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Testbericht

6. Juli 2015
Verglichen mit unserem Planeten, der unablässig mit einem Affenzahn um die Sonne und um die eigene Achse kreist, hatte der 320d Touring bei uns einen ziemlich lauen Lenz. Statt der 1.670km/h, mit der sich die Erde am Äquator dreht, schafft er maximal Tempo 226, und die 100.000 Kilometer quer durch Europa riss er auch nicht in rund zweieinhalb Tagen herunter, sondern in fast beschaulichen zwei Jahren. Allerdings war er weder mit einem Urknall noch mit kosmischen Kräften in Gang zu halten, sondern nur mit fossiler Energie – mit insgesamt 7.200 Litern Diesel über die gesamte Distanz.Das Perpetuum mobile hat also auch BMW noch nicht erfunden, dafür aber den Dreier als Idealtypus eines kompakten, dynamischen Fahrerautos. Trotz stetigen Größen- und Gewichtswachstums ist er das seit 40 Jahren geblieben, weil Leistung und technischer Aufwand mindestens in gleichem Maße stiegen. Dramatisch gesenkt wurde hingegen der Verbrauch: Während der erste 320 (109PS, 1.060 kg Leergewicht) im Dauertest von 1977 noch 13,4 Liter Normalbenzin auf 100 Kilometer schluckte, genügten dem aktuellen Diesel-Kombi (184PS, 1.574 kg) im Testmittel 7,2 und bisweilen weniger als sechs Liter.Dabei gehört der 320d zu den flotten Autos im Land, eignet sich mit seiner großen Reichweite, dem ordentlichen Platzangebot für vier Erwachsene samt Gepäck und der perfekt abgestimmten Sportautomatik hervorragend als Alltags- und Reisewagen. Nur die Federung spielt trotz adaptiver Dämpfer (extra) nicht richtig mit, Querfugen und Gullideckel knallen mit den optionalen 18-Zoll-Rädern polternd durch. Auch das rustikale Verbrennungsgeräusch und die rumpelige Start-Stopp-Funktion mindern den ansonsten passablen Komfort.

BMW 320d Touring mit zahlreichen Assistenzsystemen
Für eilige Dienstreisen zu Rennen oder Fahrterminen war der BMW trotzdem oft die erste Wahl, lotste die Fahrer per Navigationssystem Professional mit dynamischer Routenführung zuverlässig an Staus vorbei zum Ziel. Viel Lob heimsten außerdem die Bedienung via iDrive sowie die zahlreichen Assistenzsysteme ein, die allerdings teuer bezahlt werden müssen. Doch wer einmal von der Tempolimitanzeige vor einem saftigen Bußgeld oder vom Abstandsregeltempomaten gar vor einem Auffahrunfall bewahrt wurde, möchte auf die dienstbaren Geister nicht mehr verzichten.Gleiches gilt für das Head-up-Display, das neben der Geschwindigkeit auch Hinweise von Navi und Assistenzsystemen auf die Frontscheibe ins Blickfeld des Fahrers projiziert. Sehr angenehm – so wie das Parkassistenzpaket mit Abstandswarnern vorn und hinten, Rückfahrkamera und automatischer Lenkfunktion in Lücken parallel zur Fahrtrichtung. Oder das Sichtpaket mit den exzellenten Bi-Xenon-Scheinwerfern samt Kurvenlicht und Fernlichtassistent, der das Vorfeld weit und hell ausleuchtet, ohne den Gegenverkehr zu blenden.

