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Testbericht

13. März 2016
Viele könnten ja bekanntermaßen, wenn sie nur wollten. Ins Gelände. Übers Geröllfeld. Durch die Wüste. Zwei könnten nicht nur, sondern sie wollen auch: der Land Rover Discovery und der Toyota Land Cruiser. Zwei Arbeitstiere mit dem fürs Schuften einzig vernünftigen Antrieb – dem Diesel. Beide sind Allradler ohne Allüren, gleichermaßen Reisewagen wie Nutzfahrzeuge und als robuste Fortbewegungsmittel in vielen schwer zugänglichen Regionen dieser Erde im Einsatz.

Beide Offroader für den harten Einsatz gewappnet
Auch nach der letzten Modellpflege verfolgt Toyota noch die alte Lehre, nach der ein stabiler Geländewagen auf einem Leiterrahmen aufbaut und mindestens eine Starrachse antreibt – im Falle des Land Cruiser die hintere. Land Rover hängt dagegen beim Discovery alle vier Räder einzeln auf: Deutet das etwa schon auf Schwächen im Gelände und Stärken auf dem Asphalt hin? Beide müssen sich on- wie offroad beweisen. Wir starten im Steinbruch von Langenaltheim im äußersten Süden von Franken. Doch der Süden ist heute nicht gerade mit Sonnenschein gleichzusetzen; es regnet, mal Bindfäden, dann wieder Paketschnüre – und der 4x4-Trail ist großflächig eingeglitscht.Das ist den beiden Wühlern gleichgültig: Sie scheuen weder Schmutz noch Nässe, sind auch gegen Wassereinbrüche von unten gut abgedichtet. Zweifel melden sich eher bei den Fahrern: Soll man wirklich die beiden Offroader einsauen? Wo ihre Innenräume doch so gar nicht nach Arbeitsgerät aussehen? Im Toyota gibt es sogar Holzeinlagen, die aber ähnlich wie das Leder bei näherem Betrachten wie Kunststoff wirken. Zudem lassen sich seine verstreut angeordneten Schalter und Taster schwerer zuordnen als die großen Bedienelemente des Land Rover.

Land Rover Discovery 3.0 TDV6 zeigt sich im Gelände versiert
Dessen weit heruntergezogene Scheiben sorgen für gute Übersicht. Von der hohen Warte aus macht sich Erhabenheit, Souveränität breit – diesen Geländewagen scheint so schnell nichts aus der Ruhe zu bringen. Wir pumpen die Karosserie per Luftfederung hoch, vergrößern dadurch die Bodenfreiheit und legen beim Terrain-Response-System das Programm fürs maximale Vorwärtskommen ein: Untersetzung und Mittendifferenzial-Sperrung inklusive. Wie auch beim Toyota wurden vorher Winterreifen montiert, die fürs Gelände gut geeignet sind.Der Sechszylinder-Diesel summt mit Standgas, auch das wirkt ausgesprochen beruhigend; der steile Berg vor uns dagegen weniger. Ihn versuchte der Fotograf für eine passende Perspektive zu erklimmen – zu Fuß praktisch unmöglich. Der Kollege ging dann außen herum. Wir dagegen legen am Getriebewählrad "D" wie "Drive" ein und stellen per Paddelzug manuell sicher, dass tatsächlich der erste Gang vorgewählt ist. Bedächtig setzt sich der Discovery in Bewegung, macht seinem Namen alle Ehre, entdeckt das steile Gelände mit jeder Radumdrehung für sich. Das Ganze wirkt äußerst kompetent und mühelos; selbst dann, wenn der Aufstieg so steil ist, dass vom Fahrersitz aus nur noch der grau verhangene Himmel zu sehen ist.

