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Testbericht

17. März 2011

Lust auf einen narrensicheren Intelligenztest? Also: Angenommen, die Modelle 407 und 607 werden durch einen gemeinsamen Nachfolger ersetzt, wie heißt er? Peugeot 508, richtig. Auf diese Idee ist auch Peugeot gekommen, als es um die Konsequenz aus dem mageren Erfolg des großen 607 und dem turnusmäßig zur Ablösung anstehenden 407 ging. Was der oberklassige 607 zu wenig hatte, hatte der expressive Mittelklässler 407 zuviel – Kühlergrill und Überhang vorn, Chromblitzen innen und dann noch die leichte Handling-Hektik.

Deutlich traditioneller ausgelegt Jetzt soll alles anders werden, der Peugeot 508 erfolgreich in die dicht stehende Abwehrkette aus Ford Mondeo, VW Passat und Opel Insignia eindringen. Und dabei die Peugeot-Tradition wiederbeleben, als gallischer Mercedes zu gelten – im Gegensatz zu den auffallenden Renault und den verblüffenden Einfällen der Konzernschwester Citroën. Beim Peugeot 508 ist kein Platz für Kinkerlitzchen wie feststehende Lenkradnaben oder außen um die Skala streichende Zeiger wie im C5. Mit kürzerem Vorbau, längerem Radstand und gestrecktem Heck ausgestattet, empfängt der 4,79 Meter lange Peugeot 508 seine Passagiere in einem überraschungsfreien Innenraum. Hier musste sich kein Designer krampfhaft profilieren, stattdessen breitet sich eine dezente Softlack-Landschaft mit flachem Armaturenträger vor den Insassen aus – eher Passat als Insignia.

Peugeot 508 mit gutem Platzangebot Passend dazu informieren übersichtliche Rundinstrumente plus Kühlmittel- und Öltemperaturanzeige sowie ein Monochrom-Display. Alle wichtigen Bedienelemente sind logisch gruppiert – mit Ausnahme der Tasten für ESP- und Parkpiepser-Abschaltung, die sich hinter einer labberigen Klappe verbergen. Weitere Innenraum-Mali: der etwas schleifend laufende Dreh-Drücksteller in der Mittelkonsole, zu wenig Ablagen und die mäßige Übersicht nach hinten. Besser gefallen die neuen Vordersitze mit ausziehbarer Oberschenkelauflage, die Fahrer und Beifahrer in eine ergonomische, wenn auch etwas hohe Position und den Peugeot 508 damit in eine aussichtsreiche beim Kampf um Flottenkunden bringen. Auf diese hat es – neben "optimistischen Menschen zwischen 50 und 69 Jahren" – das Peugeot-Marketing nämlich ausdrücklich abgesehen. Und die Preise klassenüblich gestaltet: So steht der Peugeot 508 in Active-Ausstattung mit 140 PS starkem Zweiliter-Diesel, Zweizonen-Klima, Tempomat und Stereoanlage samt USB-Dock für 27.150 Euro in der Liste. Derart versorgt können sich Außendienst-Profis und andere Optimisten nach kurzer Eingewöhnung umgehend wieder dem Alltagsgeschäft widmen. Und das in luftiger Atmosphäre, die auch das Platzangebot im Fond des Peugeot 508 umfasst. Der längere Radstand verschafft Gästen dort fünf Zentimeter mehr Beinfreiheit als beim 407, womit der 508 Richtung 607 tendiert. Auf ein üppiges Arsenal aus Assistenzsystemen verzichtet Peugeot dagegen. Ein radargesteuerter Abstandsregeltempomat ist ebensowenig im Programm wie Spurhalte- und Spurwechselhilfen oder ein Müdigkeitswarner. Aber keine Angst, der Peugeot 508-Fahrer muss beim Blinken nicht selbst den Arm raushalten. Blinker sind Serie, helles Bixenonlicht, ein Fernlichtassistent sowie ein farbiges Head-up-Display sind optional. Einmal in Fahrt, beweist der Peugeot 508, dass es bei ihm an Bord auch ohne piepsende und blinkende Helfer ganz schön behaglich sein kann. Umfächelt von der unauffällig arbeitenden Klimaanlage, akustisch von einer speziellen Motorkapselung vor dem Dieselnageln beschützt, von der Dämmglas-Frontscheibe vor dem Fahrtwind isoliert, macht man an Bord der Limousine gelassen Meter. Komfortable Federung Sie konzentriert sich klar aufs Wesentliche, verbannt sportwagenmäßige Einlenkkompetenz und ultradirekte Fahrbahnrückmeldung ebenso wie schaukeligen Pseudo-Federungskomfort. Versuchte Peugeot beim Vorgänger mit der aufwendigen Doppeldreiecksquerlenker-Vorderachse noch eine Brücke zum Tourenwagensport zu schlagen, bleibt diese Technik beim Peugeot 508 dem sportlichen GT vorbehalten. Der Rest der Palette tastet die Straße mit der günstigeren und leichteren (minus 12 Kilogramm) McPherson-Achse ab. Im Zusammenspiel mit der Multilenkertechnik hinten klappt das recht gut, sogar ohne den Einsatz adaptiver Dämpfer. Lediglich kurze Absätze wie etwa Kanaldeckel dringen über die 17-Zöller polternd zu den Insassen durch, längere Unebenheiten blendet der Peugeot 508 hingegen erfolgreich aus. Derweil vermeidet die elektrohydraulische Lenkung jede Zappelei um die Mittellage, setzt Befehle mit angemessener Gelassenheit sauber um. Übertreibt es der Fahrer mit der Querbeschleunigung, greift das ESP mit relativ deutlicher Regelung ein.

Diesel ohne Feuer Passend zu diesem eher getragenen Naturell des Peugeot 508 übermittelt der Zweiliter-Diesel seine maximal 320 Newtonmeter Drehmoment nach einer Anfahrlethargie unterhalb 1.500/min geschmeidig Richtung Vorderräder. Das 140 PS starke Triebwerk fühlt sich eher feiner Laufkultur als feuriger Power-Ausschüttung verpflichtet, was den Peugeot 508 bisweilen beim Herausbeschleunigen schwerer als seine gemessenen 1.583 Kilogramm erscheinen lässt. Im Testbetrieb begnügt er sich mit 6,9 Liter/100 km, Bescheidenheit am Fahrpedal zeitigt Durchschnitte um fünf Liter. Auf ein Start-Stopp-System muss man allerdings verzichten, dies bleibt dem 1,6-Liter mit 112 PS vorbehalten. Einen ordentlichen Kofferraum gibt es für alle Modelle. Bot der 407 noch genau 407 Liter, sind es beim Peugeot 508 exakt 508. Nein, Scherz, der Neue packt 515 Liter in sein etwas füllig geratenes Hinterteil. Wer die Rücksitzlehnen umlegt, kann 996 (fensterhoch) oder bis zu 1.381 Liter einladen. Einladend – so wie das ganze Auto, mit dem sich Peugeot erfolgreich von den Vorgängern emanzipiert und gekonnt in den Mittelklasse-Mainstream einschwenkt.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-03-17

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