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Testbericht

11. September 2010

So so, Ihr Chauffeur verhält sich in letzter Zeit irgendwie seltsam. Drapiert unauffällig Broschüren des Aston Martin Rapide, erwähnt beiläufig, dass es jetzt endlich mal eine richtig schicke Limousine gebe. Eine, die trotz vier Türen und fünf Meter Länge wahre Coupé-Aura mitbringe. Natürlich kontern Sie als Kenner gelassen: "Aston Martin Rapide? Alles schon mal dagewesen, zwischen 1961 und 1964, sogar als Shooting Brake. Insgesamt haben 28 überlebt."

Für geschäftige Fond-Rekler ist der Aston Martin Rapide ungeeignet Wenn die treue Seele am Steuer munter weiter insistiert, bohrend an den demnächst auslaufenden Leasingvertrag erinnert, über den in Köln handgefertigten Sechsliter-Zwölfzylinder sowie das um knapp 25 Zentimeter gestreckte Vertikal-/Horizontal-Aluminium-Chassis doziert, das die Limousine mit den Coupés teilt: Stoppen Sie den Egoisten, bevor es zu spät ist. Für geschäftige Fond-Rekler ist der Aston Martin Rapide nämlich ungefähr so gut geeignet wie Prinz Charles für die Regentschaft. Es ginge - doll wäre es aber nicht. Klar hat der Aston Martin Rapide Türen und Plätze für vier, doch die beiden klappbaren Lederschalen im Fond sind eher für kleine (Isofix!) als für gewichtige Entscheider gemacht. Zu schmal, zu eng, noch dazu durch die dominante Mittelkonsole separiert. Der Fahrbericht zeigt: Der Aston Martin Rapide umarmt seine Gäste Wohlwollend könnte man sagen, der Aston Martin umarmt seine Gäste im Fond innig wie ein Sportwagen. Ein Hauch Geschmeidigkeit kann beim Einstieg ebenfalls nicht schaden. Also: Wer im Aston Martin Rapide vorn sitzt, ist vorn. Mit Blick auf die coolen Instrumente mit gegenläufigen Zeigern und der Freude, den noch cooleren Autoschlüssel - einen massiven Block mit Kristallspitze - in den Start-Schlitz schieben zu können. Schlüsselerlebnis für alle, die Grande Complication höchstens an ihrem Handgelenk dulden. Wohl wissend, dass eine Swatch für 50 Euro die Zeit ebenso genau anzeigt wie so ein mechanisches Meisterstück zum Preis eines Aston Martin Rapide. Was wiederum die 180.000 Euro für die in 220 Mannstunden weitgehend handgefertigte Limousine rechtfertigt. Ganz abgesehen von deren unbezahlbarer Gentleman-Aura. Somit fühlt man sich beim Hinweis auf die knapp 50.000 Euro Differenz zum Porsche Panamera Turbo fast schon wie ein Erbsenzähler.

