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Testbericht

5. Juni 2010

Wenn ein Alfa Romeo-Ingenieur ungefragt für sein neues Modell ein Mehrgewicht einräumt, verheißt das nichts Gutes. Schlagartig rumpeln sich der Brera - heimlicher Marktführer unter den fast zwei Tonnen schweren Coupés mit vier Zylindern und vier Auspuffrohren - und seine übergewichtigen Geschwister Spider und 159 ins Gedächtnis.

Die Materialen im Alfa Romeo 8C Spider sehen nach dem aus, was sie sind Immerhin 90 Kilo mehr als der Competizione soll der Alfa Romeo 8C Spider wiegen - trotz seiner Karosserie aus Kohlefaser. Vier Auspuffrohre hat er auch. Und dann erzählt Entwicklungschef Domenico Bagnasco freimütig davon, dass es einen 100 Kilogramm schweren Alu-Block brauchte, um eine nur fünf Kilo leichte Mittelkonsole daraus zu machen. Effizienz ist was anderes. Aber es wirkt. Alles, was aussieht wie Alu, ist es auch. Alles, was aussieht wie Karbon, ist es auch. Alles, was aussieht wie Leder - genau. Und die wenigen Teile, die aus Plastik sind, sehen auch danach aus. Immerhin ist Alfa konsequent. Die Gewichtsverteilung des Alfa Romeo 8C Spider bleibt bei 50:50 Na ja, beinahe, denn trotz der Knopf- Klaviatur rund um die elektronische Parkbremse fehlt der Daumenstarter, der inzwischen selbst in vielen Großserienmodellen zu finden ist. Der Achtzylinder des Alfa Romeo 8C Spider wird mit einem klassischen Dreh am Schlüssel aus dem Schlaf geweckt. Schön. Nach einem kurzen, lauten Bellen verzieht sich der große, wilde Hund unter der Haube wieder in seine Hütte und wartet dumpf knurrend auf einen großen Napf voll Super Plus. Cheftester Domenico Martino verspricht unterdessen vom Beifahrersitz aus, dass man das aus den spiderspezifischen Versteifungsmaßnahmen resultierende Mehrgewicht derart geschickt im Auto untergebracht hat, dass die Gewichtsverteilung bei 50:50 geblieben ist. Als der Spider über einen welligen Bodenbelag in Richtung Rundkurs hoppelt, fabuliert Martino von einer gegenüber dem Coupé sanfteren Federung. Danke für den Hinweis, dies wäre sonst verborgen geblieben.

450 PS knurren unter der Haube des Alfa Romeo 8C Spider Die Frage, warum sich das Leder der Sitze weich wie auf der heimischen Couch anfühlt, die Wirbelsäule beim Platznehmen aber umgehend an die darunterliegende Karbonschale anklopft, bleibt ungestellt. Erstens handelt es sich beim Alfa Romeo 8C Spider um einen Sportwagen, und zweitens darf der wilde Hund jetzt endlich aus seiner Hütte. Er stürmt los, als gelte es, einen großen Knochen mit besonders viel Fleisch daran zu apportieren. Die ehemals schlaff hängende Nadel des Drehzahlmessers wischt an der 7.000er-Marke vorbei, jetzt sind alle 450 PS zur Stelle. Bei 7.500 Umdrehungen ist es der Drehzahlbegrenzer. In 4,4 Sekunden soll der Alfa Romeo 8C Spider auf 100 km/h spurten Der rechte Zeigefinger zieht am Abzug des automatisierten Sechsganggetriebes und schießt die nächste Zahnradpaarung in das an die Hinterachse geflanschte Gehäuse. Innerhalb von 4,4 Sekunden soll aus dem Stand Tempo 100 erreicht werden. Oder in 4,5 Sekunden, da ist sich die Alfa-Pressemappe nicht so ganz sicher. Wie auch immer. Jedenfalls bleibt überraschenderweise exzessives Kopfnicken aus, was diese Art des Gangwechsels meist mit sich bringt. Die Passagiere nicken höchstens dezent zustimmend ihrem von der Leine gelassenen Haustier zu. Es darf unverzüglich weiterrennen. Immer weiter, bis zur ersten Kehre. Dank der Front-Mittelmotor-Bauweise bräuchte das 4,7-Liter-Triebwerk eigentlich kein Gaspedal. Man könnte die Drosselklappen auch mit dem großen Zeh kitzeln, so dicht vor der Spritzwand hat sich der V8 verkrochen. Von dort aus hat er den immer noch rund 1,7 Tonnen schweren Zweisitzer bestens im Griff.

