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Testbericht

11. Oktober 2016
Wenn eines schönen Tages ein neuer, sagen wir, Toyota Avensis vorgestellt wird, kommt dann einer und sagt: "Oh weh! Schau, sie haben die Bedienung umgeräumt, und er hat einen anderen Motor. Herrjemine, ist das noch ein echter Toyota?“? Nein. Aber bei anderen Marken – Porsche, Citroën oder eben Volvo – wird immer dieses Ist-das-noch-ein-echter-Gewese angestimmt. Aber nicht hier, denn das ist vorhersehbar sowie langweilig. Außerdem haben wir das Gezeter schon letztes Jahr beim XC90 veranstaltet. Wie der basiert der S90 auf der skalierbaren Produktarchitektur (SPA) – ein Begriff, der klingt, als sei er aus einer Powerpoint-Präsentation ausgerissen. Jedenfalls geht SPA weit über all das Längs- und Quermodulieren andere Hersteller hinaus. So gibt es für alle Modelle vom künftigen S/V/XC60 aufwärts neben einem Fahrwerk ein einheitliches Infotainment und nur einen Motor – einen Zweiliter, als Diesel und Benziner.

Kurz von Internet bis Amazon
Zu alldem kommen wir gleich. Zuvor muss so viel Traditionspflege sein: Es gab schon einmal einen Volvo S90 – 1996 bis 1998 als letzte Evolution des 960. Von dem übernahmen die Techniker übrigens die Idee der Hinterachse mit Querblattfeder aus Verbundwerkstoff für die Skaliermodelle. Bei denen gibt Volvo stilistisch und technisch Gewohntes auf, aber keine Traditionen. Volldigitale Instrumente sind nun erhältlich oder iPad-Halter im Fond. Aber, weil Volvo Volvo ist, eben auch Schmutzfänger. Beim Einsteigen siehst du die Schwedenflaggen an den Sitzwangen, beim Anschnallen an den Gurtzungen das eingravierte "1959“ – als Erinnerung daran, dass Volvo-Ingenieur Nils Bohlin den Dreipunktgurt erfand, der da in 544 und Amazon in Serie ging.Sollte der Gurt einst die Folgen eines Unfalls verringern, so dürfte es heute mit dem S90 Mühe bereiten, überhaupt zu verunfallen. Serienmäßig bringt er ein Assistenzarsenal mit, das zu den umfassendsten derzeit zählt: So ermöglicht Pilot Assist II – die Kombination aus Abstandstempomat und der aktiven Lenkunterstützung des Spurhalteassistenten – teilautonomes Fahren. Natürlich ist das Notbremssystem City Safety an Bord, das neben Fußgängern, Radfahrern und Autos nun auch Wildschweine, Hirsche, Elche, Kühe und Pferde erkennt, beim Linksabbiegen aufpasst und bis zu einer Tempodifferenz von 50 km/h durch eine Notbremsung einen Unfall vermeiden kann. Dann hätten wir da noch: Totwinkelwarner, Spurhalteassistent, Abstandswarner, Tempolimiterkennung, präventives Gurtstraffen und Fahrbahnranderkennung. Sollte der S90 dennoch von der Straße abkommen und im Graben laden, dämpfen Deformationselemente in den Gestellen der Vordersitze den Aufprall. Die Sicherheitszelle besteht aus warm geformtem Borstahl, dem härtesten Stahl, der im Fahrzeugbau Verwendung findet.

Interieur sorgt für heimisches Wohlbefinden
Drinnen möbliert sich der S90 in dieser schlicht-schönen skandinavischen Eleganz, die auch den XC90 prägt und in der man sich fast geniert, etwas herumliegen zu lassen. Auf der kuscheligen Rückbank reicht der Raum selbst für Große gut aus, ohne dass es dafür die Normsitzweiten eines Skoda Superb (820 mm) bräuchte (S90: 760 mm). Pilot und Co integriert der S90 tief auf enorm bequemen Ledersesseln. Alles so heimelig, du würdest dich nicht mal wundern, im Handschuhfach ein kleines Kaminfeuer vorzufinden, das er für dich entzündet hat. Und dann sitzt du drin, siehst, wie die Leute um dich herum den S90, ja, tatsächlich, bestaunen. Du schaust auf dieses prächtige Cockpit, freust dich auf jede Stunde, die du hier verbringen wirst. Darauf, deine Lieblingssongs im Soundsystem abzuspielen (wenn du das mit der Bedienung mal draufhast). Es kann die Akustik des Konserthuset von Göteborg nachahmen. Andere hätten es nicht unter dem Sydney Opera House oder der New Yorker Metropolitan Opera gemacht. Volvo nimmt die Konzerthalle von Göteborg, die nur 1.247 Plätze hat. Wie lässig ist das denn? Allein dafür muss man den S90 mögen.Einst war Trutzigkeit das charakteristische Merkmal eines Volvo – eines Autos, mit dem du am liebsten durch Starkregen und Schneestürme fuhrst. Der S90 hat das noch, bereichert es aber um ein neues Gefühl: Er will, dass du dich daheim fühlst, dich an ihm freust. Das beherrscht er, so wie ein BMW Dreier Handling beherrscht, eine E-Klasse Komfort oder ein Audi kühle Perfektion. Und deswegen sind alles, was an kleinen Mäkeleien folgt, nur kleine Mäkelei an einem großen Volvo.

