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Testbericht

4. November 2003
Malaga, 24. Oktober 2003 – Mit dem X3 hat BMW nach eigener Einschätzung das erste Premium-Sports Activity Vehicle (SAV) in der Mittelklasse auf die Räder gestellt. Doch was ist ein SAV? Lassen wir uns aufklären: Es ist ein Geländewagen, bei dem nicht die Nutzung in schwerem Gelände im Vordergrund steht, wie bei SUVs (Sports Utility Vehicles).

Beim SAV geht es vielmehr um sichere Fahreigenschaften bei schlechtem Wetter und auf schlechten Straßen und um einen gewissen Spaßfaktor durch Sportlichkeit und Transportkapazität. Und dies alles bei PKW-ähnlichen Fahreigenschaften. Dass es BMW gelungen ist, ein – wenn auch recht teures – Spitzenprodukt dieser Gattung zu bauen, lesen Sie in unserem Test des X3 3.0i.

Kompakt und doch eindrucksvoll Das Kürzel X3 lässt vermuten, dass der neue kleine Geländewagen von BMW auf der 3er-Modellreihe basiert. Er ist jedoch ein vollkommen eigenständiges Modell.

Zehn Zentimeter kürzer als der X5 Die Länge des X3 beträgt 4,57 Meter. Damit ist er 8,7 Zentimeter länger als ein 3er touring, aber zehn Zentimeter kürzer als der soeben überarbeitete X5. Die Familienähnlichkeit zu den beiden BMW-Modellen ist nicht zu übersehen, dennoch kann den BMW-Designern bescheinigt werden, dass sie ein nonkonformistisches Auto geschaffen haben.

Vorne viel Platz Das Platzangebot auf den straffen aber bequemen Vordersitzen ist sehr gut. In schnell gefahrenen Kurven könnte der Seitenhalt ein wenig besser sein – und mit dem X3 kann man Kurven ziemlich schnell umrunden.

Für große Fahrer ist die Beinauflage etwas kurz. Die Sportsitze mit verstellbarer Oberschenkel-Auflage sind beim X3 daher auf jeden Fall die bessere Wahl. Wenn die vorne Sitzenden ihr Gestühl ganz nach hinten schieben, wird der Knieraum für die Rückbank-Passagiere etwas knapp.

Sportliches Cockpit Das Armaturenbrett und die sportlichen Instrumente sind absolut hochwertig. So schick hat das Cockpit bisher kein anderer Hersteller von SAVs in dieser Fahrzeugklasse hinbekommen. Auch ohne das aus Fünfer und Siebener bekannte iDrive-Bedienkonzept ist der X3 prima zu handhaben

Kofferraum größer als im X5 Das Gepäckabteil offeriert 15 Liter mehr Volumen als beim X5: 480 Liter stehen zur Verfügung. Durch Vorklappen der Rücksitzlehnen entsteht ein Stauraum von 1.560 Litern in Form einer durchgehenden, ebenen Ladefläche.

Gegen Aufpreis gibt es zwei Befestigungsschienen mit vier verschiebbaren Ösen im Ladeboden. Damit können mit weiterem Zubehör bis zu drei Mountainbikes oder anderes Transportgut sicher verstaut werden.

In 7,8 Sekunden auf Hundert Unser Testwagen war mit dem Dreiliter-Sechszylinder-Benziner ausgestattet. Der 231 PS starke X3 3.0i spurtet in 7,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Das ist nicht nur für einen Geländewagen imposant! Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 210 km/h abgeregelt.

Der Verbrauch wird von BMW mit 11,4 Litern auf 100 km/h angegeben. Bei unserer Vollgas-Testfahrt zeigte der Bordcomputer allerdings einen um mehrere Liter höheren Verbrauch an.

Turbinenartige Leistungsentfaltung Die Leistungsentfaltung des Reihensechszylinders erfolgt seidenweich, fast turbinenartig. Der Sound im Inneren des Wagens ist leise, aber immer präsent – schlicht der Klang eines sportlichen Reisefahrzeugs.

Die Fünfgang-Automatik, mit der unser Testwagen ausgestattet war, schaltet perfekt. Besonders im S-Modus (S = Sport) passt sich die adaptive Getriebe-Steuerung einem sportlich schnellen Fahrstil hervorragend an und schaltet beim Bremsen vor Kurven im richtigen Moment herunter.

Komfortables Fahrwerk Das Fahrwerk des X3 ist komfortabel abgestimmt. Der Fahrbahnkontakt ist zwar da, aber Stöße und Wellen werden weggefedert. Die Aussage eines großen deutschen Auto-Magazins, Querfugen würden nicht weggeschluckt, können wir nicht nachvollziehen.

Lenkung: Direkt und leichtgängig Im X3 bietet BMW die Aktivlenkung des neuen Fünfers nicht an. Das ist auch nicht nötig, denn die Servolenkung ist direkt und leichtgängig. Nicht zuletzt deswegen kommt PKW-Fahrspaß auf und man genehmigt sich ziemlich hohe Kurven-Geschwindigkeiten. Die Bremsen verkraften das klaglos: Sie packen kräftig zu und sind gut dosierbar.

