Testbericht

7. Juni 2016
München, 7. Juni 2016 - Robust und langlebig sollte ein Pick-up sein. Mehr nicht. Schließlich sind die Fahrzeuge mit der Ladefläche Arbeitsgeräte. Oder? Okay, seit ein paar Jahren darf auch die Lifestyle-Komponente in diesem Segment nicht mehr fehlen. Der Mitsubishi L200 oder der Nissan Navara NP300 haben es bei den jeweiligen Modellwechseln bereits vorgemacht. Jetzt ist der VW Amarok dran. Und obwohl die Optik nicht gerade auf ein neues Fahrzeug schließen lässt, ändert sich doch einiges unter der Nutzfahrzeug-Haut. Zeit für einen Test des ab Herbst 2016 erhältlichen neuen Topmodells Amarok Aventura. Und zwar auf der Straße und im Gelände. Aus R4 wird V6. Und das nicht nur im Topmodell ... Mit einem zweiten und genaueren Blick auf den Wagen erkennt man sie, die V6-Plaketten am Grill und auf der Ladeflächenklappe. Ja, der VW Amarok fährt ab September 2016 mit einem neuen V6-Turbodiesel vor. Der Zweiliter-Vierzylinder wird in Rente geschickt (zumindest in Europa), da es zu aufwendig gewesen wäre, den EU-5-Motor auf die EU-6-Norm umzurüsten. Den neuen Selbstzünder mit zwei Zylindern und einem Liter Hubraum mehr kennt man dagegen bereits aus diversen Audi-Modellen. Weil das Aggregat nun aber einen Pick-up und keine Linksspur-Limousine antreibt, gab es einige Veränderungen: Die Ölmenge wurde für eine bessere Kühlleistung um 1,5 Liter erhöht und die Kolben sowie alle weiteren Anbauteile stammen von der Motorversion mit 272 PS. Da man die Leistung des Steuerketten-Triebwerks im Amarok aber auf maximal 224 PS und 550 Newtonmeter begrenzt (später folgen noch Derivate mit 163 PS und 450 Newtonmeter sowie 204 PS und 500 Newtonmeter), soll der Motor vor allem eines sein: langlebig und robust. VW attestiert eine Mindestlaufleistung von 300.000 Kilometer. Sechsgang-Schaltgetriebe oder Achtgang-Automatik Gekoppelt werden die Aggregate je nach Leistung mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe oder einer Achtgang-Automatik (einzigartig im Segment). Permanenten Allradantrieb mit Torsen-Differenzial gibt es nur mit dem automatischen Getriebe. Klassischen Heckantrieb mit zuschaltbarem Allrad bekommen Sie im Handschalter. Hier lässt sich außerdem das Mitteldifferenzial sperren (in der Automatik geht das nur beim Hinterachsdifferenzial) und es gibt ein Untersetzungsgetriebe für schwierige Geländefahrten. Selbst 100-Prozent-Steigungen (das sind 45 Grad) schafft der Amarok so. Dazu kommen Böschungswinkel von 29 Grad vorne und 24 Grad hinten, ein Rampenwinkel von 23 Grad und eine Wattiefe von gut einem halben Meter. Wir konnten bislang nur das 224-PS-Topmodell mit Achtgang-Automatik und variablem Allrad im Gelände testen, doch selbst diese Version ohne zusätzlichen Offroad-Schnick-Schnack - einen Assistent für Bergan- und Bergabfahren haben beide Modelle - machte keine Probleme.
