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Testbericht

2. April 2011

Zeit wurde es wieder für einen repräsentativen Wagen mit Löwe im Grill - nachdem der 607 eingestellt wurde. Der Peugeot 508 erreicht nicht ganz dessen Länge, steht ihm aber an Eleganz in nichts nach und nährt damit die früher gerne gebrauchte Charakterisierung großer Peugeot-Modelle als Frankreichs Mercedes. In der bürgerlichen Klasse trifft der Peugeot 508 im Test auf den etablierten Opel Opel Insignia, den 2010 überarbeiteten Mazda 6 sowie den jüngst runderneuerten VW Passat. Alle vier Volksvertreter positionieren sich mit kräftigen Dieselmotorisierungen. So trifft der relativ günstige Peugeot 508 mit seinem 140-PS-Zweiliter auf den gleichstarken, dennoch deutlich teureren VW Passat. Mazda 6 und Opel Insignia liegen preislich dazwischen, leisten aber mit 163 und 160 PS etwas mehr.

Peugeot 508 entfernt sich von Sport-Allüren Bewährungsprobe für den Peugeot 508 im Test. Neugierig umherwandernden Fingerkuppen hält sein Qualitätsversprechen stand, während der Blick über das appetitlich angerichtete Cockpit schweift. Nur das Raumgefühl entspricht nicht der Erwartung, die der staatstragende Auftritt weckt. Im Fond fehlt es den Beinen an Entfaltungsmöglichkeit; Schienbeine stoßen am Vordersitz an. Auch das einst als typisch französisch geltende wiegende Wesen erreicht die Federung des Peugeot 508 nicht; immerhin entfernt sie sich von den Sport-Allüren des 407 und kehrt wieder zur Feinheit des Fahrens zurück. Gute Geräuschdämmung und ein zart säuselnder, wenngleich schlapper Diesel zeugen im davon. Dem stehen im Peugeot 508 wenig Ablagen, eine stößige Lenkung, ein knorpeliges Getriebe sowie ein sehr großer Wendekreis entgegen. Wenigstens besinnt sich Peugeot einer anderen französischen Tugend, kalkuliert konkurrenzlos käuferfreundlich. Allerdings müssen die Kunden im Peugeot 508 auf viele Segnungen der modernen Assistenzsysteme verzichten – da bleibt Spielraum für eine Modellpflege. Nicht beheben lassen sich dagegen konstruktive Mängel an der Kofferraumklappe: Sie gibt beim Öffnen nur eine sehr kleine Luke frei, und bei Regenwetter kann Schmutzwasser aufs Gepäck rinnen. Opel Insignia mit den besten Bremsen im Test Opel hat das Armschoner-Sakko abgelegt und seine Erscheinung umgekrempelt; Insignia steht jetzt für Bürgerstolz – die attraktive Optik wird aber durch hohe Preise erkauft. In der Ausstattungslinie Sport verwöhnt er seine Kunden mit serienmäßigem Navigationssystem und einem nett drapierten Innenraum. Doch wer die Finger auf Erkundungsreise schickt, entdeckt hohl klingenden Kunststoff. Wie bereits bei früheren Testwagen fällt die Zuladung des Opel Insignia knapp aus. Zudem zwingt die abfallende Dachlinie Großgewachsene beim Einsteigen in den Fond zur Demutshaltung. Vorne dagegen gehören die Premium-Sitze zum Besten, was die Mittelklasse zu bieten hat. Seitenhalt schadet nicht, denn der Opel Insignia lässt sich trotz tauber Lenkung flink durch Kurven zirkeln. Das Angebot der verstellbaren Stoßdämpfer reicht von sportlicher Festigkeit bis zum trotz 18-Zöller guten Reisekomfort. Drang nach Dynamik verspürt der Zweiliter-CDTi im Opel Insignia nicht. Zunächst muss er seine Anfahrschwäche überwinden, bevor er vernehmlich rumorend loslegt und im Durchschnitt nach dem meisten Kraftstoff verlangt. Dem gegenüber stehen die im Test besten Bremswerte und eine üppige Sicherheitsausstattung.