Mit xDrive ins Gelände Wir konnten xDrive auch im Gelände testen: An einer feuchten lehmigen Steigung zog der X3 unbeirrbar aus dem Stand hoch wie ein Esel. Denselben Pfad bergab meisterte der BMW ebenfalls: Nach Drücken der "HDC"-Taste (Hill Descent Control) fuhr der X3 ohne Betätigung des Brems- und Gaspedal selbsttätig den Berg hinab.

Mit HDC den Berg hinab Im HDC-Modus wählt das System eine konstante Geschwindigkeit von 8 km/h, die sich mit den Tempomat-Tasten im Lenkrad zwischen 6 und 25 km/h variieren läßt. Da kann der nächste Winter getrost kommen und X3-Eigner dürfen sich schon auf Fahrten ins bergige Hinterland freuen.

Umfangreiche Ausstattung Die serienmäßige Ausstattung des BMW X3 ist recht hoch. Sie umfasst ein Car-And-Key-Memory, elektrische Fensterheber, eine Klimaanlage, ein Lederlenkrad, ein CD-Radio und vieles mehr.

Gegen Aufpreis gibt es insbesondere ein besonders großes Panoramadach und das adaptive Kurvenlicht. Das optionale Navigationssystem nutzt eine schnelle DVD als Datenträger. Das Autotelefon kann mit Bluetooth-Technologie geordert werden, die die Verbindung zum Handy in der Jackentasche herstellt.

Empfehlenswert: Das Sportpaket Das interessanteste Extra ist aber zweifellos das Sportpaket. Wir sind zusätzlich zu dem normalen X3 auch eine Sportversion mit manueller Sechsgang-Schaltung gefahren. Die zeichnete sich durch gute Erreichbarkeit, geringen Kraftaufwand, kurze Schaltwege und gute Übergänge aus.

Trotz sportlicher Fahrwerksabstimmung ist die Federung nur geringfügig härter als beim komfortablen Normalfahrwerk. Schlechte Straßen machen sich allerdings bemerkbar. Dazu tragen sicherlich auch die breiteren Reifen bei.

224 km/h mit V-Bereifung Dieser Testwagen war mit der noch mal 400 Euro teureren Mischbereifung versehen. Die vorderen 18-Zoll-Pneus haben die Dimension 235/50 und die hinteren das Format 255/45. Damit kann man nicht nur Kurven noch schneller umrunden, ja man meint, der X3 klebt förmlich auf der Straße. Außerdem steigt die freigegebene Höchstgeschwindigkeit wegen der V-Reifen, die immer beim Sportpaket dabei sind, auf 224 km/h an.

Die Mischbereifung zusammen mit dem 2.000-Euro-Sportpaket ist für sportliche Fahrer sicherlich die erste Wahl. Beim Getriebe würden wir uns auf jeden Fall für die Automatik entscheiden, da sie sportlich schaltet und "mitdenkt". Außerdem ist das Fahren im Gelände damit besser zu bewerkstelligen.
Technische Daten
Motor Bauart:Reihen-Sechszylinder, vier Ventile pro Zylinder
Hubraum:2.979
Leistung:170 kW (231 PS) bei UPM
Drehmoment:300 Nm bei 3.500 UPM
Preis
Neupreis: 40.300 € (Stand: Okt. 2003)
Fazit
An dem neuen BMW X3 gefällt uns, dass er kompakt und übersichtlich ist. Die Kofferraumgröße und das Platzangebot vorne können überzeugen. Hinten ist der Platz ausreichend. Wer ständig die Schwiegereltern mitnehmen muss, sollte zum größeren X5 greifen.

Die Straßenlage ist extrem gut, die Lenkung sportlich direkt. Der Dreiliter-Benziner ist spritzig. xDrive und die Elektronik wie ABS und DSC sorgen für sicheres Umrunden von Kurven. Die Fahrbahnhaftung des X3 ist nahezu phänomenal. Er liegt wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße. Fahrfehler werden großzügig verziehen – auch wenn man es einmal zu übermütig angegangen ist und sogar, wenn man mutwillig zu schnell in eine Kurve fährt und dann erst abbremst.

Zu kritisieren gibt es allenfalls den etwas geringen Fußraum der Heckpassagiere unter den Vordersitzen.

Der X3 3.0i ist ein schicker Trendsetter, der Racer unter den SAVs und er ist nahezu perfekt gemacht. Wenn er nur nicht so teuer wäre. Immerhin kostet ein X3 3.0i mit Sportpaket, Mischbereifung, Park Distance Control, Navigation und Ledersitzen über 48.000 Euro. (Der X3 3.0d kostet das gleiche.) Von anderen Annehmlichkeiten wie dem Panoramadach ganz abgesehen.

Wer einen preiswerteren X3 möchte, muss bis April 2004 warten, dann kommt der kleine Sechszylinder 2.5i. Echte Sparfüchse brauchen noch mehr Geduld: Der Vierzylinder X3 1.8i und entsprechende Dieselversionen lassen noch über ein Jahr bis Ende 2004 / Anfang 2005 auf sich warten. (ph)

Quelle: auto-news, 2003-11-04

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