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Testbericht

22. September 2014
Aufgepasst, jetzt kommt gleich die übelste Bodenwelle auf der gesamten Monbachtal-Testrunde. Eine Strecke von der Sorte, die Autos schon bei Tempo 60 aus den Federn hebt und Haarwachs in unschuldige Dachhimmel stempelt. Deshalb linkes Bein gegen die Mercedes-Fußstütze gepresst, Bauchmuskeln angespannt und – äh, war das jetzt die Stelle? Auch der Beifahrer schaut irritiert in den Rückspiegel. Zu mehr als einem sanften Wiegen lässt sich das Mercedes S-Klasse Coupé nicht hinreißen, landet ohne Gepolter oder weiches Nachschwingen auf den Airmatic-Samtpfoten. Dabei muss unser Allrad-Coupé sogar auf das aufwendige Active-Body-Control-Fahrwerk mit Kurvenneigetechnik verzichten, das Mercedes den Hecktrieblern vorbehält. Wir wollen Sie jetzt nicht mit schwäbischen Marketing-Highlights à la "Das Beschde oder nix" belästigen, können uns jedoch an kein Auto erinnern, das diese Stelle je so souverän gemeistert hat. Und nicht nur diese: Ob kurze Autobahn-Querrippen, Altstadt-Kopfsteinpflaster oder tiefe Schlaglöcher – die Gelassenheit, mit der das Mercedes S-Klasse Coupé seinen Untergrund ignoriert, sorgt selbst bei erfahrenen Testern für Erstaunen.Dabei stellt sich der BMW 650i neben dem Mercedes S-Klasse Coupé alles andere als ungeschickt an. Straff, angesichts ambitionierter 20-Zoll-Räder jedoch keinesfalls bockhart, meistert das 6er Coupé Unebenheiten, schluckt lange Wellen mit einer auf den Punkt passenden Dämpfung. Kurze Stöße dringen hingegen selbst im Modus "Comfort Plus" seines Adaptivfahrwerks bis in die Lenkung durch, sorgen zusammen mit Fahrwerksrumpeln für Unruhe, wo der 500er tiefenentspannt bleibt.

Mercedes S-Klasse Coupé ist leiser als ein Rolls-Royce Ghost
Sie ahnen es: Nach der Limousine setzen die Schwaben mit dem Mercedes S-Klasse Coupé erneut Komfortmaßstäbe. Wozu auch Sitze beitragen, die ihre ganzen Hotstone-Active-Workout-Massage-Gimmicks gar nicht nötig haben, da sie sich nach stundenlangem Fahren immer noch unglaublich bequem anfühlen. Und dann die Geräuschdämmung. Mit 68 dB bei 160km/h war noch nie ein Auto im automotorundsport-Test leiser. Beim bisherigen Spitzenreiter Rolls-Royce Ghost zeigte das Messgerät 69 dB an. Dass das S-Coupé seine Limousinenbasis unterbietet, hängt mit aufwendigeren Türdichtungen, aber auch den kleineren Fensterflächen zusammen. Wobei, "kleiner" und "S-Coupé" in einem Satz? Mit 5,03 Metern Länge ist der C217 ein stattliches Auto geworden, nur neun Zentimeter kürzer als der Viertürer, was hauptsächlich am gestutzten Radstand liegt.Kein Wunder, dass das Interieur des Merceds S-Klasse Coupés mehr als luftig geriet und Mitfahrer selbst in Reihe zwei oberklassige Kopf- und Beinfreiheit vorfinden. Vorn sitzen Pilot und Ko in weißen Nappaleder-Séparées, verhätschelt von beheizten Armlehnen und edlen Klängen der Burmester HiFi-Anlage. Wenn dann noch "Downtown Mood" mit einer Moschusnote von "üppiger Sinnlichkeit und Sex-Appeal" aus dem Duftspender strömt und das Ambiente-Licht in Dunkelrot schimmert, könnte sich die breite Mittelarmlehne schnell als hinderlich erweisen.Was soll’s, für den wahren Sex-Appeal sorgt ohnehin der 455-PS-Motor: Ansatzlos und fast turbolochfrei reagiert der 4,7-Liter-V8 auf kleinste Gaspedalbewegungen, schiebt ruckfrei und flüsternd wie ein Elektroantrieb an, um auf Wunsch die Klappen im Auspuff zu öffnen und das Mercedes S-Klasse Coupé mit sonorem Achtzylinderbollern in weniger als fünf Sekunden auf 100 zu wuchten. Wer es gemütlich angeht, kommt mit beiden Luxus-Coupés unter 10 l/100 km, im Schnitt sind es knapp 13. Ganz wegdiskutieren lassen sich 2,1 Tonnen des Mercedes S-Klasse Coupés jedoch nicht. Obwohl er den Fahrdynamik-Parcours kaum langsamer durchwedelt als der BMW, neigt der Benz in Kehren stärker zum Wanken, lässt sich mit seiner stoßfreien, aber entkoppelten Lenkung weniger präzise auf Kurs halten als der 650i. Von der Mercedes- auf die BMW-Lenkung umzusteigen, fühlt sich in etwa so an, wie Skihandschuhe auszuziehen.

