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Testbericht

4. Februar 2015
Dass sie es sich besonders leicht machen wollten, kann man den Entwicklern des Smart Forfour nun wirklich nicht nachsagen. Einen Heckmotor-Viertürer mit all seinen fahrdynamischen Eigenheiten zu bändigen, das hat selbst Käfer-Pionier VW irgendwann aufgegeben – ohne dem 411 von 1968 zu nahe treten zu wollen. Und beim Kooperationspartner Renault wäre bestimmt eine Frontantriebs-Plattform aufzutreiben gewesen, die man zur Maxi-Version des zweisitzigen Smart hätte umkonstruieren können. In Japan zeigen jedoch Kei-Cars wie der Mitsubishi i, dass viel Innenraum auf wenig Grundfläche passt, wenn man den Motor unter den Kofferraumboden steckt.

Smart Forfour mit 185 Liter Kofferraumvolumen
Und tatsächlich: Obwohl er als Einziger unter 3,50 Metern Länge bleibt, bietet der Smart Forfour genug Platz für vier Erwachsene, selbst 1,90-Meter-Lulatsche sitzen hinten aufrecht. Nicht weniger überzeugen die cleveren Details im Innenraum: Werden die hinteren Sitzflächen um 180 Grad gedreht, wächst die Fondhöhe um zwölf Zentimeter. Flachbildschirme oder vorderradlose Fahrräder können so stehend untergebracht werden und lassen sich dank nahezu rechtwinklig öffnender Türen leicht ein- und ausladen. Hinzu kommen große Türtaschen, eine umklappbare Beifahrerlehne oder die große, nach rechts öffnende Schublade unter dem Schalthebel. In der Ideen-pro-Zentimeter-Wertung liegt der Smart Forfour damit weit vorn, das Heckmotorkonzept schrumpft den Kofferraum jedoch auf 185 Liter.

Smart Forfour in 12,3 Sekunden auf Tempo 100
Dafür entschädigt es mit einem sensationellen Wendekreis. Da die Vorderräder keine Kraft übertragen, dürfen sie ganz weit einschlagen: Mit 8,90 Metern braucht der Smart Forfour über einen Meter weniger zum Umdrehen als die Frontantriebsfraktion. Wer kurze Parklücken oder enge Tiefgaragen als Feinde der Freiheit betrachtet, wird den Smart mit seiner leichtgängigen Lenkung lieben.Schön, dass auch kürzere Überlandfahrten der Liebe keinen Abbruch tun. Dank Turboaufladung zieht der Smart Forfour wacker durch, spurtet in 12,3 Sekunden auf Tempo 100 und sägt sich von Windgeräuschen begleitet erst bei höherem Tempo in die Gehörgänge. Um das Gewicht auf der Hinterachse (Achslastverteilung 45 zu 55 Prozent) zu bändigen, mussten die Smart-Entwickler jedoch einige Kniffe anwenden: Geht der Fahrer Kurven überambitioniert an, bremst ihn das ESP rigoros ein. Beim doppelten Spurwechsel kann der Wagen trotzdem mal quer kommen. Dafür verzögert er im Ernstfall mit den kräftigsten Bremsen, die selbst bei hoher Belastung nicht nachlassen.

Gute Serienausstattung im Renault
Der spürbar härter gefederte Twingo drängt beim Wedeln nicht ganz so vehement mit der Hinterachse, widersetzt sich sportlichen Ambitionen jedoch mit ähnlich hecklastigem Fahrverhalten und einer ebenso sterilen Lenkung. Kein Wunder, schließlich teilt er sich einen Großteil der Technik mit dem Smart Forfour, inklusive des wuseligen 90-PS-Turbos. Dank größerem Serien-Tank müssen Twingo-Besitzer jedoch seltener Sprit zapfen. Dafür leistet sich der Renault karosserieseitige Extravaganzen: Seine Fond-Türgriffe versteckt er im Fensterrahmen und macht den Kofferraum über die breitere Öffnung leichter zugänglich. Vorn gibt’s mehr Stauraum sowie eine Ablage, die als Umhängetasche mitgenommen werden kann – die beste Handschuhfach-Idee seit Erfindung der Akku-Taschenlampe. Auf die Drehfunktion der Rückbank muss der Twingo jedoch ebenso verzichten wie auf die hochwertigen Details des Smart Forfour: So heißt es Schwarz-Weiß-Anzeige statt buntem Bordcomputer-Display, Hartplastik statt Stoff in den Türen und Schlüsseleinsatz statt Zentralverriegelungs-Luxus beim Öffnen des Tankdeckels.Für die kleine Mühe bedankt sich der Renault mit einer deutlich besseren Serienausstattung: In der getesteten Luxe-Version ist vom beheizbaren Außenspiegel bis zum Tempomaten alles Wichtige an Bord, während im Smart Forfour Passion selbst Klimaanlage und Radio extra gehen.

