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Testbericht

Sebastian Viehmann, 24. Januar 2008
Chevrolets Retromobil HHR ist ein typischer Ami: Etwas schwammig zu fahren und nicht gerade sparsam. Aber gemütlich, günstig und reichhaltig ausgestattet. Er könnte die Lücke füllen, wenn Chrysler den PT Cruiser einstellt.

Wo Chevrolet drauf steht, ist heute Korea drin. Modelle wie Epica, Nubira oder Matiz verdanken ihre Existenz nicht zuletzt der Tatsache, dass der koreanische Hersteller Daewoo im General Motors-Konzern aufgegangen ist. Mit dem HHR aber holt Chevrolet jetzt einen waschechten Ami nach Europa. Beim Design erinnert der ungewöhnliche Kombi an einen Chevrolet Suburban Baujahr 1949. Die Parallelen stechen sofort ins Auge: Bauchige Kotflügel, steile und niedrige Frontscheibe, ein imposanter Kühlergrill mit breiten Querstreben und (als Option) sogar Trittbretter an den Türen. Auch die optische Verwandtschaft zum Retro-Kombi Chrysler PT Cruiser lässt sich natürlich nicht leugnen. Der HHR könnte eine Art inoffizieller Nachfolger des Kult-Chryslers werden: Laut einem Bericht des Wall Street Journal spielt Chrysler im Zuge massiver Sparmaßnahmen mit dem Gedanken, den PT Cruiser ab dem Modeljahr 2009 komplett aus dem Programm zu streichen.

Im Chevy HHR sitzt man nicht so hoch wie in vielen SUV. Doch die wuchtige Karosserie und nie niedrigen Scheiben legen sich wie ein Panzer um die Passagiere. Ein Nachteil der kleinen Fenster und dicken Säulen ist die nicht immer optimale Übersicht. Platz haben alle Passagiere reichlich. Der Kofferraum fasst 430 Liter. Beim Einladen stört zwar der nach hinten gezogene lackierte Stoßfänger. Doch dank der ausgestellten Kotflügel gibt es keine Radhäuser im Innenraum, die Platz wegnehmen. Der Stauraum lässt sich bei umgelegter Rückbank auf 960 Liter erweitern. Man kann außerdem die Beifahrersitzlehne nach vorn umklappen, so dass der HHR selbst ein 2,4 Meter langes Surfbrett schluckt. In den USA gibt es den HHR übrigens auch als Transporter namens "Panel Van" mit Blecheinsätzen anstelle der hinteren Seitenscheiben.

Im Cockpit liefert der HHR nette Ideen wie die großen runden Türgriffe und ein Staufach oben im Armaturenbrett. Die Fensterheber sind dafür etwas unpraktisch unten an der Mittelkonsole platziert. Die Mittelarmlehnen sitzen leider so dicht an den Sitzlehnen, dass sie während der Fahrt kaum zu gebrauchen sind. Die Lederpolster bieten wenig Seitenhalt, sind aber sehr bequem.

Unter der Haube arbeitet ein 2,4 Liter großer Vierzylinder mit 170 PS. Die Kraftübertragung übernimmt ein Fünfgang-Schaltgetriebe. Allerdings muss man oft in den fünf Gängen rühren, um den etwas angestrengt wirkenden Vierzylinder bei Drehzahl-Laune zu halten. Die Alternative ist eine Viergangautomatik, die auch nicht gerade Begeisterungsstürme hervorruft. Sie lässt den Motor laut und lange hochdrehen, bis sie den nächst höheren Gang freigibt. Alles in allem merkt man dem HHR seine 170 Pferdestärken leider kaum an. Den Durchschnittsverbrauch gibt Chevrolet mit 8,6 Litern (Automatik: 9 Liter) an.

Schnelle Fahrten auf der Landstraße mag der Chevrolet gar nicht – er ist ein gemütlicher Cruiser. Eine leicht schwammige Lenkung, die deutliche Wankneigung der Karosserie und das starke Untersteuern mahnen daran, dass man es im HHR besser eine Stufe langsamer angehen lässt. Gut: ESP ist serienmäßig an Bord. Nicht gut: Hinten hat der HHR nur Trommelbremsen. Bei starken Bremsmanövern wird der Chevy zudem etwas unruhig.

Wer einen HHR haben möchte, muss 22.990 Euro auf den Tisch legen. Dafür lässt die Ausstattung aber kaum Wünsche offen: Tempomat, Nebelscheinwerfer, elektrische Fensterheber, Gepäcknetz, getönte Heckscheiben, Multifunktions-Lenkrad, Klimaanlage, Radio mit 6-fachem CD-Wechsler, Bordcomputer, elektrisch verstellbarer Fahrersitz und nicht zuletzt die Lederausstattung - alles serienmäßig an Bord.

Bei der Motorisierung wird es zunächst nur den 2,4-Liter Benziner geben. Andere Motoren, etwa ein Diesel, sind nicht zu erwarten. Dafür soll ab Frühjahr 2008 eine Autogas-Umrüstung ab Werk kommen, wie das bei allen Euro-Chevrolets der Fall ist. Der Aufpreis steht noch nicht fest. Bei Modellen wie dem Epica oder Nubira schlägt die Umrüstung mit rund 2500 Euro zu Buche. Der Gastank sitzt in der Reserveradmulde, so dass der Laderaum des HHR erhalten bleibt.

Der Retro-Chevy war ursprünglich allein für den amerikanischen Markt gedacht und wird nur auf Drängen der europäischen Händler importiert. Ab Dezember ist er zu haben. Das Absatzziel ist bescheiden: In Europa sollen es pro Jahr nur ein paar tausend Stück werden, davon etwa 500 in Deutschland. Das zeigt, dass der HHR wohl kein Verkaufsschlager werden muss, sondern das eher biedere Image der Chevrolet-Palette aufpolieren soll. Angesichts des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses und einer Autogas-Option am Horizont dürfte Chevrolet das Verkaufsziel aber locker erreichen.

Quelle: Autoplenum, 2008-01-24

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