Gefühlvolle BMW-Lenkung
Mag der BMW 6er im Komfortbereich kein Land sehen, auf Kurven stürzt er sich dafür mit Wonne – auf flach dahinschlängelnde Landstraßen ebenso wie auf steile Serpentinen. Im Alltag reicht auch mal eine freie Autobahneinfahrt zum Durchatmen, die er genüsslich-neutral verputzt und dabei viel schmaler und leichter wirkt als er eigentlich ist. Doch Vorsicht, auf dem Beschleunigungsstreifen angekommen, ist man meist schon viel schneller als der fließende Verkehr daneben.Mit dem xDrive-Allradantrieb bringt der BMW seine 450PS nämlich humorlos auf die Straße, beschleunigt in 4,5 Sekunden auf Tempo 100 und damit noch vehementer als das Mercedes S-Klasse Coupé. Den 4,4-Liter auszudrehen hat was, genauso wie sich von den kurzen Schaltunterbrechungen der Achtgangautomatik ins Kreuz treten zu lassen und die tiefe Position des Sportsitzes zu genießen. Nach längeren Ausfahren drückt der jedoch straff wie ein Rennradsattel ins Gesäß und lässt das Mercedes-Möbel dagegen wie einen Gelsitz wirken.Hinten reicht es nur für Mitfahrer bis 1,70 Meter zum aufrechten Sitzen, im Gegensatz zum voll viersitzigen Mercedes S-Klasse Coupé nimmt der zierlichere 6er die Rolle des 2 2 ein. Überhaupt versprüht das Interieur im BMW mehr Sportsgeist, was an den kühlen Metalleinlagen liegt, aber auch an einer Bedienstruktur mit der richtigen Mischung aus Knöpfen und iDrive-Regler. Wichtige Funktionen lassen sich auf Radiostationstasten legen, die Menüs sind angesichts des riesigen Funktionsumfangs intuitiv und übersichtlich geraten.

Mercedes S-Klasse Coupé mit Bedien-Defiziten
Womit wir bei der gravierendsten Schwäche des Mercedes S-Klasse Coupés wären. Bei der Knöpfe-Kehrwoche verwendeten die Schwaben eindeutig einen zu breiten Besen, selbst häufig benutzte Klimafunktionen müssen aus dem Bildschirmmenü gefischt werden. Dort rollen Autos und Weltkugeln durchs Bild, was schon nach kurzer Zeit mehr nervt als beeindruckt, da es die Handhabung träge macht und eine Gesamtübersicht der jeweils angebotenen Funktionen fehlt. Das neue Touchpad verschafft wenig Linderung, weil es ausgerechnet über dem Drehregler liegt und ihn zum Teil verdeckt. Die gründliche Überarbeitung, die das BMW-System in den letzten Jahren genossen hat, wünscht man bereits jetzt dem Mercedes.Dessen Sieg kann dies jedoch ebenso wenig verhindern wie die riesige Preisdifferenz. Über 30.000 Euro Unterschied zum BMW sind selbst in der Luxusklasse ein Wort. Immerhin bringt das Mercedes S-Klasse Coupé mit LED-Scheinwerfern, Comand-Online und schlüssellosem Zugang eine angemessene Serienausstattung mit. Auch das 1,2 Quadratmeter große Glasdach nimmt man gern zur Kenntnis. Schließlich sorgt das tolle Fahrwerk selbst auf übelsten Rüttelpisten dafür, dass keine Haarwachsabdrücke den Blick zum Himmel trüben.

Mercedes S-Klasse Coupé mit Head-up-Display und Touchpad
Passend zum erhabenen Fahrgefühl fällt auch das Multimedia-Angebot im Mercedes S-Klasse Coupé oberklassig aus: Das serienmäßige Comand Online stellt Navigationsrouten auf seinem gut 30 Zentimeter großen Display übersichtlich dar und holt sich über das bordeigene Funkmodul präzise Live-Staudaten von Tomtom. Anders als bei BMW laufen die weiteren Online-Funktionen wie Web-Radio, Google- Suche, Nachrichten- und Wetterdienste über das per Bluetooth gekoppelte Smartphone des Fahrers. Wer Internetfunktionen häufig nutzt, sollte sich daher einen Handyvertrag mit üppiger Datenflatrate zulegen. Und sich etwas Zeit für die Einarbeitung nehmen. Denn ebenfalls anders als der bayerische Konkurrent verzichtet Mercedes fast ganz auf mechanische Tasten, bedient wird überwiegend über den Dreh-Drück-Regler und dessen verschachteltes Menü. Immerhin lassen sich viele Funktionen über die hervorragende Sprachsteuerung aufrufen, die komplette Navigationsadressen selbst bei hohem Tempo problemlos erkennt. Trotz seines modernen und umfangreichen Medienangebots mit Musikserver und SMS-Vorlese-Funktion versteht sich sich Comand auf klassische Formate wie UKW, das in guter Qualität empfangen wird. Gegen Aufpreis lässt sich das System um DAB (535 Euro), Head-up-Display (1.202 Euro) sowie Soundsysteme von Burmester (1.309 bzw. 7.497 Euro) erweitern.

Bedienung ausbaufähig
Angesichts der sehr guten Grundfunktionen dürften die meisten Kunden des Mercedes S-Klasse Coupés verschmerzen, dass Comand nicht ganz so viele Online-Funktionen beherrscht wie das BMW-System. Die verschachtelte und träge Menüstruktur stört da schon eher.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-09-22

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