Testbericht

automobil-magazin.de, 1. Juli 2015

Sportwagen dieser Art sind selten. Dabei liegen sie voll im Trend: kompakte Maße, wenig Gewicht. Mit dem 200 PS Boxer im Bug und leichtem Heck wirkt der Toyota GT86 wie ein Sportwagen von damals. Mit Schaltgetriebe oder Automatik? Klare Antwort – Test Toyota GT86.

Man fühlt sich im Toyota GT86 auf die wohlige Art zurückversetzt. Aber zu weit zurückblicken bedeutet eigentlich zu viel des Guten und übers Ziel hinaus schießen. Die Inspiration für den GT86 lieferte der Toyota Corolla Levin AE86, der zwischen 1983 und 1987 zu den heißen Eisen im Rallye- und Rundstreckensport gehörte. Mit wenig Gewicht, kompakten Abmessungen und ausgewogener Gewichtsbalance. In Japan ist er Kult, hier nicht so bekannt. Aber gut, dass wir mal – von wegen: „86“ – darüber gesprochen haben.

Das Versprechen Sportsmann löst der Toyota GT86 ein. Mit 4.240 mm Länge, 1.775 mm Breite und 2.570 mm Radstand ist der GT86 nicht nur kurz, sondern der kleinste viersitzige Sportwagen der Welt. Gut dabei ist, dass man davon in erster Reihe wenig spürt. 1,95 Meter kommen gut unter. Der Kopf touchiert nicht den Dachhimmel. Die straff gepolsterten Sportsitze bieten gute Unterstützung im Lenden- und Schulterbereich. Nur der Ausstieg aus der Tiefe hat etwas Forderndes, und wenn man hinten Platz nimmt, wird’s bös eng. Im Kofferraum nicht. Der fällt im GT86 mit einem Volumen von 243 bis 330 Liter nicht nur ordentlich aus, sondern mit der im Verhältnis 50:50 zu 100 % flach legbaren Rücksitzlehne variabel. Nachteile? Alle im Sportler akzeptabel: Leise geht es nicht zu. Komfort ist auch sonst, was davon übrig bleibt. Und den Schulterblick nach links hinten kastriert die B-Säule. Was soll´s? Der GT86 geht eh schwer nach vorne.

Inspiriert von nur 1.285 mm Höhe und einer anregenden Gewichtsbalance von 53 zu 47 Prozent auf Vorder- und Hinterachse. Der flach bauende Boxermotor und die Tatsache, dass Antriebsstrang und Sitze so weit hinten und tief wie möglich positioniert wurden, besorgen dem GT86 seinen niedrigen Schwerpunkt. Das sportliche Setup der McPherson-Federbeine vorne und der Doppelquerlenker hinten sowie das spät regelnde ABS und VSC offenbaren: hier geht was.

Der Toyota GT86 liegt – 100 Euro ins Phrasenschwein – wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße: trocken, hart. Das mit einem Durchmesser von 365 mm kleinste je in einem Toyota verbaute Lenkrad rotiert direkt und präzise. Muss es auch. Die Gefahr vom schönen Heck überholt zu werden, fährt im 1,3 Tonnen schweren und heckaktiven GT86 auf Schnee allgegenwärtig mit. Die leichte Hinterachse fordert die Sicherheitselektronik aufs Intensivste heraus. Ist das ESP ausgeschaltet und das VSC auf „Sport“ eingestellt, glücken ausschweifende Drifts.

Wer es authentisch und historisch korrekt mag, schaltet im GT86 mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe per Hand und nicht an den Paddles der Sechsstufen-Automatik. Damit nimmt der Fahrer intensiver am Leben teil. Beim Start lässt sich der GT86, der sich tief brabbelnd warm macht, mit kaltem Getriebe noch knochig schalten, dann aber ausgesprochen knackig. Bei 2.500 U/min steigt der Boxermotor massiver ein und kommt noch mal richtig auf zwischen 5.000 und 7.500 Touren. Wie ein echter Sportmotor aus gutem Hause: Subaru.

Wie ein Sporttriebwerk agiert der drehfreudige Vierzylinder-Boxermotor auch. Das ist schon auf dem Datenblatt zu erkennen. Der Abstand der Höchstwerte von Leistung und Drehmoment liegt extrem nah beieinander. Erst bei 6.600 Umdrehungen steht das maximale Drehmoment von 205 Newtonmeter an der Hinterachse an, kurz darauf bei 7.000 U/min die 200 PS. Die Liaison von Subarus Saugmotor und Toyotas „D-4S“-Einspritztechnik, die mit Doppel-Injektoren sowohl nach dem Direkt- als auch nach dem Saugrohr-Einspritzprinzip arbeitet, übt guten Einfluss auf den Verbrauch: 7,8 Liter auf dem Bordcomputer. Der Preis des Toyota GT86, der in der neusten Variante GT86 Pure 28.900 Euro kostet, ist fair. Mit Schaltgetriebe oder Automatik? Keine Mehrausgaben von 1.550 Euro sind notwendig. Klare Antwort: Schaltgetriebe. Wie früher. (Lothar Erfert)


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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: automobilmagazin, 2015-07-01

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