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Testbericht

15. September 2011

Beim ersten Schlüsseldreh poppt es wieder auf, dieses kleine bisschen Neid auf Länder wie die USA und Japan und ihr konsequentes Ignorieren des Dieselmotors. Während sich Europa längst dem drehmomentstarken und sparsamen, doch wenig Emotionen weckenden Selbstzünder bis hin zur Luxusklasse unterworfen hat, genießen die Kunden in Übersee mit Vorliebe wummernde Achtzylinder-Benziner. In diesem Segment galt bislang das an eine Achtstufenautomatik gekoppelte 4,2-Liter-Triebwerk des Audi A8 4.2 FSI Quattro als Meister in Sachen Effizienz. Mercedes möchte nun den Beweis erbringen, dass in diesem Punkt das neue Biturbo-Aggregat des Mercedes S 500 locker mithalten kann - bei deutlich höherer Leistung.

Downsizing im Mercedes S 500 nicht spürbar Schon bei 1.800 Umdrehungen boxt das maximale Drehmoment von 700 Newtonmeter auf die Kurbelwelle, wofür vor allem die zwei mit 0,9 bar Überdruck arbeitenden Turbolader im Mercedes S 500 verantwortlich sind. Zwischen 1.600 und 4.750/min stehen stolze 600 Nm zur Verfügung - wer jammert jetzt noch über den im Vergleich zum Vorgänger von 5.461 auf 4.663 Kubikzentimeter reduzierten Hubraum? Wenn im Leerlauf sanfte V8-Bässe durch das Interieur wabern, erst recht nicht. Der Eindruck eines Saugmotors mit üppigem Volumen bleibt auch beim Anfahren erhalten, da das Gaspedal mit seinem eher zurückhaltenden Ansprechverhalten ein hektisches Überschwappen der Drehmoment-Woge unterbindet. Zügig und unmerklich schaltet die Siebenstufenautomatik des Mercedes S 500 mit reduziertem Wandlerschlupf durch die Fahrstufen und hält im Eco-Modus die Drehzahl so lange wie möglich unterhalb der 2.000/min-Marke. Mercedes S 500 in 4,8 Sekunden von null auf 100 km/h So schießt der Mercedes S 500 dezent grollend von null auf 100 km/h in 4,8 Sekunden, zwei Zehntel schneller als die Werksangabe. Die kurzhubige Auslegung sowie die vergleichsweise niedrige Kolbengeschwindigkeit von 15,1 Meter pro Sekunde (Audi A8 4.2 FSI Quattro): 21 m/s) gewährleisten dabei geschliffene Manieren bis zum Einsetzen des Drehzahlbegrenzers. Um die Nachteile des größeren Kolbendurchmessers bei der Gemischzündung zu kompensieren, können die Spulen bis zu vier Funken pro Millisekunde absetzen. Die Maßnahme soll sich zudem verbrauchssenkend auswirken. Und tatsächlich: Verglichen mit dem Vorgänger genehmigte sich der Mercedes S 500 im Testdurchschnitt 12,9 statt 14,4 Liter/100 km, auf der Normrunde sank der Verbrauch von 9,3 auf 8,5 Liter.

