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Testbericht

Elfriede Munsch/SP-X, 23. November 2016

Der kleine, schon etwas in die Jahre gekommene Fiat 500 muss jetzt ganz stark sein: Seine Stellung als das Frauenauto der italienischen Marke ist in Gefahr. Die Bedrohung kommt nicht von außerhalb, sondern aus den eigenen Reihen. Der seit Anfang Juli und zu Preisen ab 23.990 Euro erhältliche Fiat 124 Spider schickt sich an, die Frauen-Versteher-Position einzunehmen.

Anders als der Cinquecento spielt der Spider nicht die „ach, wie süß“-Karte aus, sondern setzt beim ersten Kennenlernen auf seinen durchtrainierten Körper. Sein wohlgeformtes und muskulös gezeichnetes Blechkleid entspricht den klassischen Normen eines offenen Zweisitzers. Auch wenn das Fahrzeug mit einer Länge von 4,06 Metern kein Riese ist, riskiert frau doch gerne einen zweiten und dritten Blick auf seine lange Schnauze, die niedrige Dachlinie und das markante Hinterteil. Wenn wie bei unserem Testauto in der Lusso-Ausstattung (ab 26.490 Euro) noch schicke 17-Zoll-Leichtmetallfelgen die Augen erfreuen, umso besser. Dass der kleine Sportwagen eng mit dem Mazda MX5 verwandt ist, sieht man ihm nur bedingt an.

Doch der rassige Italiener will nicht nur mit seiner Optik überzeugen. Unter der langen Motorhaube kommt ein 1,4-Liter-Benziner mit 103 kW/140 PS zum Einsatz. Anders als die japanischen Kollegen setzen die Fiat-Ingenieure nicht auf Saugmotoren, sondern auf Turbounterstützung. Und der kleine Turbo stellt schon bei zarten Gaspedaldruck sein Temperament unter Beweis. Flankiert wird seine Lebhaftigkeit durch einen sonoren Sound, der bei der Lusso-Version der serienmäßigen Doppel-Auspuffanlage entweicht. Dabei macht der Spider nicht auf dicke Hose, verspricht also akustisch nicht, was er motorisch nicht halten kann. Im Gegenteil: Der Turbo hat leichtes Spiel – buchstäblich, es müssen ja auch nur 1.125 Kilogramm Leergewicht in Bewegung gebracht werden.
So fühlen sich die 140 PS auch nach deutlich mehr Leistung an. Der Motor dreht willig hoch. Das knackige Sechsgang-Getriebe animiert zum Schalten, so dass die 240 Nm passgenau abgerufen werden können. Bei herbstlichen Schmuddelwetter mit viel Regen und Graupelschauern sowie nassem Laub auf den Straßen haben wir seine Kurvenräubereigenschaften, die unter anderem auf seinem Hinterradantrieb und niedrigem Schwerpunkt fußt, nur bedingt erfahren können. In den wenigen trockenen Teststunden machte der Spider bei kurvigen Ausfahrten einfach nur gute Laune. Er liegt satt auf der Straße und so schnell lässt er sich und Fahrer nicht aus der Ruhe bringen. Auch der Blick auf die Tanknadel treibt den Puls nicht in die Höhe. Den Normwert von 6,4 Litern überboten wir zwar, aber 7,5 Liter gehen für ein solches Spaßmobil durchaus in Ordnung. Theoretisch schafft man auf der Autobahn die Spitzengeschwindigkeit von 217 km/h, in der Schlechtwetter-Praxis, haben wir auf das Erfahren der Höchstgeschwindigkeit verzichtet.

Apropos Regen: Das Verdeck zeigte sich von den Regengüssen unbeeindruckt. Es blieb immer dicht. Gerade bei schlechtem Wetter konnte seine einfache manuelle Bedienung punkten. Öffnen und Schließen erfolgt ganz traditionell per Hand. Einfach Entriegeln, Stoffmütze nach hinten werfen und dann ein kurzer Druck, um sie in ihrer Vertiefung zu fixieren. Und wenn es wieder anfängt zu tröpfeln? Das Schließen des Verdecks geschieht fast genauso schnell. So ließen sich die wenigen Sonnenscheinminuten unkompliziert nutzen.

Aber nicht alles ist eitler Sonnenschein beim Spider. Das merken besonders Menschen, die länger als 1,85 Meter sind. Die Kopffreiheit endet hier bei geschlossenem Dach sehr schnell. Zudem sind die Sitzschienen bauartbedingt nicht sehr groß, so dass lange Beine gestaucht werden. Im Vorteil sind eindeutig kürzere Fahrer und Beifahrer. Doch auch diese benötigen geschmeidige Gelenke und am besten noch einen Pilates-Kurs, um nicht auf die Sitze zu plumpsen. Nicht nur der Platz für die Passagiere ist eingeschränkt. Ablagen sind rar. Eine größere Handtasche muss bei Zweiernutzung ins Gepäckteil. Das fasst immerhin 140 Liter. Einkäufe aus dem Supermarkt verstaut man aber am besten lose darin, um sie erst zuhause in eine Transportbox umzuladen.

Egal, ob Regen oder Sonnenschein – der Fiat 124 Spider macht gute Laune. Dazu trägt auch in der Lusso-Ausstattung auch das schön gestaltete Interieur bei. Das Armaturenbrett in Lederoptik wirkt edel, dazu gibt es Ledersitze und die Klimaautomatik sorgt für angenehme Temperaturen. Für weitere Individualisierungswünsche bietet Fiat noch LED-Scheinwerfer an (im Paket mit Kurvenlicht: 1.500 Euro, Navigationssystem mit Rückfahrkamera (1.000 Euro) oder ein Bose-Soundsystem (700 Euro). Wer den rassigen Italiener in einem schicken Metallic-Farbton sein eigen nennen will, muss 520 Euro investieren. Aber gutes Aussehen gehört beim Spider ja schließlich unbedingt dazu.

Fiat 124 Spider – Technische Daten:

Zweitüriger, zweisitziger Roadster; Länge: 4,06 Meter, Breite: 1,74 Meter (1,93 Meter mit Außenspiegeln), Höhe: 1,23 Meter, Radstand: 2,31 Meter, Kofferraumvolumen: 140 Liter
 
Antrieb
1,4-Liter-Turbo-Benzinmotor, 103 kW/140 PS, Sechsgang-Getriebe, Hinterradantrieb, maximales Drehmoment: 240 Nm bei 2.250 U/min, 0-100 km/h: 7,5 s, Vmax: 217 km/h, Durchschnittsverbrauch: 6,4 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 148 g/km, Testverbrauch: 7,5 Liter, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: E,
Preis: ab 23.990 Euro

Kurzcharakteristik:

Warum: weil man genau die richtige Länge und Größe für dieses Fahrzeug hat
Warum nicht: weil man viel zu lang gewachsen ist
Was sonst: eng geschnittene Anzüge oder Kostüme

Fiat belebt mit dem 124 Spider sein Portfolio. Der kleine Sportwagen soll neben dem Cinquecento wieder Emotionen für die Marke wecken. Allerdings ist die Zielgruppe eingeschränkt.

Fazit
Fiat belebt mit dem 124 Spider sein Portfolio. Der kleine Sportwagen soll neben dem Cinquecento wieder Emotionen für die Marke wecken. Allerdings ist die Zielgruppe eingeschränkt.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2016-11-23

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