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Testbericht

11. Juni 2011

Womit überrascht uns Mercedes beim SLK Nummer drei? Den ersten machte ein Blechklappdach ganzjahrestauglich, der zweite bildete Schönwetter- zu Allwetterfahrern aus – dank einer Art Nackenfön. Und der neue will die Sonne kontrollieren. Auf Knopfdruck verdunkelt sich das Panoramadach; es lässt dann nur noch 20 Prozent der ultra-violetten Strahlung durch. Selbstredend funktioniert dieses neue Alleinstellungsmerkmal des Mercedes SLK technisch einwandfrei. Stellt sich die Frage nach dem Sinn dieses 2.368 Euro teuren Gimmicks: Anders als in einem geschlossenen Sportcoupé drängt es sich zumindest in einem Cabrio nicht gerade auf, zumal in einem, das innerhalb von 20 Sekunden von viel Licht (offen) auf wenig Licht (geschlossen) wechseln kann. Bleibt der Besitzerstolz, der erst nach mehrmaligem Erzählen in geselliger Runde verblassen dürfte.

Mercedes SLK 350 ist herrlich unkompliziert Das alles bringt einen Roadster nicht zu sich selbst. Dessen ureigenster Charakter besteht schließlich darin, den Elementen möglichst wenig Begrenzung entgegenzusetzen; ihnen soll der Fahrer und nicht das Auto trotzen. Beim Mercedes SLK hat sich das längst umgekehrt. Nicht zuletzt seine Unkompliziertheit macht ihn auch zum Liebling der Frauen. Um diese Klientel nicht zu verschrecken, lässt sich der Luftzug beim offenen Mercedes SLK bis auf Schiebedach-Niveau reduzieren – wenn die Seitenscheiben hochgefahren sind und das Windschott zwischen den Kopfstützen montiert ist. Einem Roadster kommt allerdings das Gegenteil näher. Auch kein Problem: Die Scheiben surren herab, was artgerechte Durchströmung des Innenraums zur Folge hat. Das einfach zu entfernende Windschott wandert in den Kofferraum. Dort verhindern praktische Gummischlaufen im Laderaumboden ein Herumfliegen, falls den Piloten der Fahrspaß packt. Und der liegt nahe wie bei keinem Mercedes SLK zuvor. Dafür sorgt das neue Fahrwerk mit Anleihen bei der C-Klasse und erstmals adaptiven Stoßdämpfern. Letztere sind sehr zu empfehlen (1.416 Euro), zumal sie in Verbindung mit der ohnehin meist gewünschten Tieferlegung (zehn Millimeter) und der angenehm direkteren Sport-Parameterlenkung geliefert werden. Das macht den SLK zum Verwandlungskünstler: Er beherrscht alle Gangarten vom ziellosen Herumstreunen übers Verreisen bis hin zum Mitschwimmen im allmorgendlichen Berufsverkehr, in dem das perfekt abgestimmte, serienmäßige Start-Stopp-System sein Können ausspielt. Zunächst zeigt sich das Fahrwerk des Mercedes SLK im Test sportlich straff, bis es ans Eingemachte geht. Je opulenter die servierten Schlaglöcher werden, desto besser werden sie von den adaptiven Dämpfern verdaut. Selbst in der Stellung Sport müssen sie nicht überfordert aufstoßen. Erst auf der Autobahn zeigt sich eine Neigung zu Hubbewegungen, sofern kurze Bodenwellen in schneller Folge auf die aufpreispflichtigen 18-Zöller einprasseln. Ein kurzer Druck auf den Dämpferschalter, und die Komfortabstimmung beruhigt die Lage sofort wieder.

