Testbericht

automobil-magazin.de, 27. Dezember 2010

Ciao Copen. 2010 trug man ihn zu Grabe. Zu klein, zu sehr Marktlücke, nichts für Alltag und Urlaub? Von wegen.


Urlaub im Copen geht nicht? Geht doch: Die Unterhosen passen auch ins Handschuhfach. Für seinen Kofferraum darf man den Copen zwar auslachen, aber ganz rational betrachtet ist er ein kleines Wunder: Ein Aludachcabrio auf 3,40 Meter Länge, und ein Fahrer von über 1,90 Meter passt noch hinein. Nicht gut, aber irgendwie (die Kopfhaltung leidet bei geschlossenem Dach etwas). Also ab in die Berge. Nicht die niedrigen, sondern hoch hinauf auf die französischen Alpen mit bis zu 2.700 Meter hohen Passstraßen – kleines Auto, zu großes Maul?

Ist der Copen der Wunsch, dann ist eine schmale Passstraße die Wunscherfüllung. Das erste Naturgesetz im Gebirge lautet nämlich so: Leichtgewichte und Schmale haben es am Berg leichter. Mit 850 Kilo Leergewicht und 1,48 Meter Breite ist der Copen sowohl das eine als auch das andere. In Japan erhält man hierfür ein gelbes Nummernschild und eine Steuerbefreiung, in den Alpen ist man in tiefer Sitzposition auf Augenhöhe mit dem Nationaltier der Region – der Kuh.

Vom Fahrwerk geschüttelt, trotzdem irgendwie gerührt – vom pfiffigen Handling: Dem Lenkeinschlag folgt das Japanerchen Gewehr bei Fuß. Enge Serpentinen werden mit Schmalheit ganz grundsätzlich entschärft. Die Reifen könnten getrost etwas weniger schmalbrüstig ausfallen – rein optisch, und auch, weil es manchmal quietscht. Wie schlecht die Straße vom Belag ist, bemisst sich bei geschlossenem Dach daran, mit welchem Takt der Oberkopf am Dachhimmel einschlägt – das Schöne: nur bei großen Menschen.

Und der Motor? 1.298 ccm Hubraum und 87 PS bei 6.000 U/min. Bei etwa 3.000 Umdrehungen wacht der kleine Vierzylinder auf, zwischen 6.000 und 7.500 U/min sieht er Rot. Mit 195 km/h auf dem Tacho – gefühlt: Biene Maja auf Schallgeschwindigkeit – lassen sich Fahrer in großen Mercedes Limousinen gründlich erschrecken, an denen der 1,25 Meter flache Zweisitzer auf Stern-Höhe vorbeischießt. Der sparsame Motor (6,1 l/100 km) hat bei 5.000 Umdrehungen (das bedeutet etwa 160 km/h im 5. Gang) eine kräftige Brummfrequenz.

Offen ist der Copen in seinem Element. Das Cabriogefühl nicht kappende steile A-Säulen, wenig Scheibe. Der Wind gebärdet sich als ehrliche Haut. Nach dem Lösen von zwei Spannhebeln, dem Drücken des Verdeckschalters und dem elektrischen Dachprozedere (dauert 20 s), ist der Zug Herr im Haus. Wie früher. Lindern lässt sich die Prise mit dem Miniwindschott und hochgefahrenen Seitenscheiben.

Und geschlossen? Ist der Daihatsu ein Auto zum Verlieben – wenn man hier seiner Mitfahrerin nicht näher kommt, dann stimmt die Chemie wirklich nicht, denn man kommt sich räumlich sehr nahe. Parklückenkuscheln geht auch. Dann erkuschelt sich der Superkompakte genau die Parklücken, die andere übrig lassen. Der linke Schulterblick ist und bleibt beim Einparken mit geschlossenem Dach eine Katastrophe. Im Blick: Nicht der hinter dem Auto kommende Radfahrer, sondern das Dachscharnier. Weitere Minuspunkte: Der Copen ist ein solcher Fladen, dass die Scheinwerfer der Hinterherfahrenden im Rückspiegel mehr stören als sonst. Und den ESP-Schalter sucht man so vergebens wie Seitenairbags.

Und das liebe Gepäck auf der Reise? Beim Wort „Raumnutzung“ liegt die Betonung ganz klar nicht auf „Raum“, sondern auf „Nutzung“. Das heißt auf Reisen (viel mehr als eine Woche sollte es nicht sein): Nutze den Raum, wo Du ihn vorfindest. Hemden und Hosen unters Abdeckrollo im Heckabteil, Socken ins Handschuhfach, Karten in die Türfächer und Jacken ins Netz hinter den Sitzen. Rückt das Aludach ein (aus gleichem Material sind auch Motor- und Kofferraumhaube), bleiben von 210 Litern Kofferraum nur noch 14 Liter übrig – Vier-Zehn! Viel Zuladen geht sowieso nicht. Schon zwei Kerle mit 100 Kilo Körpergewicht und Gepäck bringen nicht nur das Leistungsgewicht in die Bredouille, sondern die Zulassung. Knappe 200 Kilogramm dürfen mit auf die Reise – mini.

„Wächst der noch?“ Nein, die Produktion des Copen lief im Juli 2010 (allerdings: es soll noch Neufahrzeuge bis Mitte 2011 geben) aus. Ohne Nachfolger. Schade. Überqueren Sie die gleichen Bergpässe mit einem öden VW Polo, und Sie wissen, was gemeint sein könnte, und was Ihnen an Erlebnis entgeht. Etwa Murmeltiere, die pfeifen wie Vögel, aber eben nicht am Himmel, wo man sie als Städter sucht. Oder Bergbauern, die wohl manchmal hohler als Milchkannen sein müssen, da sie ihre Rasensprenger, ohne an offene Autos zu denken, direkt neben der Fahrbahn aufbauen, was man nicht glauben will, bis man es fühlt – nass, aber glücklich: Ciao Copen. (le)
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Quelle: automobilmagazin, 2010-12-27

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