Der neue V6: Relativ ruhig und sehr kraftvoll Auch auf der Landstraße oder auf der Autobahn kann der neue V6-Amarok überzeugen. Der Dreiliter-Motor kommt deutlich souveräner mit dem Fahrzeuggewicht klar als der Vierender - oder alle anderen Vierzylinder unter den Konkurrenzhauben von Mitsubishi oder Nissan. Zügig geht es voran. Die Beschleunigungszeit von 7,9 Sekunden auf Tempo 100 klingt also realistisch und die Höchstgeschwindigkeit von 193 km/h konnten wir ebenfalls erreichen. Dabei bleibt das Aggregat akustisch sogar halbwegs zurückhaltend. So leise und kultiviert wie im Audi A6 läuft der Motor zwar nicht, aber störend ist der leicht brummige V6-Sound auf keinen Fall. Der Verbrauch? Den gibt VW mit 7,6 Liter auf 100 Kilometer an. Wir brauchten knapp neun Liter. Trotzdem: Der alte Amarok mit Doppelkabine, 4Motion-Allrad und 180-PS-Vierzylinder-Diesel wurde mit 7,5 Liter angegeben. Robuste und doch komfortable Hinterachse So nett und trendbewusst der Amarok auch sein möchte, in gewissen Punkten bleibt er ein Fahrzeug für die Baustelle oder den Transport von sehr großen Gegenständen. Bei der Hinterachskonstruktion belässt es VW deshalb bei der Kombination aus Starrachse und Blattfedern. Der Navara NP300 fährt in der Doppelkabinen-Version hingegen mit Schraubenfedern vor. Man könnte also meinen, der Amarok würde sich polternd und wippend den Weg über Unebenheiten bahnen und wäre dabei in Kurven leicht schwammig unterwegs. Kurz und knapp: Das ist er nicht. Klar, so komfortabel wie im Nissan-Pendant geht es beim Federungskomfort nicht zu, doch alltagstauglich (auch auf langen Strecken) ist die robuste Achse von VW trotzdem und das Fahrzeug mit der 2,52 Quadratmeter großen Ladefläche erreicht mit einer Zuladung von rund einer Tonne ein zulässiges Gesamtgewicht von knapp 3,1 Tonnen. Die Anhängelast beträgt darüber hinaus noch einmal 3,5 Tonnen. Komfort trifft auf Nutzfahrzeug-Charakter Auch im Innenraum bleiben die größten Teile des Armaturenbretts dem Nutzfahrzeug-Charakter und der eher robusten Haptik treu. Dafür sitzt man fortan auf neuen AGR-Sitzen, die auf Wunsch elektrisch und in 14 Wegen verstellbar sind. Dazu gesellen sich ein Infotainment-System, das sich jetzt auch mit den gängigsten Smartphones via Apple CarPlay oder Android Auto koppeln lässt, sowie ein Multifunktionslenkrad. Ansonsten bleibt alles wie gehabt: Man bekommt viele Ablagemöglichkeiten, mehrere Zwölf-Volt-Anschlüsse und ordentlich Platz im Fond hat die Doppelkabine ebenfalls. Bei der Bein- und Kopffreiheit bekommt man lediglich als Sitzriese Probleme. Die bislang ebenfalls in Europa verfügbare SingleCab-Variante ist ab dem Modellwechsel übrigens nicht mehr bei uns erhältlich.
Basispreis und Topmodell Aventura mit vielen Extras Im Launch-Modell Aventura kommen darüber hinaus noch einige Ausstattungsextras hinzu: Wie wäre es mit extra großen 20-Zöllern samt Radlaufverbreiterungen, Bixenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht, Schweller-Rohren in Chrom-Optik oder einer mattschwarzen Beschichtung der Cargobox? Im Innenraum wird das Ambiente mit Nappaleder, einem Navigationsgerät samt Rückfahrkamera und jeder Menge Metall-Optik-Applikationen aufgewertet. So viele Optionen im 224-PS-Topmodell samt Achtgang-Automatik machen den Amarok Aventura mindestens 55.365 Euro teuer. Das erst ab dem zweiten Quartal 2017 erhältliche Einstiegsmodell mit Heckantrieb, Doppelkabine und 163-PS-V6 ist ab 30.904 Euro zu bekommen und damit 1.416 Euro teurer als das aktuelle Vierzylinder-Pendant. Der Nissan Navara NP300 ist mit einem Basispreis von 29.295 Euro für die 160 PS starke Doppelkabine samt Allrad und in etwa gleichen Zuladungs- und Anhängelastwerten nur geringfügig günstiger. Ein vergleichbarer Mitsubishi L200 kostet mindestens 28.490 Euro.
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Technische Daten
Antrieb:Allrad
Anzahl Gänge:8
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:V-Dieselmotor
Hubraum:2.967
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:6
Fazit
VW ersetzt im Amarok ab Herbst 2016 konsequent den Zweiliter-Vierzylinder-Diesel durch einen V6-Selbstzünder. Der um ein Liter gewachsene Hubraum tut dem Pick-up richtig gut. Er fährt sich deutlich souveräner als die vierzylindrige Konkurrenz um Mitsubishi L200 oder Nissan Navara NP300 und genehmigt sich dabei nicht wirklich mehr Diesel. Der Innenraum profitiert durch ein Technikupdate und neue sehr bequeme AGR-Sitze. Er ist eine gute Mischung aus Nutzfahrzeug und Lifestyle-Crossover geworden, wobei sich der Schwerpunkt auch durch den Wegfall der puristischen Einzelkabine so langsam aber sicher weg vom reinen Lastesel bewegt.+ kraftvoller V6-Diesel, gute Achtgang-Automatik, akzeptabler Verbrauch, ausreichend geländefähig, schicke Optik, fairer Grundpreis, komfortabel und robustes Fahrwerk- teures Topmodell, zum Teil harte Oberflächen im Innenraum, winziges Handschufach
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2016-06-07

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