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Testbericht

10. Juli 2014
Klappen gehört für Kompakt-Vans wie Grand C4 Picasso und Toyota Verso zum Grundhandwerk. Schließlich entscheiden sich viele Käufer genau deswegen für ein Auto dieser Kategorie, weil sie die vielfältigen Faltmöglichkeiten der Sitze zu schätzen wissen. Die Frage des passenden Antriebs mag da oft in den Hintergrund treten, doch sparsame Diesel liegen auch hier im Trend. Da es für Toyota bei kleinen Dieseln etwas Nachholbedarf gibt, bedient man sich aus dem Motorenmenü des neuen Kooperationspartners BMW. Heraus kommt so der Toyota Verso 1.6 D-4D mit 112PS starkem Selbstzünder, der sonst in Mini und BMW 1er werkelt. Dem Toyota Verso gegenüber steht in diesem Fahrbericht der Citroën Grand C4 Picasso e-HDi 115, Ende letzten Jahres präsentiert – und ein erneuter Beweis dafür, dass sich französische Autobauer besonders gut auf ebenso pfiffige wie extravagante Familienautos verstehen. Beim Grand C4 Picasso äußert sich das etwa im eleganten Design mit der extrovertierten Lichtgrafik und der großzügigen Verglasung.

Toyota Verso mit 707 Kilogramm Zuladung Daneben wirkt der Toyota Verso etwas blass und beliebig. Praktische Nachteile hat das Verso-Design zudem. Wegen der viel kleineren Fensterflächen ist er unübersichtlicher, wirkt im Inneren beengter und weniger großzügig als der Picasso. Hinter dessen großer Panoramascheibe sitzt es sich ein wenig wie auf einer kleinen Sonnenterrasse. So erleichtern etwa die geteilten A-Säulen und die Seitenscheiben zwischen C- und D-Säulen das Anvisieren von Parklücken. Das wäre jedoch gar nicht nötig. Für angemessene 700 Euro Aufpreis gibt es in der Intensive-Ausstattung das Parkassistenten-Paket. Es umfasst neben einer Rückfahrkamera und einem Totwinkel-Assistenten eine aktive Einparkfunktion mit Parklückendetektor. Die kurbelt den Picasso schneller und exakter in Parallel- und Quer-Parklücken links und rechts der Fahrbahn, als es die meisten Autofahrer ohne Parkassistenten schaffen. In der teuren Exclusive-Version ist das Parkpaket serienmäßig enthalten. Etwas Vergleichbares hat der Toyota Verso nicht vorzuweisen. Er bietet immerhin in der Life-Version Einparkpiepser vorn und hinten (Komfort-Paket, 800 Euro). Ach ja, das Klappen: Das funktioniert in beiden Autos hervorragend. Im Nu sind die zweiten Sitzreihen versenkt, ebene Ladeflächen bieten reichlich Stauraum. Etwas mehr hat auch in dieser Disziplin der Citroën: Sein maximaler Laderaum ist deutlich größer, und auch im Normalzustand, sprich nur mit flachgelegter dritter Sitzreihe, passen rund 200 Liter mehr ins Heck. Immerhin darf der Toyota-Verso-Fahrer deutlich mehr zuladen (707 statt 575 kg).

Kleine Punktsiege für den Picasso Apropos dritte Sitzreihe: Die taugt bei beiden nur sehr bedingt zur Mitnahme Erwachsener, Zugang und Sitzposition sind alles andere als bequem. Ein kleines Plus an Variabilität bietet der Picasso immerhin mit seiner umklappbaren Beifahrersitzlehne (Serie ab Seduction-Ausstattung). Zudem verfügt der französische Familien-Van über Isofix-Verankerung auf allen drei Sitzplätzen in der zweiten Reihe, im Toyota Verso sind nur die beiden äußeren Sitze Isofix-bewehrt. Fast durchweg kleine Punktsiege für den Citroën vor dem Toyota Verso also. Das gilt allerdings nicht für die Bedienung. Zwar ist auch der Toyota mit seinen verschachtelten Bordcomputer-Menüs, den verstreuten Bedienknöpfen und der unübersichtlichen Infotainment-Bedienung kein ergonomischer Musterknabe, doch etwas flüssiger klappt die Handhabung dennoch. Der Citroën verwirrt mit zwei Bildschirmen, deren Aufgabenverteilung variabel ist, und einer trägen, zögerlichen Touchscreen-Bedienung, die im Alltag mehr nervt als hilft. Womit wir beim Fahren wären, denn schließlich geht es hier auch um die Motoren: Der BMW-Turbodiesel im Toyota Verso macht zuerst mit knurrigem Leerlauf und etwas zögerlicher Gasannahme auf sich aufmerksam. Das fällt umso mehr beim Umstieg aus dem Picasso auf, weil dessen e-HDi-Motor viel leiser und geschmeidiger läuft, zudem feinfühliger am Gas hängt und flottere Fahrleistungen ermöglicht. Auch an der Tankstelle liegt der e-HDi vor dem Toyota Verso D-4D: Er kam im Fahrbetrieb mit genau einem halben Liter weniger Dieseltreibstoff je 100 Kilometer aus. Das macht zwar bei einer Jahresfahrleistung von 10.000 Kilometern und einem Dieselpreis von 1,40 Euro nicht mehr 70 Euro Ersparnis pro Jahr aus, sei hier aber dennoch erwähnt. Ausgestattet waren beide Testwagen mit Sechsgang-Schaltgetrieben, wobei sich die Toyota-Box exakter und auf kürzeren Wegen schalten ließ.

Toyota Verso verliert trotz niedrigerem Preis Eine Wandlerautomatik gibt es übrigens für keinen der beiden Familien-Vans. Beim Toyota Verso ist sie nur für den Zweiliter-Diesel mit 150PS verfügbar, beim Citroën kann man immerhin für bescheidene 750 Euro Aufpreis das automatisierte Schaltgetriebe EGS6 bestellen. Fast Gleichstand herrscht beim Federungskomfort. Der Citroën verdaut große Unebenheiten etwas gleichmütiger als der Toyota, dessen Fahrwerk jedoch insgesamt feinfühliger anspricht. Übermäßig agiles Handling wird kaum ein Kunde von Vans dieses Schlages erwarten, bei beiden unterbinden entsprechend aufmerksame Stabilitätsprogramme allzu schnelles Kurvenfahren. Der Toyota Verso und der Picasso schaukeln eher bedächtig untersteuernd um Biegungen, sehr fahrsicher und gänzlich unambitioniert. Der Picasso hat die leichtgängigere, direktere, jedoch auch nervösere und gefühllosere Lenkung. Weil er jedoch die kräftiger zupackenden Bremsen hat, ist er unterm Strich das etwas fahrsicherere Auto. Das teurere ist er ohnehin. In der gefahrenen Intensive-Ausstattung und als Siebensitzer kostet der Grand C4 Picasso rund 2.200 Euro mehr als der vergleichbar motorisierte Toyota Verso in der Life-Version. Der Citroën verfügt dann allerdings bereits über Klimaautomatik, Leichtmetallräder sowie ein Navigationssystem, das bei Toyota 590 Euro Aufpreis kostet und somit dessen Preisvorsprung etwas relativiert.
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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-07-10

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