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Testbericht

25. November 2013
Es reicht: Sie haben uns lange genug angeheizt. Erst eine lauwarme Vorstellung mit Werksfotos, dann durften wir ihn selbst fotografieren – und damit wurde es schon heißer. Schließlich eine Sitzprobe, bei der der Kollege fast dahinschmolz. Doch fahren? Nie. Erst jetzt lassen sie uns. Und wir sparen uns den Begrüßungs-Smalltalk, greifen gleich nach dem Schlüssel. Nun muss der Alfa Romeo 4C auf der hauseigenen Fiat-Piste im norditalienischen Balocco zeigen, was er kann. Wir haben die Rennstrecke eine Stunde lang exklusiv – Zeit für maximalen Fahrspaß. Stauchen wir den Alfa Romeo 4C also nach der langen Geraden aus Tempo 250 zusammen, wippen uns herunter bis in den zweiten Gang, reißen ihn in die Kurve, gehen früh und hart ans Gas – der aufgeladene Vierzylinder kommt erst nach einem ausgeprägten Turboloch zur Sache –, zappen uns bis zur nächsten Bremszone wieder durchs Doppelkupplungsgetriebe hoch. Und realisieren mitten im Eifer des Gefechts, dass gerade erst die dritte Runde beginnt.

Alfa Romeo 4C macht es seinem Fahrer leicht In Runde zwei hatten wir den Alfa Romeo 4C bereits in einer 180-Grad-Links per Lastwechsel quergestellt. Einfach, weil uns danach war. Im ausgedrehten dritten Gang hat es aus den hinteren Radkästen geraucht. Eigentlich höchst gewagt bei einen prinzipbedingt kippeligen Mittelmotor-Zweisitzer mit kurzem Radstand. Wenn überhaupt, klappt das erst nach langer Eingewöhnungszeit, beim Alfa Romeo 4C aber aus dem Stegreif. Doch der Alfa Romeo 4C will seinen Fahrer nicht mit Drehern demütigen, wird nicht einmal beim Umsetzen in Wechselkurven auf der Hinterachse leicht. Man muss nur in ihn hineinfühlen und seinem Rhythmus folgen – der Rest ergibt sich fast schon spielerisch. Zwar erfordert die servofreie Lenkung trainierte Schultern und zupackende Hände, doch sie spricht Bände: Man muss ihr nur zuhören und weiß immer, wo die Räder stehen, wie viel Grip der Asphalt bietet und wie weit es noch bis zum Haftungsabriss ist. Auf schlechten Landstraßen kann diese Geschwätzigkeit nerven: Jede Bodenwelle beeinflusst die Lenkung – der Alfa Romeo 4C tigert, wandert, versetzt, und der Fahrer muss ständig den Kurs korrigieren. Hierzu trägt das straffe Optionsfahrwerk als Teil des Sportpaketes bei, welches Unebenheiten kaum schluckt, sondern an den Aufbau weitergibt. Dass der Alfa Romeo 4C-Testwagen darüber verfügt, ist kaum zu überhören: Er plärrt fast wie ein Rallyeauto los. Wie Alfa Romeo den Sportauspuff homologiert hat, ist ein Rätsel. Innen dagegen dominiert das Zischen und Wiehern des Turboladers.

Geringes Gewicht, hohe Verarbeitungsqualität Der Alfa Romeo 4C übt sich im Verzicht: keine adaptiven Dämpfer und kein Gasdruckdämpfer zum Aufhalten der Heckklappe. Asketen können beim Zweisitzer auf Klimaanlage und Radio verzichten; so will Alfa Romeo übrigens auch auf 895 Kilogramm Leergewicht kommen. Wir wollten es auf einer Waage in Balocco nachprüfen, doch das hat der Hersteller nicht zugelassen. Deshalb eine Schätzung: Mit allen Flüssigkeiten sowie vollgetankt könnten 1.000 Kilogramm realistisch sein. Plus Fahrer. Zumindest fährt sich der Alfa Romeo 4C wie ein Leichtgewicht: spielerisch und intuitiv. Muss man sich an einen ähnlich konzipierten Lotus Elise S erst lange herantasten, um das Limit zu erreichen, so gelingt dies im Alfa Romeo 4C beeindruckend schnell – der Übergang zum Grenzbereich ist weich. Beim genauen Peilen hilft auch die gute Übersichtlichkeit nach vorn, weil die Sitze relativ hoch montiert sind und die Frontscheibe weit herunter reicht. Zum ernsthaften Rennstrecken-Fahren fehlt eigentlich nur eine mechanische Differenzialsperre, denn der elektronisch geregelte Bremseneingriff kann das Durchdrehen des entlasteten inneren Rades beim Herausbeschleunigen aus Kurven nicht zuverlässig verhindern. Schade, dass der Hersteller gerade daran gespart hat. Die Verarbeitung ist dagegen tadellos: kein Zittern, kein Klappern – der Alfa Romeo 4C wirkt wie aus dem Vollen gefräst. Das liegt an der Ernsthaftigkeit des Aufbaus: Chassis aus kohlefaserverstärktem Kunststoff, Karosserie aus Glasfaser-Verbundstoff, Mittelmotor mit Kühlung vorn zwischen den Crashboxen. Und der Innenraum des Alfa Romeo 4C ist völlig auf den Fahrer zugeschnitten. Der Beifahrer wird zum passiven Gast, kann nicht einmal seinen Sitz verstellen. Sieht aus, als hätte Alfa Romeo mit Hilfe der beiden Konzern-Geschwister Ferrari und Maserati mit dem Alfa Romeo 4C aus dem Stegreif heraus einen echten Sport-Puritaner auf die Räder gestellt, der sogar für begabte Amateure voll beherrschbar ist. So lohnt es sich dann doch, auf die lang ersehnte Fahrmöglichkeit zu warten.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-11-25

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