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Testbericht

23. Januar 2014
Atem wabert in Wolken um den Kopf. Jeder Schritt über den nassen Asphalt muss mit Bedacht gegangen werden. An den Parkplatzrändern liegt gefrorener Schnee. Für eine Ausfahrt auf den kurvigen Straßen rund um Cervina in den italienischen Alpen sind das keine optimalen Bedingungen. Auf der Fahrbahn mit ständig wechselnder Oberfläche ringen die Reifen um Traktion. Insbesondere, wenn 410PS mit einer Bewegung des rechten Fußes für Vortrieb sorgen.

Maserati Ghibli S Q4 mit Dreiliter Biturbo-V6 So viel Leistung produziert der Dreiliter Biturbo-V6 des Maserati Ghibli S. Die 550 Newtonmeter Drehmoment liegen bei 4.500/min an. Ein leichter Gasfuß ist also gefragt – sollte man denken. Tatsächlich ist aber auch ein ungeduldiger Bleifuß in engen Kurven kein Problem, denn der Ghibli S verfügt über das Q4-Allradsystem. Eine Entwicklung von Magna Powertrain, die im Vergleich zum heckgetrieben Ghibli nur 60 Kilogramm mehr wiegt. Zusätzlich nimmt auch der Preis um 2.970 Euro zu. Somit liegt der Einstiegspreis für das Allradmodell bei 82.470 Euro. Bis zu 50 Prozent der Kraft werden je nach Bedarf über eine Lamellenkupplung an die Vorderachse geschickt. Ist der Maserati Ghibli S Q4 dadurch zum untersteuernden Spaßverderber geworden? Ganz im Gegenteil. Selbst der Versuch, dem Maserati Ghibli S Q4 dieses Rutschen über die Vorderräder mit Gewalt zu entlocken, misslingt. Die holprige Asphaltbahn windet sich unter den Pirelli-Winterreifen. Schnelles Lenken durch eine S-Kurve, dann bremsen, hinein in die Spitzkehre. Eigentlich ist die Geschwindigkeit zu hoch. Kurz ruckt die 1.870 Kilogramm schwere Limousine, dann greifen die Gummis auf dem Asphalt und der Wagen zieht entlang der verblassten Straßenmarkierung. Auf Pedaldruck rutscht nicht die Front des Maserati Ghibli S Q4, sondern das Heck. Nicht viel und auch nur kurz. Es ist kein Moment des Entsetzens, als hätte man beim Treppabgehen eine Stufe verpasst, sondern einer, der ein Grinsen über das Gesicht huschen lässt. So sollte man bei minus vier Grad nicht fahren können. Jedenfalls nicht ohne feuchte Handflächen zu bekommen und die Kiefer aufeinander zu pressen.

ZF-Achtgangautomatik schaltet sanft im Maserati Ghibli S Q4 Und doch – keine Spur von Nervosität. Ein Zug an der rechten Schaltwippe der sanft schaltenden ZF-Achtgangautomatik. Dritter Gang. Die sechs Zylinder brummen vor sich hin, dröhnen beinahe dumpf im Innenraum. Zurück in den zweiten. Ein kurzes Aufbrüllen. Nicht laut – irgendwie weit entfernt. Selbst oberhalb von 5.000/min. dringen die Motorgeräusche nur leise ins Innere. Erst im Tunnel und bei geöffnetem Fenster wird dem Fahrer klar: Der Maserati Ghibli S Q4 kann doch Krach machen. Allerdings ohne den Fahrer anzuschreien. Nur die Umgebung. Zu stören scheint das niemanden. Jedenfalls nicht in Italien. Am Straßenrand wird schon mal ein Daumen gehoben. Der Maserati Ghibli S Q4 hat eben einen ganz eigenen Charme. Der ist auch im Interieur zu spüren, denn die Passagiere nehmen in einer Sitzlandschaft aus Leder Platz und bekommen dabei kaum weniger Freiraum als beim 29 Zentimeter längeren Quattroporte. Das eigentliche Erlebnis ist jedoch das Sitzen hinter dem Steuer. Hier profitiert der Fahrer von der 50-prozentigen Gewichtsverteilung zwischen Front und Heck sowie von vier angetriebenen Rädern. Die geben Sicherheit, wenn plötzlich halbgetauter Schnee durch die Radhäuser des Maserati Ghibli S Q4 zischt.

Maserati Ghibli S Q4 verliert auf Eis nur wenig Souveränität Und dann gibt es noch die Sporttaste. Ein kurzer Druck, und der V6 grollt wütender aus den vier Endrohren, und die Gasansprache wird direkter. Zusätzlich erlaubt die Elektronik dem Heck nun kontrollierbar Schlupf. Selbst auf blankem Eis verliert der Maserati Ghibli S Q4 nur wenig von seiner Souveränität. Drückt man dann noch die M-Taste, wird das Schalten dem Fahrer selbst überlassen. Und während die Limousine so durch einige schnelle Kurven wedelt und das Heck je nach Gaspedalstellung ins Rutschen gebracht werden kann, drängt sich der Gedanke auf, es handle sich um einen reinrassigen Sportwagen. Wäre da nicht die elektrohydraulische Lenkung. Von Gefühllosigkeit kann eigentlich keine Rede sein, die Textur der Fahrbahn lässt sich allerdings auch nicht über das Lenkrad erspüren. Bei schnellem Lenken ist die Ansprache hervorragend, bei all den anderen kleinen, langsamen Bewegungen des viel alltäglicheren Fahrens geht das Sportwagengefühl jedoch verloren, und die Erinnerung, dass die Hände das Lenkrad einer schweren Oberklasse-Limousine umschließen, kehrt zurück. Allerdings nur bis zur nächsten Kurve.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-01-23

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