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Testbericht

6. Februar 2010

Karierte Sakkos für Herren können ebenso gewöhnungsbedürftig sein wie pastellfarbene Riesenhüte für Damen. Tee-Zeremonien wirken auf manchen Kontinental-Europäer zudem ebenso befremdlich wie der Haferbrei namens Porridge - und trotzdem kann man mit dieser Einstellung den Land Rover Discovery mögen, denn er erweist sich als erfreulich unbritisches Automobil.

Die LED Tagfahrleuchte am Land Rover Discovery fallen aus der Rolle Schon das Design der vom Hersteller etwas übertrieben als vierte Generation bezeichneten Neuauflage strahlt mit geraden Linien, ebenen Flächen und ausgeprägten Kanten eine Gelassenheit aus, die eher Produkten aus Skandinavien nachgesagt wird. Einzig die LED Tagfahrleuchten im weihnachtlichen Lichterketten-Look fallen ein wenig aus der Rolle. Über die imposanten Abmessungen täuscht das nur bedingt hinweg. Doch im Gegensatz zu den meisten noblen SUV nimmt sich der Land Rover Discovery nicht nur viel Platz, er bietet seinen Insassen auch viel davon - bis in die aufpreispflichtige dritte Reihe (1.570 Euro), die durch einen durchdachten Klappmechanismus der äußeren Plätze in der zweiten Reihe gut erreichbar ist. Der Land Rover Discovery eignet sich auch als Möbeltransporter Auf allen sieben Plätzen herrscht ausreichend Kopf- und Beinfreiheit, doch nur Fahrer und Beifahrer bekommen wirklich bequeme Sitze. Alle weiteren Mitreisenden müssen sich mit einer ausgesprochen straffen Polsterung arrangieren. Muss der Land Rover Discovery ( der Land Rover Discovery im Fahrbericht ) mal nicht als Kleinbus, sondern als Möbeltransporter herhalten, kann mit ein paar Handgriffen ein Laderaum geschaffen werden, in dem die Queen problemlos ihre Corgis spazieren fahren könnte. Neben unnötiger Enge erspart das Interieur den Passagieren zudem eine Zwangs-Holzvertäfelung oder sonstigen antiquierten Zierrat, der andernorts gerne als besonders stilvoll verkauft wird. Der 2,7-Liter-V6 im Land Rover Discovery ist mit zwei Turboladern ausgestattet Auch sonst verkneift sich Land Rover weitgehend anglophile Eigenheiten: So finden sich alle Schalter und Knöpfe - von denen es jede Menge gibt - dort, wo man sie in jedem anderen Auto vermuten würde. Die Instrumente verzichten auf überflüssige Informationen, der große Tacho und der Drehzahlmesser sind klar ablesbar. Speziell die Information über die Kurbelwellen-Umdrehungen scheint angesichts des Sechszylinder- Dieseltriebwerks mit seinem maximalen Drehmoment von 600 Newtonmeter allerdings verzichtbar. Das aus dem weiterhin angebotenen 2,7-Liter-V6 entstandene Dreiliter-Aggregat verfügt über zwei unterschiedlich große Turbolader, die je nach Drehzahlbereich gemeinsam oder getrennt voneinander arbeiten. Die Leistung von 245 PS verarbeitet eine Sechstufenautomatik von ZF zusammen mit dem permanenten Allradantrieb zu Vortrieb in allen Lebenslagen.

Der Land Rover Discovery im Einzeltest wiegt 2,6 Tonnen Dazu tragen in extremen Situationen die sperrbaren Differenziale in der Mitte und an der Hinterachse ebenso unterstützend bei wie die Geländereduktion und die fünf unterschiedlichen, per Drehschalter wählbaren Fahrprogramme. Die serienmäßige Luftfederung mit einstellbarer Bodenfreiheit und der üppig dimensionierte Hilfsrahmen, auf den sich die Karosserie stützt, ziehen Ausreden wie "Schatz, da war ein Hindernis auf der Straße, an dem ich nicht vorbeigekommen bin" komplett ins Lächerliche - und das Fahrzeuggewicht ins Absurde. Über 2,6 Tonnen bringt der Testwagen auf die Waage, was jede Hoffnung auf ein flottes Vorwärtskommen schlagartig verpuffen lässt. Was jedoch der zusammen mit PSA entwickelte Motor mit dem mobilen Landsitz aus Gaydon anstellt, lässt Teetrinkern die Tasse aus der Hand gleiten. Trotz hohem Gewicht beschleunigt der Land Rover Discovery zügig Schon aus dem Drehzahlkeller bauen die Turbos rasch Druck auf, damit bereits bei 2.000 Umdrehungen das gesamte Drehmoment den Antriebsstrang in den Schwitzkasten nimmt. In nur 9,3 Sekunden beschleunigt der Land Rover Discovery aus dem Stand auf 100 km/h - drei Zehntel schneller als vom Hersteller versprochen. Auch danach ebbt die Druckwelle nicht ab, erst ab 160 km/h werden Fahrwiderstände und bei 180 km/h der elektronische Begrenzer spürbar. Angesichts dieser Talente sollte man es sich gut überlegen, ob man über den Testverbrauch von 13,2 Liter auf 100 Kilometer meckern will. Von der Schwerstarbeit unter der Haube bekommen die Passagiere dagegen kaum etwas mit, und auch das Getriebe verfällt nie in blinden Aktionismus. Ergeben wie ein Times-bügelnder Butler serviert es ruckfrei immer die passende Fahrstufe. Damit erschöpft sich das Komfortpotenzial des Allradlers noch nicht. Obwohl er serienmäßig auf 19-Zoll-Rädern steht, schluckt die Luftfederung nahezu alle Unpässlichkeiten deutscher Straßen.

Die Bremse des Land Rover Discovery verzögert nur mäßig Eine derart komfortable Fahrwerksabstimmung, die zudem viel Masse stemmen muss, kann in Kurven nicht zaubern - und versucht es gar nicht erst. Wie erwartet, melden die Vorderräder frühzeitig rubbelnd Untersteuern, die Karosserie wiegt sich im Takt des Kurswechsels. Wichtiger wäre jedoch eine gute Bremsleistung. Die Brembo- Anlage mit 360 Millimeter großen Scheiben an der Vorderachse bleibt zwar frei von Fading, verzögert mit 43 Metern jedoch nur mäßig. Schade, denn ansonsten ist der Land Rover Discovery weit mehr als nur Durchschnitt.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-02-06

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