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Testbericht

12. März 2014
Kurze Pause. Im Hintergrund dieselt der Sechszylinder eines ranzigen Mercedes-Lkw der SK-Baureihe, pumpt Frischwasser in die Vorratstanks des kleinen Imbisses von Fatih und Nadim. Wie meistens weht ein leichter Wind, macht die Temperaturen von 30 Grad für bekennende Freunde des mitteleuropäischen Winters leicht erträglich. Hier, auf rund 1.000 Meter Höhe, kurz vor dem Gipfel des Jebel Hafeet, entfaltet sich das große Nichts Abu Dhabis, macht die Dimensionen des Wüstenstaats begreiflich. Seine Fläche entspricht in etwa der Bayerns, 3.000 Quadratkilometer hin oder her – egal. Doch die Einwohnerdichte liegt bei gerade einmal 9,2/km², während sich in Bayern 178 Menschen einen Quadratkilometer teilen. Und selbst dort finden sich Regionen, die sich vor allem durch das Nichtvorhandensein von Zivilisation hervortun. In Abu Dhabi wiederum entschied sich die Regierung, große Teile des Nichts mit gewaltigen Autobahnen zu durchziehen.

Dunkelheit? Nicht vorgesehen Mächtige Asphaltbahnen teilen die Wüstenlandschaft, häufig sind sie durchgehend beleuchtet und in ihrer Qualität ebenso beeindruckend wie in ihrer Größe – weniger als drei Richtungsfahrbahnen möchten die Verkehrsplaner offenbar niemandem zumuten. Wegen der spärlichen Population ergibt sich so eine Verkehrsdichte, die selbst von jener der Staatsstraße 2131 zwischen Jandelsbrunn und Altreichenau locker übertroffen wird. Auf einer solchen Autobahn trödelt nun der Bentley Continental GTC V8 vor sich hin, der Tempomat hält die Geschwindigkeit bei 130km/h, Tempo 120 ist erlaubt, überwacht durch ein erschreckend dichtes Netz von Radarfallen. Der Seitenstreifen mündet direkt in die Wüstenlandschaft, weshalb einige Verkehrsteilnehmer von der Möglichkeit, jederzeit die Autobahn verlassen zu können, gerne Gebrauch machen. Da sie meist in einem Toyota Landcruiser oder Nissan Armada sitzen, bevorzugt mit V8-Benziner, bereiten derlei Abkürzungen nur so viel Mühe, wie einen Smart in eine Vier-Meter-Parkbucht zu zirkeln. Die Übergänge zwischen Autobahnen, Schnell- und Landstraßen verlaufen nahezu unmerklich, bestenfalls an der Häufung mehrspuriger Kreisverkehre zu erkennen.

Bentley Continental GTC V8 leistet 507PS Gemütlich schlurft der Bentley Continental GTC V8 hindurch, während ein Großteil der 507PS und 660 Newtonmeter vor sich hindösen – bis plötzlich die Opulenz seines Kühlergrills von der Mächtigkeit skurriler Berge niedergerungen wird, die ein bisschen so wirken, als habe sie der Friseur von Teenie-Schwärmchen Justin Bieber dorthin geföhnt. Seltsam schräg, aber symmetrisch ragen sie aus der Landschaft, wollen scheinbar den Weg zum Jebel Hafeet weisen. Dorthin führen knapp zwölf Kilometer größtes Fahrvergnügen, dreispurig (zwei rauf, eine runter) befreit von der bedrohlichen Enge europäischer Passstraßen, ebenso von deren süßlicher Alm- und Alphüttenromantik. Eine lang gezogene Rechtskurve eröffnet die Orgie, 19 weitere unterschiedlichster Radien sollen folgen, der Asphalt bleibt immer makellos. Leicht könnte der Eindruck entstehen, dass Berg und Straße von den nicht völlig unvermögenden Einwohnern des Landes einfach so zum Spaß aufgeschüttet und angelegt wurden. Nach gut zwei Kilometern zieht eine Kehre bedrohlich zu – eine Links drei, bestenfalls – und zwingt den Continental derb ins Untersteuern.

Ach ja, das Tempolimit Selbst unter Zug wimmern die Vorderräder, so sehr der Allradantrieb auch die Kraft nach hinten schaufeln mag (maximal 85 Prozent). Ja nun, 2,3 Tonnen lassen sich auch vom besten Fahrwerksingenieur nicht einfach wegkonstruieren, doch wen interessiert’s? Zahlreiche Verkehrsschilder mahnen eine Höchstgeschwindigkeit von 30km/h, ein anderes verbietet strikt das Schreiben auf einem Rastplatz – wie Sie lesen, wurden beide Warnhinweise ignoriert. Wenige Hundert Meter vor dem Abzweig zu Fatihs und Nadims Imbiss wuchtet sich der Bentley Continental GTC V8 durch eine Rechtskehre, in der die Fahrbahn zudem leicht hängt, schraubt sich völlig nebensächlich weiter den Berg hinauf. Im Sport-Modus der Achtstufenautomatik darf das Heiße-Seite-innen-V8-Triebwerk zornig-donnernd aufbegehren, sprotzelt beim Herunterschalten, jedoch nie so stark, dass eine der endlosen Ziernähte im hemmungslos belederten Interieur verrutschen könnte. Immer wieder einmal hängt die Fahrbahn leicht, gerne in den Wechselkurven, intensiviert so die auf den Fahrer einwirkenden Kräfte. Die Sonne steht senkrecht, keine der schroffen Felsformationen, zwischen denen sich die Straße hindurchschlängelt, wirft einen Schatten.

Da fährt ja noch einer Wieder jammernde Reifen, ein Links-rechts-Hinterhalt, der obendrein zumacht, erinnert den Bentley erneut an seine Masse. Immer wieder warten großzügig angelegte Parkplätze auf ihre Benutzung, kurz vor dem Gipfel ein spektakulär an den Hang gezimmertes Hotel auf Gäste und Bewunderung – momentan vergebens, die Straße ruft. Also Kehrtwende. Dann allerdings taucht tatsächlich ein anderes Fahrzeug auf, reduziert das Tempo. Mangels Überholmöglichkeiten lockt nun der Imbiss, vor dem der Mercedes SK dieselt. Hinter den Betonbarrieren liegen zahllose leere Rumflaschen. Offensichtlich legen hier nicht nur Touristen eine kurze Pause ein, sondern zuweilen auch der Islam.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-03-12

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