Der Porsche Panamera tritt im Fahrbericht selbstbewusst auf Obwohl der Porsche Panamera mit seinem Biturbo-V8, Allradantrieb und vergleichbar opulenter Ausstattung wahrlich selbstbewusst auftritt. Lediglich die Form der Heckpartie verlangt von Coupé-Fans Kompromissbereitschaft - auf die man beim Platzangebot im Fond wiederum verzichten kann. Urteil: Danke, es genügt. Und überhaupt: Gegen hämische Bemerkungen wehrt sich Porsche mit Macht - der von 500 blendend aufgelegten PS und ebensolchen 700 Newtonmetern in einem enorm gut ausbalancierten Chassis. Allein diese Lenkung - dafür würde mancher Sportwagenfahrer auf Knien nach Weissach rutschen, um den Ingenieuren zu huldigen. Jene eingeschworene Truppe, die neben Sachkenntnis auch Humor besitzt. So wie damals, als sie "Made in Flacht" auf das Heck des Le Mans-Siegers 911 GT1 klebten - zum Zeichen der Verbundenheit mit dessen Geburtsort und der Teststrecke von Weissach-Flacht. Den sich dreidimensional entfaltenden Heckspoiler des Panamera müsste "Made in Leipzig" zieren, denn dort wird er montiert. Der Aston Martin Rapide dagegen wird, obwohl am Stammsitz Gaydon entwickelt, in Graz gefertigt. Graziös eben. Und mächtig. Der Aston Martin Rapide verleugnet sein Gewicht Sicher hat man schon biestiger anreißende Zwölfzylinder erlebt, wuchtigere 477 PS und 600 Newtonmeter unterm rechten Fuß gehabt - doch noch nie im Bug eines derart eleganten Viertürers. Der Aston Martin Rapide verleugnet seine zwei Tonnen und den Extra-Fond nicht nur optisch, sondern auch physisch recht erfolgreich. Willig einlenken, verlässlich Linie halten und ordentlich Traktion versichern - das kann er und weist das Vorurteil von der träge-saturierten Limousine von sich. Weit hinten montierter Motor plus Automatikgetriebe an der Hinterachse helfen dabei ebenso wie das Sperrdifferenzial und die Doppeldreiecks-Querlenker-Aufhängung mit Stahlfedern und Bilstein-Adaptivdämpfern. Dass bei der Mimikry vom technisch verschwisterten Aston Martin DB9 zum Rapide so wenig verplempert wurde, ist auch ein Verdienst von Ulrich Bez. Ein Mann, den als Porsche-Entwicklungschef vor fast zwanzig Jahren die Kostenexplosion beim Porsche Panamera- Vorgänger 989 fast zerriss und der sich inzwischen so Aston-verwachsen gibt, dass ihn das deutsch-britische Forum für die Verbindung beider Kulturen auszeichnete. Ihn persönlich zeichnet aus, dass er trotz sich nähernden Rentenalters in Renn-Overall und verschwitzten Haaren jene Mannhaftigkeit versprüht, die Retorten-Managern abgeht. Diesen Sportsgeist vermittelt auch der Rapide.

Der Porsche Panamera überzeugt im Fahrbericht mit seinem eigenständigen Interieur Folgerichtig gönnt Bez ihm und seiner Entwicklertruppe den traditionellen Einsatz eines neuen Modells beim 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife. Wobei - so ein Porsche Panamera als Ring-Kong hätte ebenfalls was. Zornig anblasender Biturbo unter der Haube und Walter Röhrl am Steuer des ausgeräumten Monsters - da fiele den Fans hinterm Zaun vermutlich die Grillzange aus der Hand. Im Hier und Jetzt überzeugt der Porsche Panamera lieber mit seinem toll gemachten, eigenständigen Interieur. Eine ergonomische Melange aus Sportler und Limousine. Hochwertig verarbeitet, modern ausgestattet, trotz Knopfreichtum einfach bedienbar - selbst wenn Aston-Fans angesichts der offensiven Fülle moderner Technik das Grausen packt. Vermutlich wird sie nicht einmal das alltagstauglichere Porsche Panamera- Platzangebot - sogar im Fond auf bequemen, gegen Aufpreis verstellbaren Einzelsitzen -zu Schlüssel-Linksträgern machen. Gleiches gilt für den 432 Liter großen Kofferraum, der den des Aston Martin Rapide um 115, bei umgeklappten Lehnen sogar um 364 Liter übertrifft. Beim Fahren lässt sich eine Differenz ebenfalls kaum leugnen. Der Porsche Panamera focussiert schärfer, hält die gewählte Linie noch unbarmherziger, tritt bei Bedarf brutaler an, schaltet per Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe zackiger als der Sechsgang-Wandlerautomat des Aston Martin Rapide. Beide Sportwagen im Fahrbericht haben ihren besonderen Reiz Überdies steckt das Porsche-Fahrwerk mit Luftfederung, Adaptiv-Dämpfern und aktiven Stabilisatoren speziell lange Wellen cooler weg als der trockener abgestimmte Brite. Der entschädigt dafür mit seinem heiser-aristokratischen Auspuffsound, wie ihn nur ein Zwölfzylinder-Sauger atmen kann. Was Sie Ihrem Chauffeur nun sagen sollen? Etwas Salomonisches: Nehmen Sie beide. Wie die Leser von auto motor und sport. Diese wählten den Porsche Panamera zur besten Limousine insgesamt, den Aston Martin Rapide zum besten Importauto.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-09-11

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