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Testbericht

23. Februar 2015
Das Leben, heißt es, sei kein Kindergeburtstag. Zum Glück! Wie alle bestätigen werden, bei denen ein, zwei, drei Mal im Jahr eine Horde Grundschulkinder topfschlagend und schaumkussschmatzend durch die Wohnung marodiert, bevor man sie heimchauffiert. Darum, und um die junge Familie als solche, selbstredend trendsportbegeistert und wohlverdienend, bemüht sich nun auch der BMW 218i Active Tourer.

BMW 218i Active Tourer bietet einfach mehr Platz
Bisher war neben dem X1 der 316i Touring die günstigste Möglichkeit, einen familienkompatiblen BMW zu fahren. Nun kommt der erste Van aus München, ausstattungsbereinigt rund 3.400 Euro günstiger als der 3er. Der ist seit 39 Jahren im Geschäft, erfüllt seither die Idealvorstellung eines kompakten BMW: agil, präzise, hinterrad- und statusgetrieben. Zudem war der Touring nie komfortabler, geräumiger und praktischer als jetzt in der Generation F31.Wobei er mit dem Standardantrieb und der niedrigen Karosserie natürlich kein solch üppiges Raumangebot schaffen kann wie der BMW 218i Active Tourer. Der gleicht allein durch das effizientere Frontantriebs-Quermotor-Layout und 12,4 Zentimeter mehr Höhe aus, dass er 28,4 Zentimeter kürzer ist und 14 Zentimeter weniger Radstand hat. So schafft er im Fond ein Platzangebot, das beim Normsitzraum selbst den 7er um 3,5 Zentimeter übertrifft. Tatsächlich erweisen sich der größere Fondraum und der bequemere Einstieg als größte Vorzüge des Tourers. Hinten hat er so viel Platz, dass die schwächer konturierte Rückbank durchaus um 13 Zentimeter vorrücken könnte, um den gut nutzbaren Laderaum von 458 auf 658 Liter zu vergrößern.

Komfortabler 3er Touring
Doch der Testwagen ist nicht mit diesem 300 Euro teuren Extra ausgestattet, ebenso wenig mit der umklappbaren Beifahrersitzlehne für 190 Euro, und kann so keine Variabilitätsvorteile gegenüber dem 3er Touring verbuchen. Beim Sitzkomfort auch nicht: Vorn bringt der BMW 218i Active Tourer seine Passagiere auf hoch montierten, nicht so haltintensiven und umständlich verstellbaren Sportsitzen (490 Euro) unter.Dagegen integriert der 3er alle Passagiere tiefer und auf besser ausgeformten, bequemer gepolsterten Sitzen. Auch bei ihm lässt sich der Kofferraum mit der dreifach geteilten Rückbank vergrößern, zudem öffnet er serienmäßig die Heckscheibe separat, die Heckklappe elektrisch und spannt ein Gepäcktrennnetz auf. Er bietet zwar nicht so viel Ladehöhe wie der BMW 218i Active Tourer, aber 14 Zentimeter mehr Ladelänge. Dazu kommt er sorgsamer verarbeitet und mit umfangreicherem Infotainment mit größerem Bildschirm für den iDrive. So lässt er sich leichter und eingängiger bedienen als der 2er mit seinem kleineren Monitor und teils ungünstiger positionierten Schaltern.

BMW 218i Active Tourer setzt auf drei Zylinder
Genug geklappt und geräumt, Startknopf drücken. Bei beiden starten die Basismotoren, ein 1,6-Liter-Turbo-Vierzylinder im 3er, ein 1,5-Liter-Dreipötter im BMW 218i Active Tourer, beide mit 136PS. Was nicht gleich nach Freude am Fahren klingt, erweist sich in beiden Fällen als vergnüglicher Antrieb. Ja, beide drücken eher verhalten, müssen also drehen und emsig geschaltet werden, aber die können das eben auch. Dazu stellt sich dieser erhabene Stolz ein, wenn das Auto einen Berg nicht einfach mit Drehmoment plattwalzt, sondern man ihn gemeinsam erklimmt – immer im richtigen der sechs Gänge, immer im Schwung bleiben. Wobei der elastischere 1.500er im BMW 218i Active Tourer energischer durchzieht, ein wenig bereitwilliger dreht und dazu weniger verbraucht.

2er mit Nachteilen beim Handling
Wegen des Dreizylinders im BMW muss man sich also nicht sorgen, eher etwas wegen Komforteinbußen beim Frontantriebsfahrwerk. Trotz Adaptivdämpfern (500 Euro) stuckert der straff abgestimmte BMW 218i Active Tourer nervig über Spurrillen, wankt stärker – auch im Sportmodus, in dem die Federung bolzig anspricht. Leer steckt der ebenfalls adaptiv gedämpfte 3er Unebenheiten viel sachter weg. Bei voller Zuladung allerdings droht er auf sehr schlechten Strecken an der Hinterachse durchzuschlagen.Ungeschlagen bleibt der 3er beim Handling, so präzise, unmittelbar, einflussfrei und sicher, wie er sich um Kurven schwingt. Für einen Van kurvt der BMW 218i Active Tourer brillant, mit genug Rückmeldung in der präzisen Lenkung. Für einen BMW jedoch wankt er zu stark, untersteuert zu früh und wird zu gouvernantenhaft vom ESP eingebremst.Am Ende landet der günstigere BMW 218i Active Tourer ein paar Punkte hinter dem teureren, dynamischeren 3er Touring. Aber der entscheidende Punkt liegt ohnehin im Charakter der beiden Autos. Der 2er ist ein neuer, praktischer Van von BMW. Der 3er ist dagegen heute wie seit fast 40 Jahren praktisch der BMW von BMW.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-02-23

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