BMW 320d Touring mit bis zu 1.500 Liter Ladevolumen
Zu den wenigen erstrebenswerten Elementen der Version Sport Line gehören die gut konturierten Sportsitze vorn, die selbst Langstrecken nicht zur Qual machen und so gut passen wie die ganze Ergonomie. Elektrische Verstellung, Lordosenstützen und Sitzheizung vorn wie hinten gehen jedoch nochmals extra, ebenso die teuren Lederbezüge. Selbst damit wirkt das Interieur übrigens nicht besonders edel, neben der Konsole zwischen den Vordersitzen passen auch andere Verkleidungen aus harten, kratzempfindlichen Kunststoffen nicht zum Premiumanspruch und -preis von BMW.Das nicht sonderlich geräumige Ladeabteil (495 bis 1.500 Liter) lässt sich dagegen verschmerzen, zumal gut durchdachte Details die Nutzbarkeit erleichtern. So erlaubt die dreiteilig klappbare Rücksitzlehne eine flexible Aufteilung des Volumens – etwa mit zwei Personen hinten und Skiern in der Mitte –, die separat öffnende Heckscheibe schnelles Beladen in engen Parklücken und der optionale Komfortzugang auch ein automatisches Öffnen der ganzen Klappe per Fußschwenk. Zudem gibt es ein spezielles Fach unter dem Boden für die Laderaumabdeckung. Doch während sie beim Vorgänger noch selbsttätig nach oben schwenkte und wieder runterfuhr, muss das jetzt von Hand erledigt werden.Kein echtes Malheur – so wie die beiden einzigen Zwischenfälle im ansonsten völlig störungsfreien Dauertest. Bei Kilometerstand 31.061 trieben merkwürdige Geräusche aus dem Motorraum und Abgasgeruch Redakteur Heinrich Lingner in die Stuttgarter BMW-Niederlassung, wo man eine gelöste Verbindung vom Flexrohr zum Auspuff und eine angekokelte Wärme-Isolierung feststellte. Der Austausch von Halteschelle und Motorverkleidung wurde zügig vor Ort und auf Garantie erledigt.

Bremsscheibenaustausch war größter Kostenpunkt
Auch die zeitweise nicht wieder einfahrende Reinigungsdüse des linken Scheinwerfers war kein großes Thema, der Ersatz erfolgte ebenfalls auf Kosten des Herstellers. Selbst der finanzielle Aufwand für die vom Bordrechner angezeigten Inspektionen hielt sich mit jeweils rund 330 Euro in vertretbarem Rahmen, nur die umfangreichere Wartung bei Kilometerstand 52.899 schlug mit 564 Euro zu Buche. Größte Posten mit entsprechenden Folgen für die recht hohen Kilometerkosten waren freilich der zweimalige Austausch der vorderen Bremsscheiben und -beläge sowie der einmalige Wechsel der hinteren Beläge – trotz des Wagengewichts und der Fahrleistungen ein auffälliger Verschleiß.Auf die Reifen trifft das nicht zu, denn der als Erstausrüstung montierte Pirelli Cinturato P7 im Format 225/45 R 18 Y hatte nach 42.732 Kilometern noch circa 40 Prozent Profil, und für die restliche Dauertestdistanz hätte statt der beiden Sätze Dunlop Winter Sport 4D (225/50 R 17 H) auch ein einziger gereicht. Anstelle dieser flankenverstärkten Pneus mit Notlaufeigenschaften votierten übrigens manche Fahrer für die komfortablere 16-Zoll-Serienbereifung, wie sie bei der 320d-Editions-Limousine montiert war. Unterschiedliche Einschätzungen gab es sonst eher zum rechten Format: Den einen ist der aktuelle 3er zu groß und zu schwer, den anderen noch immer nicht geräumig genug.Wie die meisten Leser wünschen sich alle Redakteure jedoch etwas weniger Premium beim Preis und mehr bei der Qualität, wobei Lack und Interieur außer ein paar Kratzern kaum Alterungserscheinungen zeigten. Die Modellpflege zum Herbst geht da schon in die richtige Richtung, und der optimierte Diesel verspricht mehr Leistung und Laufkultur bei nochmals gesenktem Verbrauch. Abgesehen von solchen Verbesserungen darf der Dreier also gern so bleiben, wie er ist, und für die Haltbarkeit scheint mehr als nur das Nötigste getan. Ganz so alt wie die Erde muss er ja zum Glück nicht werden.

