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Testbericht

27. Dezember 2007
Caterham (England), 27. Dezember 2007 – Eigentlich müsste uns jede Bodenwelle bestrafen. Jeden Kieselstein sehen wir schon aus großer Entfernung auf der Straße liegen. Wir erwarten, dass das Rad über dieses kleine Hindernis kracht und wir bis zu unseren Halswirbeln durchgeschüttelt werden. Aber nichts dergleichen passiert in diesen weniger als vier Sekunden. Dann steht die Tachonadel auf der Hundert und wir begreifen langsam: Wir sind in einer ganz neuen Dimension von Fahrzeugen unterwegs, die sich am legendären Lotus 7 orientieren. Der Caterham CSR200 ist eine total verrückte Mischung aus Komfort und renntauglicher Straßenlage, genau das Richtige für das Flagschiff eines Fahrzeugherstellers. Echtes Seven-Design Als Caterham 1973 die Rechte an Colin Chapmans Lotus 7 übernahm, war der Weg der kleinen britischen Sportwagenschmiede vorgezeichnet: Ab jetzt wird Geld mit würdigen Nachfolgern eines Wagens verdient, der wie kein anderer Fahrerlebnisse in Reinstform in Geist und Körper transportierte. Der Lotus 7 sollte einfach nicht sterben und Caterham ist seit den frühen 70ern der renommierteste, ernsthafteste und teuerste Erbe dieser Legende. So ist man dem originalen Seven-Design eng verpflichtet, mag sich aber technischen Neuerungen nicht komplett verschließen. Der klassische Lotus-Style ist natürlich noch da: flacher kurzer Körper mit langer schmaler Haube, offen liegende Vorderräder, aufgesteckte Rundscheinwerfer, zwei Sitze und ein Notverdeck. Die Zeit läuft weiter Aber der Caterham CSR200 musste sich auch ein paar Änderungen gefallen lassen, die den einen oder anderen hartgesottenen Seven-Fan in einen Zwiespalt stürzen werden. Als Erstes sind da die verdeckten Stoßdämpfer zu nennen. Der Laie beachtet es gar nicht, der Fan braucht es: die sichtbare Feder-Dämpfer-Kombination unmittelbar an der Radaufhängung. Caterham hat diese beim CSR200 ins Innere des Vorderwagens verlegt, nur das Gestänge der Radaufhängung ist noch zu sehen. Neben leichten aerodynamischen Vorteilen soll dies vor allen Dingen einen besseren Federungskomfort zur Folge haben. Und dies bei einer Fahrzeuggattung, die von fehlendem Komfort lebt. Lange Aufenthalte im Windkanal ziehen noch zwei kleine Modifikationen nach sich: Zum einen sind die Kotflügel der Vorderräder abgeplattet, zum anderen sind die Kunstleder-Türen nach außen ein wenig ausgebeult, was einen nicht zu unterschätzenden Vorteil mit sich bringt.