Ohnehin ist der Modus Normal die Wahl für alle Spaßstrecken. Dann befinden sich Federungskomfort und Fahrdynamik im Mercedes SLK in perfekter Balance. Ein Fahrwerk, das nicht dem feuchten Traum eines Dynamikfanatikers entspringt, sondern die traurige Realität des Straßenbaus berücksichtigt. Mehr noch als seine Vorgänger meistert der Mercedes SLK selbst knifflige Passagen ohne zu stocken, und er verheddert sich nie im Kurvendickicht. Dabei hilft, dass er kompakt geblieben ist und dem Big-is-beautiful-Wahn trotzt. Es gibt praktisch keine zu engen oder zu schlechten Straßen, ihre Kennzeichnung als niedere Ordnung wird vielmehr zum Empfehlungsschreiben – dort ist Cabrio-Country. Auch jenseits des Fahrspaßes hat Mercedes beim SLK 350 an alles gedacht Im großen Handschuhfach des Mercedes SLK lassen sich Kugelschreiber, Scheckkarte und Münzen in Halterungen unterbringen, die Bedienung der Alltagsfunktionen ist selbsterklärend; erst wer sich am Comand Online für 3.070 Euro versucht, muss sich einarbeiten. Dann steht die Routenführung mit dreidimensional dargestellten Städten zu Diensten – und das System ist internetfähig, so sind Web-Seiten über Google aufrufbar. Einen Steckplatz für digitale Speichermedien gibt es natürlich ebenfalls. Solche zeitgemäßen Features konterkariert der Mercedes SLK-Testwagen mit Oberklasse-Tümeleien wie optionalem Wurzelholz. Dabei passt das serienmäßige Aluminium besser zu den extrovertierten Lüftungsdüsen als SLS-Zitat. Toll dagegen sind die Kreuzstichnähte der Sportsitze nach Baseball-Art (Leder-Paket Nappa 1.892 Euro) – eine Augenweide, die den Mercedes zu etwas Besonderem macht und den Besitzerstolz lange aufrechterhalten dürfte. Glücklicherweise ist der Mercedes SLK kein Tempoleugner, so dass man nicht ständig den im Comand integrierten Tempolimit-Anzeiger konsultieren muss. Im Gegenteil: Vor allem offen lässt der kleine Sportler die Geschwindigkeit spüren. Dazu kommt, dass der 3,5-Liter-V6 des Testwagens kein Anstifter ist, sich vielmehr vor allem von 2.000 bis 5.000/min wohl fühlt und das mit rauchigem Timbre artikuliert.

Neuer SLK verbraucht rund einen Liter weniger als Vorgänger An der Drehfreude ließe sich noch feilen. Es fehlt die Wildheit, die 306 PS erwarten lassen, was sich auch am knappen Verfehlen der Werksangaben zeigt. An der serienmäßigen Siebenstufen-Automatik liegt es nicht; sie schaltet unauffällig und routiniert. Wer seinen Mercedes SLK aber als Sportwagen versteht, sollte die Paddeln am Lenkrad bestellen (274 Euro) und die Gangwechsel selbst veranlassen. Mercedes hat die magere Verbrennung dank so genanntem Schichtbrennverfahren und Direkteinspritzung mit bis zu 200 bar weiter optimiert. Es lässt sich ein Durchschnittsverbrauch von rund 7,7 Liter auf 100 Kilometer realisieren; im Testmittel sind es aber deutlich höhere 11,1. Das liegt knapp einen Liter unter dem Verbrauch des abgelösten Mercedes SLK 350. Damit sind dem Neuen die fünf Sterne sicher. Am Ende des Tests überwiegt einfach nur die Begeisterung. Hinterließ eine Ausfahrt im Vorgänger vor allem ein zufriedenes Sättigungsgefühl, so kommen beim aktuellen Mercedes SLK dezent glühende Wangen als Zeugnis eines heißen Ritts hinzu. Unweigerlich fragt man sich, wann ein Mercedes zuletzt so viel Pfeffer im Hintern hatte und gleichzeitig so kompetent den Alltag meisterte. Noch eine Überlegung quert die Gedanken: Jetzt, da es den Mercedes SLK-Tausendsassa gibt – welcher Kaufgrund jenseits repräsentativer Straßenpräsenz spricht eigentlich für den deutlich teureren SL?

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-06-11

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