Smart Forfour weniger sparsam als VW Up
Wo wir gerade in der Buchhaltung stecken: Mit 14.080 Euro kommt der gut ausgestattete High Up am teuersten, ohne dafür mit der Materialfinesse des Smart Forfour aufwarten zu können. Auch blau lackiert wirkt das viele unkaschierte Blech im Innenraum eher karg denn peppig. Immerhin kann die mit der Fahrzeugelektronik verbandelte Aufsatz-Navi Maps & More samt praktischen Online-Funktionen mit den Routenführern von Smart und Twingo mithalten.Zudem demonstriert der Up, warum sich Frontantrieb und Quermotor in den letzten Jahrzehnten bis in die Mittelklasse hochgearbeitet haben: Trotz Zwergenabmessungen bringt er seine Passagiere luftig unter und wartet mit einem Kofferraum auf, der stufenfreies Einladen mit einem großen Extrafach unter dem höhenverstellbaren Boden kombiniert. Noch deutlicher werden die Unterschiede beim Fahren: Da kein Heckmotor mittels harter Abstimmung oder ESP-Knute entschärft werden muss, darf der Up entspannt abrollen und selbst beladen ausgewogen federn.Darüber hinaus reichen ihm kleine Einschläge seiner gefühlvoll arbeitenden Lenkung, um quirlig einzulenken und Kurven leicht beherrschbar zu durchqueren. Dynamische Großtaten verhindert der zähe Dreizylinder mit 75PS, weshalb der Up die Konkurrenz ziehen lassen muss. Immerhin fährt er am sparsamsten.

Komfortabler i10 überzeugt
Als Einziger im Test besitzt der i10 einen Vierzylinder mit mehr als einem Liter Hubraum. Was nur so lange altmodisch klingt, bis man beim Tanken feststellt, dass der Sauger beim Verbrauch auf dem Niveau des leistungsmäßig vergleichbaren Turbos des Smart Forfour und Renault Twingo liegt, dabei aber wesentlich kultivierter läuft. Bis auf die mäßigen Bremsen wirkt der Hyundai überhaupt erwachsener, befördert fünf statt vier Personen, verträgt die meiste Zuladung und versenkt die hinteren Seitenscheiben, die sich sonst allenfalls aufklappen lassen. Während sich die Konkurrenz mit witzigen Ideen zu ihrer kleinwagenhaften Unvollkommenheit bekennt, hebt sich der i10 lieber mit Vollwertigkeit ab, zu der auch eine langstreckentaugliche Federung sowie bequeme Sitze mit justierbaren Kopfstützen statt Integralsesseln gehören.Dass sich der Infotainment-Luxus auf ein CD-Radio beschränkt, dürfte den meisten Interessenten hingegen egal sein, solange Hyundai bei fünf Jahren Garantie bleibt und weiterhin praxisgerechte Ausstattungspakete schnürt: So verzichtet die getestete Trend-Version auf optischen Zierrat wie Alufelgen und verwöhnt lieber mit Annehmlichkeiten wie Beheizung von Sitzen und Lenkrad. Mit seinen 12.120 Euro ist das beste Auto in diesem Test daher gleichzeitig auch das günstigste.

Smart Forfour und Renault in Guldes Connectivity Check
Auch beim Infotainment teilen sich der Smart Forfour und Renault Twingo einen Großteil der Technik. Wer sich statt eines einfachen Radios für das Bildschirmgerät entscheidet, erhält einen kontrastreichen und sensibel reagierenden Sieben-Zoll-Touchscreen nebst eingebautem UKW-Tuner sowie ein Navigationsgerät von TomTom. Dessen Sprachsteuerung konnte beim Test jedoch nicht überzeugen, da sie Adresseingaben nur nach einem bestimmten, vorgegebenen Muster akzeptierte und wegen der hohen Umgebungsgeräusche während der Fahrt trotzdem oft nicht verstand.Dafür empfängt der Routenführer mit seiner eingebauten SIM-Karte Online-Staudienste, ohne dass ein Handy als Datenmodem angekoppelt werden muss. Weitere TomTom-Dienste wie Wettervorhersagen oder Blitzer-Warnhinweise sind ebenfalls an Bord. Beim Twingo kommen noch Apps aus dem Renault-eigenen R-Link-Store (Nachrichten, soziale Medien, zusätzliche Länder für die Navigation) hinzu, die zum Teil extra kosten.Dass es keinen CD-Player mehr gibt, dürfte bei der jüngeren Zielgruppe keine Panik auslösen, schließlich nehmen die Media-Systeme Musik vom per Bluetooth gekoppelten Smartphone oder über die USB-Schnittstelle entgegen und lassen sich um einen Digitalradio-Tuner erweitern. Smart verlangt 600 Euro für das Bildschirm-Radio, das bei Renault im "Techno-Paket" mit besseren Lautsprechern und einer Rückfahrkamera 990 Euro Aufpreis kostet. Ärgerlich: Wer einen günstigen Basis-Twingo mit dem Infotainment-Paket aufpeppen will schaut in die Röhre. Das Techno-Paket steht nur Käufern der Topversion Luxe zur Wahl.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-02-04

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