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Testbericht

14. März 2015
Beschleunigungsduell zwischen Alfa Romeo 4C und Iveco Stralis Race-Truck. Wie es zu der Idee für dieses verrückte Rennen kam, weiß keiner mehr so genau – ist aber eigentlich auch egal. Was zählt, ist die Idee. Hauptsache, wir stehen an diesem Novembermorgen auf dem Flughafen Leipheim. Wie es sich für ein Duell gehört, wabert frostiger Nebel über die Betonpiste, doch unsere Herzen glühen. Cuore sportivo gegen Schwabentruck. Der 1.400PS starke Diesel-Sumo aus Ulm fordert den 240-PS-Mittelmotor-Floh aus Arese. Showdown auf der 700-Meter-Piste. Allerdings nicht aus dem Stand, da würde es den Goliath zerreißen.

1.400PS und 6.000 Newtonmeter im Stralis
Immerhin wollen 5,5 Tonnen gewuppt werden, wozu ein 12,9-Liter-Reihensechszylinder zwischen den Längsträgern des Rahmens klemmt. Im Grundsatz beides serienmäßig. Im Grundsatz, denn erstens hängt der Cursor 13 normalerweise weiter vorn, und zweitens schickt er in der Serie maximal 560PS ans Getriebe. Beim Renn-Stralis sind es heute so um die 1.400PS sowie an die 6.000 Newtonmeter. Der für die Truck-Rennen vorgeschriebene Air Restrictor ist nämlich ebenso draußen wie die Tempodrossel auf 160km/h. Tempo 220 wären schon drin, grinst Teamchef Georg "Schorsch" Glöckler.Es wird beim Konjunktiv bleiben, denn wenn Fahrer Charly tatsächlich voll durchzöge, würde der Stralis beim Bremsen wohl eine Schneise bis ins Allgäu ziehen. Und das, obwohl die modifizierten Serienstopper mit ihren Brembo-Scheiben regelrecht ankern. Damit sie nicht umgehend verglühen, bekommen sie eine kühlende Dusche, wofür der Stralis mehr Wasser (240 Liter) als Diesel bunkert. Auch der Ladeluftkühler, der im nunmehr vakanten Motortunnel steht, während der normale Wasserkühler waagerecht vor und unter ihm liegt, bekommt eine Extrakühlung.

Alfa Romeo 4C leistet 240PS und 250Nm
Und wer baut so was? Hochbezahlte Werksequipe im Technologiepark? Nix davon, Freiwillige. Weitgehend ehrenamtlicher Motorsport also, auf den der Teamname diffus hinweist. Denn Schwabentruck steht nicht nur für die Herkunft der Truppe rund um Ulm, sondern dafür, "dass mir kei Geld hent", so der Chef augenzwinkernd.Jetzt platzt dem 4C aber der Kragen. Er, der glutrote Alfa Romeo 4C, ist es nicht gewohnt, im Schatten zu stehen. Dank Carbon-Chassis und Verzichts auf überflüssigen Luxus wiegt der Eintonner weniger als allein der Motor des Iveco. Im 4C schuftet ein 1.750er-Mittelmotor, der großzügig turbogeladen 240PS und 250 Newtonmeter auf die Hinterachse loslässt. Schnellrechner überschlagen kurz und – richtig: Beim Leistungsgewicht von etwa 4 kg/PS kommen sich die Kontrahenten deutlich näher als beim Charakter.

Biestig grölender Stralis
Wobei hinterm Lenkrad des Alfa Romeo 4C eine für Serienautos schon reichlich rennsportliche Atmosphäre aufkommt. Wenig Ausstattung, kaum Dämmung. Da schreit der Motor, pfeift sich der Lader die Schaufeln heiß, prasseln die Steinchen von der Straße kaum gedämmt gegen das Monocoque. So eine knallharte Carbon-Büchse ist eben auch ein klasse Resonanzkörper.Aber, liebe Freunde, lange noch kein Vergleich zum Stralis. Dessen Diesel grölt so herrlich biestig aus den sechs Zylindern und beißt trotz zwei Litern Einzelhubraum Pedalbefehle willig an. ABS und Konsorten? Nix davon. Der Pilot schaltet das im Kern serienmäßige Sechzehnganggetriebe (ZF 16 S 221 OD) per Kupplung und Schaltstock, der Pilot des Alfa Romeo 4C sein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe per Wippen am Lenkrad, von Traktionskontrolle, ESP und ABS umsorgt.

Vollgas!
So, nun besorgen wir es uns aber endlich. Parallelfahrt mit rund 60km/h, Vollgas, wer zuerst an der nächsten Pylone ist, hat gewonnen. Iveco-Pilot Charly fährt mit Volllast gegen die Bremse, die wassergekühlten Scheiben dampfen, der Motor grollt dumpf und wild gegen den Widerstand, während ich den Alfa Romeo 4C auf passende Drehzahl bringe.Jetzt gilt es, hinterm Rücken lechzt der Vierzylinder, auf dem digitalen Drehzahlmesser ist schon Partyzone, 7.000 Touren, die Pluswippe schnippen und weiter. Charly und sein Stralis bekommen das Ganze in einem Gang hin. Und wie! Der Truck wird immer größer, Meter für Meter schiebt sich die orange Flanke am Seitenfesnster des Alfa Romeo 4C vorbei, irgendwann taucht das Stralis-Heck vor der Frontscheibe auf. Zielstrich, Ende, aus, das war’s. Goliath hat gesiegt. Kleiner Trost: Es bleibt in der Konzernfamilie. Außerdem lädt Chef Schorsch noch ins Cockpit: Selber fahren, jetzt. Ein Kindheitstraum. Das Lenkrad steht senkrecht, die Welle zweigt direkt nach unten ab, der Schalensitz passt, die Sechspunktgurte klicken. Bloß nichts anmerken lassen, trotz Euphorie ganz cool bleiben, während Charly die wichtigsten Handgriffe erklärt. Ladedruck ruhig über zwei Bar halten, dann geht richtig was. Die Getriebegruppe werde ich nicht wechseln müssen, es genügen fünf bis acht am dicken Knüppel mit H-Schema.

Goliath mit überraschend präzisem Handling
Schlüssel rum, Starter drücken. Tür zu. Yiieehah. Endlich! Kupplung rauslassen, Gas, erst vorsichtig zur Probe, dann Bodenblech. Holla, das Ding schiebt wie verrückt, der Ladedruck schnellt hoch, die Drehzahl ebenfalls. Also flugs die Gänge wechseln. Sechster, siebter, achter. Bei jenseits Tempo 140 langsam ans Bremsen denken, großen Bogen fahren, und schon beginnt der Spaß von vorn. Überraschend präzise die Lenkung, regelrecht quirlig die Gasannahme.Über den Punch des Motors müssen wir nicht reden. 6.000 Newtonmeter wirken selbst angesichts von fünfeinhalb Tonnen noch imposant auf die zu 100 Prozent gesperrte Meritor-Hinterachse. Wer zu viel Pedal gibt, steht sofort quer. Auch beim Bremsen, denn die Jungs haben für hartes Stoppen ordentlich Druck nach hinten geschickt, was sogar die Rennreifen in 315/70 R 22.5 überfordert. Mehr wollen wir heute nicht mehr ausprobieren, geben Goliath unversehrt zurück, er soll sich schließlich noch versonnen an seinem Erfolg erfreuen.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-03-14

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