Das Heck des Alfa Romeo 8C Spider kommt nicht aus der Ruhe Das Aggregat fordert zwar immer wieder seine Freiheit, wirkt dabei aber nie aggressiv provozierend wie beispielsweise ein Lamborghini, dessen Sound an ein Sägewerk bei Hochbetrieb erinnert. DerAlfa Romeo 8C Spider schießt durch eine Unterführung auf die nächste Kurvenkombination zu. Schaltet man im richtigen Moment - also unmittelbar unter der Brücke - herunter, bellt der wilde Hund lautstark ein Gewitter an, das postwendend mit lautem Donnern antwortet. Das kann der V8 auch ohne Brücke, keine Sorge. Aber wenn schon mal ein betonierter Verstärker da ist, sollte man ihn nicht ignorieren. Beim Einlenken folgt derAlfa Romeo 8C Spider auf seinen 20-Zoll-Felgen mit Pirelli-Sportbereifung dem Befehl des Fahrers unverzüglich und ungefragt, folgt neutral der vorgegebenen Linie. Selbst herausfordernd frühes Gasgeben bringt das Heck nicht aus der Ruhe. Bei ausgeschaltetem ESP erfolgt der Übergang von Haft- in Gleitreibung sanft und kontrollierbar. Das mit der Gewichtsverteilung stimmt also offenbar. Für ein elektronisch geregeltes Fahrwerk für den Alfa Romeo 8C Spiderwar kein Geld mehr da Und Martino verrät noch ein Geheimnis: Nach dem verschwenderischen Umgang mit Karbon und dem zwar aus dem Konzern stammenden, aber deshalb keinesfalls billigen Antriebsstrang blieb im Budget keine Luft mehr für ein elektronisch geregeltes Fahrwerk und eine ebensolche Lenkung. Gott sei Dank. Der Alfa Romeo 8C Spider ist der beste Beweis dafür, dass ein guter Sportwagen auch ohne Legionen von Bits und Bytes auskommt. Warum fehlendes Geld der Grund dafür sein sollte, bleibt angesichts des kaum discountertauglichen Grundpreises von über 211.000 Euro rätselhaft. Denn auch bei den Bremsen wurde nicht gespart. Rundum arbeiten Keramikscheiben von einem Format, hinter dem sich ein kompletter Tata Nano problemlos verstecken könnte. Und sie arbeiten fabelhaft - wenn man mit beherztem Tritt die Anlage auf Temperatur gebracht hat. Dann lässt sich der Zweisitzer brutal zusammenstauchen. Es werden nur 500 Alfa Romeo 8C Spider gebaut Wie von selbst zuckt dabei der linke Zeigefinger, um das im Sportmodus arbeitende Getriebe in den nächstkleineren Gang zu zwingen. Die beiden anderen Modi - Automatik und Normal - sind vorhanden, mehr auch nicht. Wie übrigens auch das Verdeck. Es sollte meistens geöffnet bleiben. Nein, es muss offen bleiben. Sonst kann man ja gleich Coupé ( zum Fahrbericht Alfa Romeo 8C ) fahren. Ach nein, die sind schon ausverkauft. Der Alfa Romeo 8C Spider sicherlich auch bald, denn es werden nur 500 gebaut. Kaum wahrscheinlich also, dass sich bald nochmal die Gelegenheit bietet, den wilden Hund von der Leine zu lassen. Offenbar sieht das Domenico Martino genauso. Mit einem überraschenden "Go, go, go!" fordert er zur nächsten Runde auf. Ungefragt.

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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-06-05

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