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Testbericht

16. Januar 2011

Drei Dinge, so philosophierte einst ein Leser, zeichnen eine Chauffeurs-Limousine aus: Komfort, Komfort, Komfort. Diesem Bonmot ist nur eines hinzuzufügen: im Fond. Deshalb nehmen wir uns bewusst zurück und berichten von den hinteren Rängen eines Audi A8 L 4.2 FSI Quattro (94.300 Euro), BMW 750 Li (95.600 Euro), Mercedes S 500 lang (103.471 Euro) und eines VW Phaeton V8 4Motion lang (89.900 Euro).

Vorne links sitzt das Personal, hinten rechts der Chef Bereits die Basispreise der Luxusliner sind exorbitant; doch die Langschiffe werden meist noch um den Wert eines Familienwagens aufgerüstet. Unerschütterliche Bonität setzen wir bei der angesprochenen Klientel deshalb voraus, alternativ das Wissen um ein geeignetes Steuersparmodell. Vorne links sitzt das Personal, hinten rechts der Chef. Im langen Mercedes dirigiert er nicht nur den Fahrer, sondern auch den Beifahrersitz, kann ihn (serienmäßig) elektrisch weit von sich weisen, um den XL-Fußraum auf XXL zu erweitern - eine der aktiven Seiten des Gefahrenwerdens. Um sie auszuleben, muss man im Audi A8 hinten Einzelsitze bestellen (8.170 Euro), im BMW 7er das Lounge-Paket (9.250 Euro) und den VW Phaeton als Viersitzer (98.400 Euro). Die Bedürfnisse eines Viel-Reisenden sind einfach. Erstens: arbeiten. Dafür gibt es bei allen optional Ausklapp-Tische. Zweitens: Manager wollen den Transfer zwischen Terminen zur Entspannung nutzen, in diesem Fall ihr Geld also im Schlaf verdienen. In allen vier Modellen surren die äußeren Sitze auf Wunsch elektrisch in eine Winkel-Position, ähnlich wie in der Business-Class eines Langstreckenfliegers. Eine First-Class-Liegefläche würde erst der Ruhesitz des Audi A8 bieten; bei dieser hier nicht getesteten Option (11.020 Euro) fährt eine Fußstütze aus der Beifahrer-Sitzlehne. VW Phaeton ist für Sitzriesen ungeeignet Gerade in den XL-Limousinen sollten selbst XL-Vorstände entsprechenden Raum vorfinden. Weshalb auto motor und sport einen Mitarbeiter als Testperson wählt, der seinen Kopf unter Türrahmen stets einzieht. Im VW Phaeton, dem niedrigsten der vier, gibt der Zwei-Meter-Mann diesem Reflex automatisch nach, um nicht mit dem Dachhimmel auf Block zu gehen. Egal wie er den Rücksitz auch verstellt: Er findet weder eine aufrechte Position noch eine entspannte Schlafhaltung. Zudem stößt sein linkes Knie an den weit aus dem Mitteltunnel ragenden Bedienungs-Satelliten der Klimaanlage. Für Manager über 1,90 Meter ist der VW Phaeton durchgefallen - sie hätten das Gefühl, gedeckelt zu werden. Alle anderen schlüpfen in den VW wie in einen Maßschuh, lassen sich im flauschigen Polster nieder und fühlen sich sicher verwahrt wie in einem Tresor.