D5: einer für alle, zwei für einen
Die Varianten des Startprozederes hat Volvo ja nun um einen Drehknopf bereichert. Nach rechts schnipsen, und tief im Gewölbe vor der Borstahlzelle grummelt der Motor los. Der 1.969 cm³ große Vierzylinder tritt hier in seiner stärksten Dieselversion an: direkteinspritzend mit 2.500 bar, aufgeladen mit zwei Turbos, denen ein Druckluftspeicher die Anlaufflaute im ersten und zweiten Gang wegpusten soll, und wie in allen Varianten verkuppelt mit einer Achtstufenautomatik.Viele betrauern ja das Ende der Fünf-, Sechs- und Achtzylinder-Tradition bei Volvo. Dabei hatten die Schweden selten ein so zeitgemäßes Triebwerk wie den neuen Zweiliter-Diesel. Der braucht trotz des Druckspeichers kurz, bevor er wuchtig loslegt. Viel drehen muss er nicht, bei 480 Nm, in deren Wirkungsbereich ihn die sanfte, nicht übereifrige Automatik hält. Bei eiligerer Fahrt gerät sie in Hektik, der Motor nagelt kräftiger. Aber so richtig viel kriegt man sonst gar nicht mit vom Motor, der den S90 effizient (7,7 l/100 km), druckvoll und leise vorantreibt. Bei hohem Tempo hörst du nur, wie der Wind über die Karosserie fächelt. Wo gerade alles so im Fluss ist, probieren wir das teilautonome Fahren aus. Das gelingt bis 140 km/h, aber nur bei guten Bedingungen, etwas stärkerer Regen genügt mitunter, um die Radareinheit und die Kamera zu blockieren. Ansonsten funktioniert das System schnell und so leicht wie ein Abstandstempomat. Der Fahrer muss nur eine Hand aufs Lenkrad legen, der S90 kümmert sich um Abstand, Bremsen, Beschleunigen, Spurhalten – tändelt dabei aber etwas auf seiner Spur. Zum Nutzen des Systems zitieren wir den verehrten Kollegen Klaus Westrup, der zu einem anderen Thema der Sicherheit einmal bemerkte: "Wir brauchen es nicht, aber für viele andere Fahrer wäre es gut.“

Komfortables Fahrgefühl im S90
Wir biegen lieber auf die Landstraße ab, um festzustellen, dass sich der S90 trotz elektronisch simuliertem Torque Vectoring entspannt mit Kurven beschäftigt. Er durchfährt sie für sein hohes Gewicht ganz behände und mit ausreichend Präzision und Rückmeldung in der Lenkung, bleibt neutral bis sacht untersteuernd, vor allem immer sicher. Am Kurvenausgang stemmt er sich mit Allrad (Serie bei D5) gripstark hinaus. Dann leitet die elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung von Borg Warner bis zu 50 Prozent der Kraft nach hinten.Es gibt eine Dynamikkennlinie für Lenkung, Antrieb und Fahrwerk, die man einmal ausprobiert, um dann festzustellen, dass es im Comfort-Modus besser passt. Da spricht die adaptive Luftfederung zusammen mit den 20-Zoll-Rädern (sparen Sie sich die 1.790 Euro) straff auf kurze Wellen an. Beladen aber kommt der Volvo nur auf miesen Strecken ins Rumpeln, steckt lange Wellen gut weg.Das passt zum komfortablen, sicheren, angenehm entspannten S90. Der positioniert sich als feine Alternative zu A6, 5er und E-Klasse. Er ist – das muss nun doch noch sein – kein typischer Volvo von früher mehr, sondern ein echter für heute.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-10-11

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