Die kleinen Annehmlichkeiten Die Türbeule nach außen gibt Fahrer und Beifahrer ein wunderbares Gefühl: Genau in der richtigen Höhe kann man den jeweiligen Arm auf den Fahrzeugrand in die Kuhle der Tür legen. So wie ein Manta-Fahrer seinen Ellenbogen aus dem Seitenfenster schiebt, nur eben schön versteckt in der Tür. Der Verschlussmechanismus ist aufwendiger als beispielsweise beim Westfield, wo nur ein Lederriemchen mit Druckknopf zum Einsatz kommt. Beim Caterham klappt eine Art Scharnier mit Druckknopf über die Türschwelle, zusätzlich rastet ebenfalls ein am Lederriemen befestigter Druckknopf ein. Und noch was hebt den CSR200 von Westfield-Modellen ab: Er hat zwei winzige, offene Ablagen in der Mittelkonsole. Dort liegen Gegenstände von der Größe eines Handys oder Fotoapparates sicher. Die CSR-Modelle von Caterham haben eine weitere Art Luxus-Schmankerl zu bieten: Ein echter Blinkhebel wartet auf Betätigung. Bei klassischen Seven-Style-Cars muss ein Kippschalter rechts neben dem Lenkrad umgelegt werden. Der Caterham-Blinker erstaunt mit einem lauthalsen Fiep-Ton. Da der Hebel nach dem Abbiegen nicht von selbst wieder in die Ausgangsstellung zurückkehrt, erinnert dies den Fahrer ständig daran, das Blinklicht wieder zu löschen. Endlich wieder Sitzen Caterham verpasst der CSR-Reihe weiche Armaturenbretter. Puristen ist dies natürlich viel zu süßlich, aber schlecht sehen die Wagen damit nicht aus. Und noch was ist genau richtig: So klein, wie der Caterham wirkt, die Sitze bieten bequemen Platz. Dies gilt sowohl für die Länge der Sitzfläche als auch für deren Breite und den Polsterungskomfort. Dies ist in der harten Welt der Seven-Style-Cars beileibe keine Selbstverständlichkeit. Gestühl, welches aus Hartplastik besteht, und das Becken wie mit einer Kneifzange einpresst, haben wir auch schon kennengelernt. Die straffen Vierpunkt-Hosenträger-Gurte nehmen uns unnötige Bewegungsfreiheit, und auch lange Beine lassen sich komplett im Fußraum ausstrecken – in welchen Autos geht das schon? Allerdings bringt, wie beim Westfield, auch beim Caterham der sich nach vorne verjüngende Raum eng beieinander liegende Pedale mit sich.

Leicht und steif Der Caterham CSR200 wiegt gerade mal 575 Kilogramm, kann sich also zur Kategorie der „Half-Ton-Vehicles“ zählen. Zudem basiert der Sportwagen auf einem steifen Gitterrohrrahmen. Leichte Fahrzeuge mit Gitterrohrrahmen haben beim Crash gute Karten. Um in Frankreich Fahrzeuge anbieten zu können, musste Caterham Crashtests absolvieren. Dies hat die kleine Manufaktur zirka 75.000 Euro gekostet, Geld, welches die 80 im Jahr in Frankreich verkauften Caterhams nicht so schnell wieder reinholen werden. Aber da das Crashtest-Ergebnis exzellent war – beachtlich für ein Auto ohne Dach, echte Türen und Airbags – hilft es der Marke Caterham weltweit. Es ist nicht zu fassen Caterhams Wahlspruch lautet: „Designed for Racing, built for Living”. Irgendwie müssen die Jungs also Renn- und Alltagstauglichkeit unter einen Hut kriegen. Und beim Fahrwerk ist ihnen, wie eingangs schon angedeutet, ein Wunder gelungen. In der Kurve wird der Wagen zum Gedicht. Auch wer noch so einen zartfühlenden Fahrerkörper sein Eigen nennt, Kurvenwanken wird er nicht feststellen. Jede noch so enge Biege nehmen wir mit einer gehörigen Portion Schwung, seitliches Abkippen ist einfach nicht drin. Trotzdem merken wir Schlaglöcher oder Risse im Teer kaum. Das Fahrwerk ist eines der besten, das wir je unter dem Hintern hatten. Wann wachen wir endlich auf? Schnelle Gerade und auch sonst: Üben Das kleine Lenkrad reagiert auf jede noch so winzige Gefühlsregung des Fahrers. Eine viertel Umdrehung und der Wagen schießt direkt um Kurven, die sich stärker als 90 Grad biegen. Mit Leichtigkeit geht hier das normale Rollen in den Drift über. Aber der Drift wirkt leicht und ist gut zu kontrollieren. Wieder erweist sich das geringe Gewicht des Caterham als Vorteil. Beim Bremsen müssen wir kräftig zutreten, werden dann aber mit blockadefreier, gleichmäßiger und kräftiger Verzögerung belohnt. Trotzdem: ABS, ESP und Airbags sind nicht an Bord. Erfahrung und Weitblick sind leichter und müssen als Ersatz herhalten. Und auf der Geraden versucht der Wagen bei hohen Geschwindigkeiten ganz leicht zu schwimmen. Unebenheiten ziehen unseren CSR in den Bann. Hier ist geübtes, sehr feinfühliges Gegensteuern gefragt – was wir nach 15 Minuten drauf haben.

