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AUDI TT 2009

Schöne und etwas raue fünf Zylinder – Damit gehört der Audi TT RS heute zu den Motorexoten. Früher war das anders. Schon ein mit dem Gasfuß unter Volllast am Audi-Werkstor durchstartender Audi 100 konnte das Ohr von Passanten in erfreute Wallung versetzen. Mit dem schmutzigen und rauen „Fünfzylindern“ eines Urquattro oder Sport Quattro ließ sich diese Emotion noch steigern … Das gefiel, aber eben nicht allen. Und so ging es dem Fünfzylinder im Audi-Konzern am Ende so ähnlich wie einem Ehemann in einer zerrütteten Ehe – Schluss, Ende, aus.
Geschichte wiederholt sich. Immer und immer wieder. Und so kommt im TT RS, der Sportversion der Sportversion, nun ein quer eingebauter Fünfzylindriger zum Einsatz. Das Wastegate pfeift massiv auf die Konventionen, die heute Vier- und Sechszylinder bestimmen. Der Zündfunke funkt einen etwas schrägen Takt: „1“-„2“-„4“-„5“-„3“, „1“-„2“-„4“-„5“-„3“, … In den USA motorisiert das gleiche Aggregat einen der langweiligsten Volkswagen, den äußerst biederen VW Jetta, der dort noch gebaut wird, weil Amerikaner das Stufenheck so lieben. Hierzulande wird der Motor, aufgewertet durch einen Turbolader, nach langer Abstinenz einem weit attraktiveren Motorraum zugeteilt – dem kurzen des TT.
Der akustisch reizvolle Motor, der mit 183 kg nur etwa 30 kg schwerer als der 2,0 Liter-TFSI- Vierzylinder aus dem TTS und leichter als ein Sechszylinder ausfällt, verfügt über 2,5 Liter Hubraum. Das macht ideale 500 Kubik pro Brennraum. Und so erntet der mit groß dimensioniertem Turbolader, neuem Kurbelwellengehäuse und einer Direkteinspritzung gründlich aufgemöbelte Motor, bei 5.400 U/min erquickliche 340 PS Motorleistung. Zuerst steht schon sehr früh ein fundamentales Drehmoment von 450 Nm an, später bedeutet es bei 1,2 bar Ladedruck: 137 PS pro Liter Hubraum – sportiv und ambitioniert.
All das macht den 1,5 Tonnen schweren TT RS schnell. So richtig schnell. So schnell, dass sogar mancher Porsche, Innenspiegelentrückt und ohne folgen zu können, den Anschluss verliert. Was man endgültig versteht, wenn man das Datenblatt überflogen hat: Die 4,6 Sekunden von Null bis 100 km/h sind in der Sportwagenklasse schon eine Hausnummer. Dass sich der Ingolstädter – natürlich gegen Aufpreis – auch für die Tiefflugzone jenseits der 250 km/h qualifiziert, indem seine Elektronik dafür freigeschaltet wird, steigert seinen potentiellen Mythos weiter: Tempo 280 sind dann drin – R8, komm doch.
Zum Preis eines Audi R8 mit dem kernig posaunenden 4,2 Liter-V8 im Heckabteil erhält man zwei mit etwas Sonderausstattung rund 60.000 Euro teure Audi TT RS. Die echten Gegner, die auch preislich mit dem Audi auf Augenhöhe spielen, sind der feurig-seidige Z4 sDrive 35i von BMW, der mit seinem variablen Dach genauso auf das TT RS Coupé wie auf den TT RS Roadster abzielt, und der Cayman S mit dem charakterfesten Boxermotor von Porsche. Im traktionssouveränen Audi sorgt jedoch nicht nur ein „simpler“ Heckantrieb dafür, dass die Kraft auch auf den Boden kommt, sondern der serienmäßige Quattroantrieb mit vier angetriebenen Rädern und einer Haldex-Kupplung.
Dem Alltag und dem Nachwuchs stellt sich auch ein Audi TT RS – wie ein jedes TT Coupé – mit ordentlichem Kofferraum und umklappbarer Rücksitzlehne. Was trotzdem eher selten klappen wird? Die 9,2 Liter Normverbrauch. Aber das hat man schon vermutet. Auch früher war der Fünfzylinder nicht fürs Sparen bekannt. Auch weil er so gut und stimmig klang, und man ihm dafür öfters mal herzhaft die Sporen gab. (le)