Kann der etwas schwächere Audi A8 4.2 FSI Quattro diese Werte nochmals unterbieten? Schließlich verzichtet er auf Turbo- oder Kompressoraufladung, die speziell bei Volllast einen überproportional hohen Kraftstoffkonsum zur Folge hat. Aufgrund der kompakteren Bauweise bevorzugt Audi eine langhubige Auslegung, was als positiven Nebeneffekt ein höheres Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen mit sich bringt. Mit 445 Nm, die bei 3.500/min anliegen, reicht der Direkteinspritzer nicht an den Mercedes S 500 heran. Dafür muss der Audi A8 4.2 FSI Quattro trotz serienmäßigem Allradantrieb 151 Kilogramm weniger Masse in Schwung bringen, weshalb die Differenz beim Standardsprint zwar deutlich, aber nicht gewaltig ausfällt. Mit 5,5 Sekunden unterbietet der Audi A8 4.2 FSI Quattro die Werksangabe ebenfalls um zwei Zehntel. Im Audi A8 4.2 FSI Quattro braucht es Feingefühl Bei vollem Leistungsabruf scheut das 4,2-Liter-Triebwerk des Audi A8 4.2 FSI Quattro nicht einmal die 7.000/min-Marke. Allerdings dreht das mit 12,5:1 hoch verdichtete Aggregat dabei wider Erwarten nicht besonders locker hoch, obwohl es von der unmerklich arbeitenden Achtstufenautomatik mit ihren kleineren Gangsprüngen stets bei Laune gehalten wird. Beim hervorragend abgestimmten Getriebe des Audi A8 4.2 FSI Quattro erübrigen sich ebenfalls manuelle Eingriffe. Der äußerst sensible Wählhebel benötigt Feingefühl bei der Bedienung, zudem gibt es noch kein Start-Stopp-System. Ungeachtet dessen gelingt es dem Antriebsstrang des Audi A8 4.2 FSI Quattro jedoch nicht, einen Verbrauchsvorteil gegenüber dem Mercedes zu erzielen. Mit einem Testdurchschnitt von 13,1 Liter/100 km liegt der A8 vielmehr leicht darüber. Das Gegenmittel: es einfach ruhiger angehen lassen und den Komfort dieser Fahrzeuggattung genießen.

Immerhin spendiert Audi dem A8 4.2 FSI Quattro ein adaptives Fahrwerk mit Luftfederung, bei dem der Fahrer eine besonders sportliche oder komfortable Auslegung wählen kann. Der gewünschte Effekt bleibt allerdings aus, denn selbst im Komfort-Modus müssen die bequemen Sitze mithelfen, Querfugen zu kaschieren - das geht nicht allein auf das Konto der 19-Zoll-Räder. Bei versetzten Bodenunebenheiten hinterlässt der Audi A8 4.2 FSI Quattro durch trockene Vertikalbewegungen zudem den Eindruck kräftig dimensionierter Stabilisatoren, was ihm wiederum beim Handling Punkte bringt. Hier wird auch deutlich, worauf der Fokus bei der Entwicklung des Audi A8 4.2 FSI Quattro lag. Die Limousine lenkt äußerst direkt ein, um auch bei hohen Geschwindigkeiten dem Kurvenradius unbeirrbar folgen zu können. Lastwechsel werden völlig ignoriert, etwaige unterschiedliche Reibwerte des Untergrundes dank Allradantrieb ebenfalls. Ein Fauxpas: die auf schlechten Straßen stößige Lenkung. Mehr Komfort im Mercedes S 500 als im Audi A8 Der Mercedes S 500 leistet sich keinen Ausrutscher dieser Art, ihm geht der Komfort über alles. Auch er federt mit Hilfe von Luft - und zwar alles in Grund und Boden. Völlig gleichgültig, ob sich lange oder kurze Wellen erheben, Schlaglöcher oder Querfugen auftun, fliegt der Mercedes S 500 einfach darüber hinweg. Da sich aber selbst die schlechteste Straße irgendwann zu winden beginnt, stellt sich dennoch die Frage nach der Agilität. Immerhin befindet sich an Bord des Mercedes S 500 eine Sport-Taste, die das adaptive Fahrwerk sozusagen vorspannt. Das erhoffte Resultat ergibt sich dennoch nicht. Früh erreicht die Mercedes S-Klasse ihre Haftgrenze und beginnt dann, wimmernd über die Vorderräder zu schieben - eine völlig andere Welt als im Audi A8 4.2 FSI Quattro. Während dieser jedoch angestrengt versucht, Dynamik und Komfort zugleich in seine Alu-Hülle zu pressen, sticht ihn der angejahrte Mercedes S 500 mit seinem überragenden Fahrkomfort und dem druckvollen Motor geschickt aus. Sein angemessener Verbrauch rückt den faszinierenden Antrieb zudem in ein zeitgemäßes Licht. Warum also den Benziner nur Japanern und Amerikanern überlassen?

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-09-15

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