200 PS für 575 Kilogramm Der CSR200 ist mit einem 2,3-Liter-Ford-Cosworth-Duratec-Motor unterwegs. Dieser leistet sich 200 PS bei 7.000 U/min. Für einen 575 Kilogramm schweren Wagen heißt das: Es müssen 3,7 Sekunden vergehen, dann ist Tempo 100 erreicht. Insgesamt wird das leichte Sportgerät bis zu 225 km/h schnell. Dabei zieht ein Sound durch den Wind, von dem wir nicht genug bekommen. Reichhaltig und in kurzen Bögen aufbauend knallt der Caterham sein Lied durch die Landschaft. Dabei hängt das Triebwerk so direkt und heftig am Gas, als wenn wir per Hand direkt die Drosselklappe aufreißen würden. Wer sich ein wenig hinter die beheizbare Frontscheibe duckt, bleibt halbwegs vom Wind verschont – wer so irre ist, die Seitentüren abzubauen, sollte unter 80 km/h bleiben oder die Windmaschine des Eurovision Song Contest in ihrer durchgeknallten Form lieben. Kurze Renn-Abstufung Dass Caterham die Fahrzeuge direkt für die Rennpiste abstimmt, merken wir auch beim Getriebe. Zum einen ist das Zahngerät ein Caterham-Eigengewächs – eine Novität in der von Fremdzulieferern dominierten Kit-Car-Industrie – zum anderen ist es auffällig kurz übersetzt. Bereits nach einem kurzen Gasstoß ist der folgende Gang angesagt. Allerdings kann man als nicht in Rennmanier fahrender Normalbürger auch äußerst schaltfaul zu Werke gehen, die Getriebeabstufung gibt sich da tolerant. Aber das Schalten in einem Caterham erfüllt uns mit Wohlbefinden. Der runde Metall-Schaltknauf mit „Caterham“-Gravur liegt gut in der Hand und muss fest gezogen werden, wobei es nur selten zu Haklern kommt. Vor einer Tatsache können wir die Augen nicht verschließen: Der Wagen ist kein Traum – er ist Realität.
Technische Daten
Antrieb:Heckantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Reihen-Ottomotor, Ford Cosworth Duratec
Hubraum:2.261
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:147 kW (200 PS) bei UPM
Drehmoment:221 Nm bei 5.750 UPM
Preis
Neupreis: 56.600 € (Stand: September 2007)
Fazit
Der Caterham CSR200 ist das Seven-Style-Car für Leute, die es geschafft haben. Der ungewöhnlich hohe Preis von 56.600 Euro wird mit einer für Lotus-7-Autos enorm komfortablen Federung ohne Abstriche bei der Renntauglichkeit vergolten. „You pay your money, you make your choice” sagt uns David Ridley, Export Sales Manager bei Caterham. Und das Geld bleibt. Caterham-Fahrzeuge haben sich als äußerst resistent gegen Wertverluste erwiesen. Ein 575-Kilogramm-Auto braucht sicher keine 200 PS, das weiß man bei Caterham und das wissen auch die Kunden. Aber genauso wissen alle, dass das unheimlich Spaß macht. 100-prozentiges Spaßdestillat. Sie wissen schon – man muss es probiert haben.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2007-12-27

Getestete Modelle
Für diesen Testbericht sind keine passenden Modelle vorhanden.
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