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Testbericht

7. August 2013
Kürzlich an der Stazione di Servizo, Viadotto Valli an der SS 223 nahe Siena. Eigentlich war es nur ein Reflex, ein kurzes Zucken – resultierend aus dem Blick auf den prächtig-glänzenden Dreizack auf schwarzem Lack und die klebrig-dreckige Zapfpistole darunter, die gerade schnorchelnd Liter für Liter Diesel in den Tank pumpt. Eben: Diesel und kein Super. In einen Maserati. Passt das? Ratter, ratter, ratter. Ja. Passt. Lass weiterlaufen. Es ist ein Diesel. Gebaut in der Motorenschmiede VM Motori in Ferrara und der erste Selbstzünder in einem Maserati überhaupt. Seine Kennzahlen: drei Liter Hubraum, 275PS, 600 Newtonmeter und ein NEFZ-Verbrauch von 5,9 L/100 km. Sein Job: den intern genannten M 157 Maserati Ghibli sowohl auf der Straße als auch im Segment der edlen Business-Limousinen in Fahrt zu bringen. Denn eines ist den Strategen bei Maserati inzwischen auch klar: Um ein neues Auto in Europa erfolgreich auf dem Markt zu positionieren, braucht es einen Diesel. Design hin oder her.

Maserati Ghibli mit perfektem Auftritt Wobei – beim Anblick des Maserati Ghibli könnte es selbst unterkühlten Audi-Fans warm ums Herz werden. 291 Millimeter kürzer und 100 Kilo leichter als der große Bruder Quattroporte, findet sich am fünf Meter langen Maserati Ghibli kaum eine Rundung, kaum eine Kante, die nicht perfekt zum elegant-sportlichen Auftritt der Marke passt. Angefangen beim monumentalen Grill über die sanft gewölbten Kotflügel inklusive kleinen Kiemen bis hin zur leichten Abrisskante am Heck. Lediglich über die vier üppig geratenen Endrohre könnte man diskutieren. Aber dazu gleich mehr. 64.980 Euro gilt es für einen Maserati Ghibli Diesel hinzulegen. Der Kunde erhält dafür ein hochwertiges, aber schlicht gehaltenes Interieur. Weiches Leder wechselt sich ab mit sauber eingepasstem, offenporigem Holz. Auch die klassische Maserati-Uhr fehlt nicht. Dass es den elektrisch verstellbaren Sesseln im Maserati Ghibli etwas an Seitenhalt und den Türen an größeren Ablagen fehlt, kann man da schon mal verschmerzen. Platz für zumindest vier Insassen und 500 Liter Gepäck ist ausreichend vorhanden. Bi-Xenonscheinwerfer, ein selbstsperrendes Differenzial sowie eine exzellente Achtgang-Automatik (ZF) sind ebenfalls serienmäßig an Bord des Maserati Ghibli. Damit liegt der Hecktriebler auf Augenhöhe mit seinen künftigen Gegnern wie Audi A7 Sportback 3.0 TDI Quattro (245PS, 59.000 Euro) oder Mercedes CLS 350 CDI mit 265PS (63.725 Euro).

Maserati-Diesel klingt wie ein V8-Benziner Harte Konkurrenten, keine Frage. Zumal der Maserati Ghibli bislang über keine elektronischen Fahrerassistenzsysteme verfügt. Doch eines können wir nach den ersten Messungen konstatieren: Die Komposition aus 600Nm starkem V6-Diesel, Wandlerautomatik und Auspuffanlage im Maserati Ghibli ist absolut gelungen. Schon im Stand sprotzelt der V6 fast wie ein fetter Bigblock-Achtzylinder, spurtet trotz Vorserienstatus in nur 6,8 Sekunden auf Tempo 100 und locker weiter auf 250km/h. Die ZF-Automatik legt derweil beflissen unauffällig die Gänge ein, während die vier Endrohre den Spurt dumpf bassig begleiten. Damit aber nicht genug: Ein Druck auf die Sporttaste neben dem ledernen Wählhebel, und der Maserati Ghibli dreht die Gänge nicht nur aus, sondern steigert nochmals die Bassfrequenz und röhrt wie ein wild gewordender Wasserbüffel auf Brautschau. Wer die Automatik des Maserati Ghibli dann noch in den manuellen Modus versetzt und die Gänge per edlen Alu-Schaltpaddeln rauf und runter klackert, erntet zudem heisere Zwischengastöne. Verstehen Sie jetzt die Irritationen an der Tankstelle? Klingt so ein Diesel? Nein. So klingen die beiden Soundmodulatoren zwischen den Endrohren. Übrigens nicht weiter ungewöhnlich, denn auch ein 3.0 TDI wird künstlich aufgeplustert.

Im Maserati Ghibli entspannen im ICE-Modus Der Maserati Ghibli drumherum gibt sich indes vergleichsweise gemütlich. Mehr soft als sportlich abgestimmt, durcheilt der zwei Tonnen schwere Maserati selbst schnelle Kurven lange neutral und lässt sich dank einer hinreichend direkten Lenkung präzise dirigieren. Sogar den jugendlich-übermütigen Sprint aus engen Kehren meistert der Maserati Ghibli dank Hinterachssperre und einer nahezu gleichmäßigen Gewichtsverteilung ohne Quietscherei. Nur Querfugen können die Insassen recht deutlich durchrütteln, was im Sportmodus der optionalen Skyhook-Dämpfer naturgemäß noch stärker in Erscheinung tritt. Sinnvoller ist hingegen ein Druck auf die ICE-Taste. Dann stellt sich der Maserati Ghibli auf Winter und Effizienz ein, meidet Drehzahlen über 2.500 Touren und stampft – begleitet vom dumpfen Vierrohr-Bass – zufrieden über jeden Hügel. Viel besser gehts nicht. Bleibt das Fazit zur anfangs gestellten Frage: "Kann Maserati Diesel?" Wir empfehlen den Slogan: "Yes, we can".
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-08-07

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