Mazda 6 mit größtem Kofferraum Als Einziger im Test riskiert der Mazda 6 eine große (Heck-)Klappe, was das Beladen des Kofferraums erleichtert. Die bis zu 1.702 Liter Volumen sind im Viererfeld konkurrenzlos, und auch bei der Zuladung erlaubt sich der Fließheck-6 keine Schwächen. Anders bei der Bedienung: Die vielen, eher klein beschrifteten Lenkrad-Tasten erzwingen eine Lernphase. An anderer Stelle hat Mazda die anhaltende Kritik von auto motor und sport beherzigt und das Fahrwerk des Mazda 6 neu abgestimmt. Aus eindimensional hart wurde deutlich ausgeglichener - jetzt fast schon zu weich mit dem Effekt, dass der 6 auf sehr schlechten Straßen torkelt und auf der Autobahn zappelig wirkt. Nur in Kurven stürzt sich der Mazda 6 mit einer Begeisterung, die sogar Tester überrascht. Lastwechsel rügt die Fließheck-Limousine mit einem drängenden Heck. Der 2010 getestete Kombi war hier noch unauffällig. Das Drängen des Motors des Mazda 6 dagegen ist beeindruckend; mit Turbo-Elan schiebt der 163-PS-Vierzylinder bereits knapp über 1.500/min an und steigert das Tempo spielend auf über 200 km/h. VW Passat kämpft um die Krone Um die Krone seiner Klasse will der VW Passat fechten und tritt geradezu sinnbildlich als Highline an. VW bietet verlockende Annehmlichkeiten, die allerdings meist in der umfangreichen Aufpreisliste stehen, die keine Wünsche offen lässt. Was verwöhnte Augen irritiert: Hartkunststoff bis hinauf in den sicht- und greifbaren Bereich.

Serienmäßig üppig sind die Platzverhältnisse besonders im Fond des VW Passat. Hier genießen zwei Mitreisende oberklassige Bequemlichkeit, erfreuen sich an epischer Weite und bequemen Sitzgelegenheiten. Als Krönung bietet das Gepäckabteil den nötigen Stauraum für ausgedehnte Reisen. Beim Fahren strahlt der VW Passat eine Ruhe und Gelassenheit aus, die im Grunde erst in der feinen Auto-Gesellschaft zum guten Ton gehört. Lenkung und Getriebe überzeugen mit hoher Präzision bei niedrigen Bedienkräften, das Cockpit mit bestechender Klarheit und das optionale adaptive Fahrwerk in Stellung Komfort mit einer angenehmen Geschmeidigkeit. VW Passat gegen Aufpreis mit zahlreichen Assistenzsystemen Zwar schlägt der VW Passat nicht ganz so zackig Haken wie der Opel Insignia, dafür strahlt er in Verbindung mit der stoßfreien Lenkung und den besser gedämmten Motorgeräuschen deutlich mehr Ruhe aus. Tollkühne Fahrmanöver oder unerwartete Schreckmomente entschärft er mit einer vorbildlich neutralen Abstimmung und sensiblen ESP-Eingriffen. Anders als bei der Serienausstattung spart VW beim Passat nicht bei der aktiven Sicherheit, bietet den Käufern gegen Aufpreis Errungenschaften der Oberklasse wie einen Tempomat mit Distanzregelung oder einen Spurhalte-Assistenten mit Lenkeingriff. Trotz seines hohen Preises verteidigt der VW Passat seine Vormachtstellung bis zuletzt, besetzt die Themen Komfort, Sicherheit, Fahreigenschaften und vor allem Verbrauch überzeugender als der ebenfalls gelungene Opel Opel Insignia, der auf Rang zwei landet. Letzter Platz für den Peugeot 508 im Vergleichstest Und der französische Vertreter, der Peugeot 508? Sehr knapp hat Peugeot bei Raumangebot, Zuladung und Sicherheits-Ausstattung kalkuliert. Der schlappe Motor und das unexakte Getriebe besiegeln das Schicksal: Am Ende rettet den Peugeot 508 nicht einmal mehr sein günstiger Preis vor dem letzten Platz. Obwohl sich auch der Mazda 6 deutliche Schwächen erlaubt, zieht er auf Rang drei vorbei. Bleibt dem Peugeot 508 nur der repräsentative Auftritt. Das ist zu wenig.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-04-02

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