Toyota Land Cruiser top im Gelände - flop auf Asphalt
Gleiches gilt prinzipiell auch für den Land Cruiser. In der teuren und hier getesteten TEC-Edition bietet er alle Geländefahrprogramme serienmäßig – mit unterschiedlichen Abstimmungen der Traktionskontrolle, die selbst den 4x4-Anfänger zum Kletterkönig machen. Die Variante für schlammige Untergründe leistet heute gute Dienste. Falls man sich festfahren sollte, lässt die aktivierte Crawl Control das Dickschiff wieder aus der Misere krabbeln. Nur die beim Testwagen montierten Trittbretter zeigen dem Toyota-Fahrer die Grenzen auf – wenn sie aufsetzen. Davon abgesehen lässt sich der Land Cruiser in Langenaltheim genauso wenig aus der Ruhe bringen wie der Discovery. Stoisches Wesen beweist der Toyota auch auf der Landstraße. Hier pflügt er wie ein Dampfer durch die Wellen und will beizeiten auf Kursänderung eingestimmt werden. Seinem Namen entsprechend cruist der schwere Wagen am liebsten gelassen dahin, dann stört es auch kaum, dass die Sitze wenig Seitenhalt bieten. Die hydraulisch verstellbaren Stabilisatoren erledigen ihre Aufgabe unmerklich. Sanft schwingt die Karosserie über kleine Unebenheiten und wogt heftig über große.Doch je schneller die Fuhre wird, desto unbehaglicher fühlen sich die Passagiere. Auch deshalb, weil der Geradeauslauf nach fortwährender Aufsicht verlangt, die Windgeräusche merklich zunehmen – und sich Diesel-Nageln in den Vordergrund drängt: Bei Kick-down klingt der Vierzylinder wie ein geplagtes Traktortriebwerk, entwickelt mehr Geräusch als Vortrieb, wobei der Rest von Elan im Wandler der Sechsgangautomatik versuppt. Hier zeigt der Land Cruiser deutlich, dass er das Gegenteil eines SUV ist, das Gelände liebt und die Straße akzeptiert.

Discovery - der Meister (fast) aller Disziplinen
Der Land Rover arrangiert sich mit beidem. Selbst über Autobahn-Richtgeschwindigkeit bleiben Karosserie und Sechszylinder ruhig und der Discovery positioniert sich als angenehmer Reisewagen. Seine Achtgangautomatik schaltet gekonnt, aber nicht hastig, man schnürt gelassen dahin – ein Fahrgefühl, das man in agilitätsheischenden SUV vergeblich sucht. Als moderner Geländewagen spielt er die Vorteile der Einzelradaufhängung auf der Landstraße aus, lenkt williger ein, bleibt präzise in der Spur und federt fiese Unebenheiten ordentlich aus. Die gebotene Agilität würde kaum vermuten lassen, dass der Land Rover über drei Zentner mehr auf die Waage bringt als der Toyota. Doch das Mehrgewicht muss ständig beschleunigt werden. Folglich zeigt sich an der Tankstelle, dass der leichtere und schwächere Toyota sparsamer ist. Dass beide unterdurchschnittlich bremsen, liegt übrigens an ihren geländetauglichen Reifen – Gummis, die für trockenen Asphalt optimiert sind, würden sich hier besser verzahnen. Bei den Assistenzsystemen und mehr noch beim Multimedia-Angebot ist der Land Cruiser allerdings im Vorteil, holt sich Pluspunkte – der Discovery befindet sich hier nicht auf Höhe der digitalen Zeit. Davon abgesehen ist er dem Toyota in der Eigenschaftswertung deutlich voraus. Der könnte das Ergebnis nur noch über das Kostenkapitel schönen. Hier punktet er zwar mit seiner luxuriösen Ausstattung kräftig, wohingegen der Land Rover leer ausgeht. Doch eine ähnlich hohe Spanne wird dem Land Cruiser wieder beim Grundpreis abgezogen: Als TEC-Edition ist er sehr teuer – und verliert am Ende den Vergleichstest deutlich.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-03-13

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