltet, so dass der Motor nur auf zwei Töpfen läuft. Das Aggregat liefert dabei ein maximales Drehmoment von 250 Nm bereits ab 1500 U/min. und beschleunigt den A1 binnen 8,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 212 km/h. Lohn der Abschalt-Technik: laut Audi ein Durchschnittsverbrauch von 4,7 Liter pro 100 km. Ein halbwegs vergleichbar starker TFSI-Motor ohne Zylinderabschaltung dürfte so um die 5,5 Liter Benzin verbrauchen.

Das Fahrwerk des Audi A1 Sportback basiert auf dem des VW Polo. Es ist sportlich straff, aber immer noch komfortabel abgestimmt. Mit dem optionalen Sportfahrwerk geht es spürbar härter über Unebenheiten. Die Lenkung ist präzise, dürfte aber angesichts des sportlichen Ambientes durchaus etwas direkter sein. Und auch die Rückmeldungen von der Straße sind etwas arg schwammig. Bestnoten dagegen gibt es für die Schaltung. Die manuellen Getriebe - egal ob mit fünf oder sechs Gängen - huschen präzise und mit kurzen wegen durch die Kulisse. Eine Schaltpunktanzeige gibt die entsprechenden Empfehlungen. Die 7-stufige DSG-Automatik wechselt ohne übertriebene Hektik sanft zwischen den Gängen und lässt sich über Wippen am Lenkrad auch manuell bedienen. All A1-Modelle haben zudem eine elektronische Differenzialsperre an Bord, um die Traktion zu verbessern.

Der Einstiegspreis beim Sportback liegt für den 1.2 TFSI mit 86 PS bei 16.950 Euro. Die Dieselmodelle starten mit dem 1.6 TDI (90 PS) bei 20.450 Euro. Teuerste Version wird vorerst der 185 PS starke 1.4 TFSI-Benziner sein, der bei 25.100 Euro startet. Wie bei Audi üblich, lassen sich diese Basispreise dank eines ausufernden Kataloges von Extras problemlos in ungeahnte Höhen treiben - beginnend von der BOSE-Soundanlage mit 465 Watt Leistung und 14 Lautsprechern über das Panoramadach bis hin zum Wagendach in eigener Farbe. Vor allem im Kommunikationsbereich hat Audi den A1 hochgerüstet. Ein WLAN-Hotspot zum Beispiel koppelt auf Wunsch die mobilen Endgeräte der Beifahrer ans Internet und bietet selbst die Möglichkeit Webradio-Sender zu hören.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: press-inform, 2012-01-17

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