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Testbericht

2. April 2013
Lass doch Las Vegas links liegen und fahr weiter mit dem Continental, bis der Kontinent aufhört, riet mir ein Kollege, als er hörte, dass ich mit dem neuen Bentley Continental GTC Speed von San Francisco nach Las Vegas reisen würde. Schließlich hießen die Bentley-Sportwagen früher deshalb Continental, weil sie für große Reisen auf dem Kontinent gebaut wurden. Doch dieser Erdteil ist dafür einfach zu groß. An Las Vegas vorbei, weiter Richtung Osten, bis Amerika zu Ende ist – in Norfolk/Virgina zum Beispiel – das sind gut und gerne 2.500 Meilen. Und das ist selbst für die großzügigen Bentley-Boys, die mir nach zwei Tagen Fahrt in der Hotelauffahrt am Strip den Schlüssel abnehmen, doch etwas viel. So dauert die Probefahrt mit dem Bentley Continental GTC Speed nur rund 700 Meilen, fast 1.200 Kilometer. Die meisten davon mit zurückgeklapptem Verdeck und weit unterhalb der Möglichkeiten dieses Bentley. Denn der jüngste Abkömmling der inzwischen breit aufgestellten Continental-Sippschaft ist nach Angabe seiner Erbauer das schnellste viersitzige Cabrio der Welt (325km/h). Offenfahren mit 625PS Es hat den Antriebsstrang des GT Speed-Coupés, also 625PS, die neue Achtstufenautomatik und den Allradantrieb mit etwas hecklastigerer Momentenverteilung (60:40). Bei einem Automobil dieser Klasse klingt es für manchen vielleicht befremdlich, wenn man feststellt, dass hier durch etwa zehn Prozent Leistungszuwachs (Continental GTC: 575PS), zwei zusätzliche Automatik-Schaltstufen und etwas mehr Drehmoment an den Hinterrädern etwas merklich verbessert worden wäre. Schließlich ließ schon der Bentley Continental GTC ohne Speed-Zusatz eher selten den Wunsch nach mehr Power aufkommen. Besonders verwöhnte Auto-Gourmets vermissten dennoch bei den einfacheren Continental eine gewisse Lässigkeit im Antritt, die man von einem sechs Liter großen Biturbo-W12 erwarten kann. Die hat der Speed nun in allen denkbaren Fahrsituationen. Die Zahlen erzählen nur sehr unvollkommen, wie sich dieser Bentley in Bewegung setzt, wenn das Fahrpedal mit Nachdruck in den Teppich gedrückt wird: 4,4 Sekunden vergehen aus dem Stand bis 100km/h, keine sechs Sekunden später ist der Speed bei 160 angekommen. Dabei hebt der W12 ganz leicht die Nase, bollert aus dem Auspuff wie ein Powerboat und sortiert die Planetenradsätze ebenso hurtig wie ruckfrei. Dem Fahrer bleibt nichts weiter übrig, als sich von der Fliehkraft in den Sessel pressen zu lassen und mit dem Lenkrad die Richtung des Bentley Continental GTC Speed vorzugeben. Bentley Continental GTC Speed mit mehr Leistung und weniger Verbrauch Womöglich wird es ihn gar nicht interessieren, doch der W12 ist nicht nur kräftiger, sondern auch sparsamer geworden: 15 Prozent weniger beim Normverbrauch, sagt Bentley. 20 Meilen pro Gallone sagt der Bordcomputer nach 300 tempolimitierten Highway-Meilen. Das sind etwa zwölf Liter pro 100 km, und das kann sich sehen lassen. Die Fahrleistungswerte des Bentley Continental GTC Speed entstammen dagegen den Werksangaben, denn im tempolimitierten Amerika ist es streng verboten, so etwas auszuprobieren. Nicht verboten ist, in den unzähligen Kurven durch die Sierra Nevada und auf den vielen Höhenmetern runter ins Death Valley die erlaubten 65 Meilen pro Stunde auch in den Biegungen stehenzulassen. Doch selbst das erledigt der Bentley Continental GTC Speed lässig, mit leichtem Pfeifen seiner 21-Zoll-Winterreifen, ohne merkliche Seitenneigung und so unaufgeregt, als gelte es, eine gekieste Schlosszufahrt im Schritttempo zu bewältigen. Bentley Continental GTC kann auch dynamisch Der Bentley Continental GTC Speed kann freilich auch anders. Wenn etwa mittels Wippen oder Schaltknauf im Getriebe gerührt oder die Sport-Stufe eingelegt wird. Dann legen die Klappen im Auspuff die Ohren an, und die Achtgangbox schaltet schon mal mit einem Ruck drei bis fünf Gänge zurück. Das alles macht ihn kaum schneller, nur lauter. Und es ändert nichts daran, dass hier 2,5 Tonnen um die Kurven gewuchtet werden. Die direkte und leichtgängige Lenkung versucht, das durch etwas sparsame Rückmeldung zu kaschieren. Obwohl ihr das ganz gut gelingt, wünscht man sich manchmal etwas mehr Gefühl für die Vorderräder. Traktionsprobleme treten selbst im Bentley Continental GTC Speed winterbereift in engen Kehren kaum auf. Und das luftgefederte Fahrwerk – was die Speed-Karosserie um zehn Millimeter absenkt – bemüht sich, die nicht immer topfebenen Wüsten-Highways in Nevada möglichst glattzuziehen. Sehr ordentlich, sagt der Mitfahrer über den Federungskomfort, aber jetzt wolle er einmal die Sportstellung der Dämpfer ausprobieren. Nur um festzustellen, dass die schon lange aktiviert war. Bentley mit hohem Verwöhnpotenzial In der Komfort-Position federt der schwere Bentley Continental GTC Speed noch souveräner, trotz der serienmäßigen 21-Zoll-Räder. Und dank des guten Windschutzes, der sibirientauglichen Sitzheizung und des optionalen Nackenföhns (904 Euro) ist das Bentley-Interieur auf sonnigen wie auf verschneiten Sierra-Pässen ein angenehmer Aufenthaltsort. Wenn auch kein ganz billiger. Als Speed kostet der Bentley Continental GTC ab 227.290 Euro, ist dann immerhin schon sehr komplett ausgestattet. Bis auf die Karbonbremsen (12.382 Euro) und die adaptive Abstandsregelung (2.434 Euro) enthält er schon so ziemlich alles, was man sich für die große Fahrt wünscht. Auch wenn es diesmal nur eine kleine war – ohne das Ende des Kontinents vor Augen.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-04-02

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