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Testbericht

25. März 2017
Eigentlich geht es in dieser Geschichte nur um die schlichte Frage nach der besseren von zwei Business-Limousinen. Wie schon so oft in den letzten 40 Jahren, wenn mal wieder eine neue E-Klasse den 5er herausfordert, oder eben umgekehrt – wie jetzt. Doch dann steigst du in den 520d, lässt die Tür von den elektrischen Helfern ins Schloss ziehen, legst dein Handy in die Ablage, worauf es von selbst mit dem Laden beginnt, und stellst dir das obere Lehnensegment des mit extraweichem Leder bezogenen Komfortsitzes einen Tick steiler. Und dann kommen dir plötzlich noch andere Fragen: Das ist jetzt also erst die mittlere der drei klassischen Limousinenbaureihen von BMW? Und wie bitteschön will das ein 7er noch toppen?

BMW 520d mit oberklassigem Luxus
Doch die Fortschritte betreffen nicht nur die Elektronik, zum ersten Mal in seiner Geschichte bietet der 5er einen wirklich großzügigen Innenraum. Obwohl er in der Länge nur um drei Zentimeter wuchs, fällt die Beinfreiheit im Fond mehr als sechs Zentimeter üppiger aus als bisher, übertrifft damit sogar die traditionell luftige E-Klasse. Mitfahrer reisen zudem auf einer sehr bequemen Rückbank, die sich dreigeteilt im Verhältnis 40 : 20 : 40 umklappen lässt. Vorteil gegenüber einer zweiteiligen Lehne: Wird nur das schmalere Mittelstück umgelegt, sitzen zwei Passagiere auf ihren Außenplätzen nicht so eng aufeinander wie sonst.Obwohl BMW eine Gewichtssenkung von bis zu 100 Kilo verspricht, wiegt unser Testwagen 25 Kilo mehr als sein Anfang 2016 getesteter Vorgänger mit Automatik. Wie so oft werden ambitionierte Diätpläne von neu hinzukommender Technik durchkreuzt. Immerhin unterbietet der 5er die E-Klasse um gut zwei Zentner, womit die habhaftesten Karosserieunterschiede jedoch bereits aufgezählt wären: Bei Außenabmessungen, Platzangebot oder Kofferraumvolumen liegen die beiden nahezu gleichauf, ebenso bei Qualitätsanmutung und Variabilität.Wenn sich der Karosseriebau schon nicht zur Differenzierung eignet, muss eben das Infotainment herhalten. Zwar verfügt die E-Klasse inzwischen ebenfalls über die wichtigsten Online-Funktionen, nimmt Handy-Apps per Apple Carplay und Android Auto entgegen und stellt das alles auf zwei beeindruckenden 12,3-Zoll-Breitbild-Displays (Extra) dar. Doch an die umfassende Internetunterstützung eines 5er kommt der Mercedes nicht ran.

Fahren statt surfen
Displays, Apps, Internet? Nein, Sie haben nicht versehentlich zu einer Computerzeitschrift gegriffen. Wir hören ja schon auf und starten den OM 654, der mit 194 PS und 400 Nm nichts mit alter Diesel-Benz-Lethargie zu tun hat. Ein Sechszylinder wird höchstens aus akustischen Gründen vermisst, beim Ausdrehen klingt der Zweiliter rau und banal. Der Vierzylinder stemmt die E-Klasse jedoch mit Wucht aus dem Block, tourt motiviert Richtung Begrenzer. Das prinzipbedingt schmalere Drehzahlband eines Diesel kaschiert die ruckfrei und sanft schaltende Neungangautomatik mit ihrer weiten Spreizung.Nicht nur das: Auf Stellung "Sport" schaltet der Wandlerautomat beim Anbremsen vor Kurven mehrere Gänge zurück, bringt so die Motorbremse ins Spiel und sorgt beim Herausbeschleunigen für Zug auf der Kette. Der Mercedes beschleunigt nicht nur einen Tick flinker, er stellt sich auch bei den Fahrdynamikmessungen geschickter an – anders als beim Test der Sechszylinder-Varianten in Heft 4/2017, als der E 350 d dem 530d den Vortritt lassen musste.Messwerte sind jedoch nur eine Seite: Mit seiner optionalen Allradlenkung fühlt sich der 520d verblüffend agil an. Bei geringem Tempo schlagen Vorder- und Hinterräder in entgegengesetzte Richtungen ein, was die Handlichkeit erhöht. Bei höheren Geschwindigkeiten lenken Vorder- und Hinterachse in die gleiche Richtung, wovon die Spurstabilität profitiert. Allerdings fühlt sich die Lenkung minimal künstlich an, der Mercedes wirkt im direkten Vergleich ehrlicher, vertrauter. Im Grenzbereich lassen sich beide Kandidaten ähnlich problemlos beherrschen und helfen mit fein dosierten ESP-Eingriffen ums Eck, falls es der Fahrer mal übertreibt.

Markengrenzen verwischen
Die vor einem Jahr vorgestellte E-Klasse hat spürbar an Dynamik zugelegt, was macht jetzt der 5er? Er holt ganz frech beim Komfort auf. Sein Vierzylinder-Diesel mit 190 PS klingt beim Kaltstart oder beim Ausdrehen zwar etwas rumpelig und verbraucht im Testmittel 0,3 l/100 km mehr, aber das war’s auch mal wieder mit den Unterschieden: Die Achtgangautomatik von ZF macht ihre Sache ebenfalls hervorragend, verschleift Gangwechsel weich und überlässt es dem Drehzahlmesser, über Schaltpunkte zu informieren. Apropos weich: Das Adaptivfahrwerk im BMW spricht sensibel auf Asphaltschäden an, kappt übelsten Anregungen die Spitzen, ohne allzu viel Seitenneigung zuzulassen. Auch wenn er kurze Querrippen etwas prägnanter durchstellt als der sanfter abrollende Mercedes, fällt das Fahrgefühl des leisen 5er ähnlich souverän und oberklassig aus. Früher mussten sich Ingenieure noch entscheiden, ob sie ein Auto lieber sportlicher oder eher komfortabler abstimmen. Durch die vielen Adaptivsysteme lässt sich heute beides gleichzeitig erreichen. Daher wäre die E-Klasse auch ein toller BMW und der 5er ein würdiger Mercedes, womit sich eine weitere Frage aufdrängt: Wenn sich die Dauerrivalen aus entgegengesetzten Richtungen ans Optimum ranarbeiten, bestimmen dann nur noch Design und Infotainment den Markencharakter?Immerhin bewahrt der BMW beim Preisgefüge noch etwas Abstand: Als Luxury Line rollt er bei ähnlichem Grundpreis mit einer deutlich besseren Serienausstattung vom Band (u. a. mit LED-Scheinwerfern, Online-Navigation und Lederpolstern). Unter den 52 Einzelergebnissen der Wertungstabelle finden sich nur noch in diesem Bereich mehr als zwei Punkte Unterschied.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-03-25

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