So beurteilenautomotorundsport-Leser den BMW 320d Touring
An meinem 320d mit Schaltgetriebe von Juni 2012 überzeugen mich das Platzangebot, die Variabilität, der Federungskomfort und der durchzugsstarke Antrieb, Verbrauch (5,7 bis 5,9 l/100 km) und Infotainment sind ebenfalls hervorragend. Als negativ empfinde ich die zu leichtgängige Elektrolenkung, die teilweise billig wirkenden Kunststoffe und die schlechtere Geräuschdämmung als beim Vorgänger. Außerdem setzt der Dreier langsam, aber sicher Wohlstandsspeck an. Alexander Graf v. Schmettow, 50668 KölnUnser 320d Automatik ist einerseits ein typischer BMW: fahraktiv, kompakt, sportlich. Andererseits will es der Dreier allen recht machen und schafft es nicht: außen groß, innen nicht richtig. Schönes Interieur, aber enge Sportsitze. Perfektes iDrive, aber Hartplastik-Umgebung. Sparsamer, aber rappelnder Diesel. Dr. Stephan Schroth, 70597 StuttgartDer aktuelle Dreier kann fast alles besser als sein Vorgänger, besonders schätze ich die Achtgangautomatik, die Direktlenkung, das tolle Fahrwerk und die einfache Bedienung. Allerdings stören mich das laute Motorengeräusch unseres 320d, das unnötige Größenwachstum und der klobige Schlüssel, der nach Öffnen des Wagens eigentlich immer im Weg ist. Georg Rose, 40699 ErkrathFür mich ist der 320d Touring als Efficient Dynamics Edition seit Juni 2013 ein ideales Fahrzeug auch für lange Strecken. Unschlagbar ist der niedrige Durchschnittsverbrauch von 5,1 l/100 km, bei Landstraßenfahrten sind auch vier Liter erreichbar. Bis heute gab es keine Störungen und Mängel, einziger Wermutstropfen ist die hakelige Sechsgangschaltung. Bernhard Stoll, 77694 KehlSeit September 2012 fahre ich eine 320d-Limousine mit Automatikgetriebe – das Beste, was ich bisher hatte, und im Verbrauch (5,5 bis 7,0 l/100 km) noch günstiger als der Vorgänger. Ernsthafte Mängel oder gar Pannen gab es bislang nicht, doch die Verarbeitung ist für ein Auto dieser Preisklasse teilweise unbefriedigend, die Kunststoffe wirken billig und sind kratzempfindlich. Zudem dauerte es fast vier Wochen, bis meine Werkstatt die Windgeräusche beheben konnte. Alexander vom Schemm, 58285 GevelsbergJeden Tag aufs Neue begeistern mich das tolle Design, die intuitive Bedienung und die hervorragende Straßenlage meines 328i Touring. Innen- und Kofferraum haben für mich die ideale Größe, das Auto taugt sowohl für die Stadt wie für den Familienurlaub. Der Benzinverbrauch (10,7 l/100 km) ist aber verbesserungswürdig. Frank Hermens, 22339 Hamburg

Was bringt die Spritspartechnik der Efficient Dynamics Edition?
Parallel zum 320d Touring lief bei unserer Schwesterzeitschrift AUTO Straßenverkehr eine Limousine in der Variante Efficient Dynamics Edition (EDE) im Dauertest. Bei gleichem Grundpreis wie die 184PS starke Normalversion hat sie einen verbrauchsoptimierten Zweiliter-Dieselmotor mit 163PS sowie weitere Spritspartechnik wie Tieferlegung, längere Übersetzung und Fliehkraftpendel im schwingungstilgenden Zweimassen-Schwungrad für besonders niedrige Drehzahlen. Außerdem ist sie mit rollwiderstandsarmen Reifen (Michelin Energy Saver) der Dimension 205/60 R 16 ausgerüstet, während der normale 320d Touring im Test auf breiteren 18-Zoll-Sommer- und 17-Zoll-Winterreifen rollte.Schon im Serientrimm sinkt der Normverbrauch durch diese Maßnahmen von 4,5 auf 4,1 l/100 km und der CO2-Ausstoß von 119 auf 109 g/km (jeweils mit Schaltgetriebe), doch in der Praxis fällt die Ersparnis noch größer aus: Statt mit 7,2 Litern des 1.574 kg schweren Kombis, der 184PS leistet, begnügte sich die schwächere, 49 kg leichtere Editions-Limousine im Testmittel mit 6,1 Litern pro 100 Kilometer (beide mit Achtgangautomatik). Auf das Temperament hat das Spritsparpaket wenig Einfluss, denn für den Standardsprint von 0 auf 100km/h brauchten beide 7,7 Sekunden, nur die Höchstgeschwindigkeit wird beim EDE mit 5 (Limousine) respektive 8km/h (Touring) weniger angegeben. Angesichts der rundum positiven Bilanz stellt sich die Frage, warum BMW nicht alle Dreier mit dieser Technik ausrüstet.

Stärken und Schwächen
Neben dem agilen Handling, dem druckvollen, sparsamen Motor und der perfekt arbeitenden Achtgangautomatik wurden auch die Bedienung und die sehr hilfreichen Assistenzsysteme immer wieder gelobt. Kritik gab es vor allem für den brummigen Diesel, die rumpelige Start-Stopp-Funktion, das poltrige Fahrwerk und den nicht sehr hochwertigen Innenraum.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-07-06

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