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Testbericht

automobil-magazin.de, 6. Dezember 2012
Es ist ganz einfach. Deutsche kaufen deutsche Autos, Italiener italienische. Gegen den Strom zu schwimmen, der in Germania seit fast vier Jahrzehnten Golf-Strom heißt, ist aber manchmal attraktiver. Zweite Motivation: Der Fondbereich. Der gestaltet sich im neuen Delta, der mit dem sportlich-kompakten Urmodell von 1979 (Typ 831) kaum etwas gemein hat, geräumig. Und der Motor? Auch italienische Ölverbrennung ist was Gutes: 400 Nm schon bei 2.000 U/min, 190 PS ab 4.000 Umdrehungen. Nicht nur Kräfte auf dem Papier, sondern ganz real, und das für verdammt wenig Treibstoff.

Die lederbezogene Armaturentafel und das schwarze Leder sind elegant, freundlich und bequem. Kleine Details sind allerdings nicht so gut gelungen. Etwa das sehr tiefe und äußerst verwinkelte Handschuhfach. Oder der Blinker. Der arbeitet leise. Zu leise, um bei etwas lauterem Radio noch den Weg ans Ohr zu finden. So handwerklich-elegant der Lederriemen am Oberteil der Rückbank auf dem Weg zur heruntergeklappten Rückbank auch sein mag, so sehr erinnert das eigenartige Verlängerungsrollo der Gepäckraumabdeckung an das alte Italien der permanenten Improvisation. Wie spielerisch perfekt Kofferraum gehen kann, offenbaren Konkurrenten souveräner. Und das Sensibelchen von Fernbedienung hat im hektischen Alltag auch seine Macken: Schon Platz genommen beim Motorstart aus Versehen auf den Kofferraum-Schalter kommen, und schon ist die Heckklappe wieder mal ungewollt offen – manchmal nervig wie ein Bahnkartenkauf in Süditalien.

Gut beschützt von gelangweilten Beamten des Mezzogiorno, ist der Delta-Fahrgast im Fond König. Die Rückbank ist keine Bank, sondern streng genommen ein Sofa: Dicke Polster, lange Sitzfläche, bequeme breite Armlehne. In ihr Fach passt nur Flaches. In die Klappschablone zwei schmale Getränke. Aber das Beste ist der Raum: für die Beine, für lange Beine, für weit ausgestreckte Beine – relativ zum Wolfsburger Kompaktklasse-Urmeter Golf. Auch sonst fehlt´s in der Topausstattung Platinum an wenig, um bequem lange reisen zu können. Die stoische Straßenlage bei hohem Autobahntempo, der lange Radstand, der gut fürs Komfortbild ist, und die direkte Bremse unterstützen dieses Gefühl. Der Platinum-Obolus ist mit 32.500 Euro nicht gerade niedrig, der Testwagenpreis mit dem Technologie-Paket (1.700 Euro), aktivem Spurhalteassistent (500 Euro) und „Magic Parking“, dem halbautomatischen Parkassistent (240 Euro) und dann 34.940 Euro noch etwas höher, aber dafür fährt man den Lancia fast in Vollausstattung und mit dem dicksten Motor.

Der offenbart mit dem Balkendiagramm der Ladedruckanzeige Familienzugehörigkeit. Der 1.9 Multijet gehört hier wie im Fiat oder Alfa Romeo zu den bewährten Triebwerken, besorgt es dem Frontantrieb mit 190 statt 140 PS aber noch kräftiger. Mit zwei statt einem Lader kommt ein Turboloch erst gar nicht mehr zum Zuge. Als „Bi“ ist man am Kurvenausgang wieder schnell am Gas. Häufig steht gleich darauf rasch der sechste Gang in der Schaltgasse und der Drehzahlzeiger pendelt mit der Trägheit der Zufriedenen um die 1.000 Umdrehungen. Das sorgt für Ruhe. Wie die gute Motorraumbedämmung. Und hat Folgen: 6,1 Liter Diesel sind ein guter Wert für ein 1,9 Liter-Doppelturbo mit 190 PS. Ob´s was ändert? Deutsche kaufen deutsche Autos, Italiener italienische. Fast ein Gesetz. Aber keines, gegen das man nicht verstoßen darf.


(Lothar Erfert)
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: automobilmagazin, 2012-12-06

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