Audi A8 und BMW 7er vermitteln Freude am Fahren, nicht am Gefahrenwerden Deutlich mehr Platz bietet die Mercedes S-Klasse. Hier würden Basketballer ihre Füße unterbekommen und gleichzeitig die bequemsten Sitze loben. Doch was Verstellmöglichkeiten im Detail bedeuten können, zeigt erst der Audi A8. Hier lässt sich der Sessel zusätzlich auf Schulterhöhe abwinkeln, und seitliche Klappen in der Kopfstütze verhindern, dass das Haupt wegkippt - ähnlich wie im BMW 7er. Wirklich unbeengt und friedlich schlummern breitschultrige Kerle übrigens nur im BMW 7er, trotz straffer Sitzfläche - falls die Straße nicht zu uneben ist. Denn ebenso wie der Audi A8 unterliegt der BMW 7er einem Missverständnis: Beide vermitteln Freude am Fahren, jedoch nicht am Gefahrenwerden. Doch gerade Langversionen sollten eine Art fliegender Teppich sein - deshalb kauft man sie. Beim BMW 7er limitieren dies die Runflats, beim Audi A8 die hyperagile Auslegung von Lenkung und Bremse. Es reicht nicht aus, den Radstand des Oberklasse-Wagens um etwa 13 Zentimeter zu verlängern - das Fahrwerk lässt Demut vermissen. Der nervöse Audi A8 ist nur Vorständen zu empfehlen, die am liebsten ihr eigener Chauffeur wären. Umso erstaunlicher, dass die Mehrzahl der Audi A8 das Werk gestreckt verlässt. VW Phaeton mit erstklassigem Federungskomfort Im behäbigen VW Phaeton dagegen wird man den Platz hinten rechts vorziehen. Aktionen des Fahrers kommen im Fond wattiert und zeitversetzt an, drängen sich nicht ins Bewusstsein des Chauffierten. Wenn die Vorderachse bereits einlenkt, befindet sich die hintere quasi noch in der Anbremszone. Ein fließender Fahrstil sollte sich hier selbst ohne Chauffeur-Kurs einstellen, was im Audi A8 und BMW 7er nur nach langer Übung gelingt. Es gehört viel Finger- und Zehenspitzengefühl dazu, die Herrschaften im Fond nicht in der Ruhe oder beim Arbeiten zu stören. Beiden fehlen die glattgeschliffenen Schaltvorgänge einer Mercedes S-Klasse und eines VW Phaeton, ebenso deren abgesoftete Gasannahme. Nach Video-Zerstreuung wird einem Entscheider im Fond nur selten der Kopf stehen, weshalb man Entertain- durch Infotainment ersetzen muss - also der Möglichkeit eines mobilen Büros. Wer darunter Schränkchen mit Fax und Drucker versteht, ist hoffnungslos analog; die digitale Welt verlangt nach Internet-Anbindung.

Audi A8 und Mercedes S-Klasse mit UMTS Übrigens ist selbst ein aus der Armlehne surrender Computer von gestern. Heute wollen Manager mit ihrem eigenen Laptop surfen - via WLAN im rollenden Internet-Café. BMW stellt zur Übertragung der Daten das relativ langsame EDGE zur Verfügung; da rauscht man im und in der Mercedes S-Klasse mit UMTS locker auf der Daten-Autobahn vorbei. Und im VW Phaeton? Der setzt nur zum Telefonieren auf dieses Format, bietet aber keinen kabellosen Zugang für den PC. Zur Zerstreuung genießt man das Musikprogramm. Hier ist ein leises Umfeld wichtig. Der Audi A8 lässt dem Wind-Zischen die wenigsten Angriffspunkte und bereitet dem feinsinnig abgestimmten Soundsystem damit eine perfekte Bühne. Dem gegenüber steht der VW Phaeton, der vor allem im Bereich von zwei bis drei kHz leicht rauscht - dem fürs menschliche Ohr empfindlichsten Frequenzbereich. Misst man den absoluten Schalldruck (dbA), ist nur der BMW 7er etwas lauter, verkneift sich aber aufdringliche Frequenzen ebenso wie die Mercedes S-Klasse. Mercedes S-Klasse: Komfort über Alles Der BMW 7er schafft es am Ende auf Rang zwei; er bietet die bequemste Schlafmöglichkeit, lässt beim Fahrkomfort aber zu wünschen übrig. Überhaupt nicht in die Runde passt der Audi A8, der trotz enormer Länge vor allem Selbstfahrer anspricht. Vor ihn schiebt sich der VW mit der besten Federung, aber knapper Kopffreiheit für stattliche Männer - deshalb die Abwertung auf Rang drei. Doch über allen strahlt am Ende der Stern, ganz in der Tradition staatstragender Chauffeurs-Limousinen. Denn nur der Fond der Mercedes S-Klasse erfüllt die drei größten Wünsche: Komfort, Komfort, Komfort.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-01-16

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