Testbericht

Stefan Grundhoff, 9. Mai 2016
Das gibt es selten: die AMG-Version des neuen Mercedes SLC hat nicht nur weniger Zylinder, sondern auch deutlich weniger Leistung.

Es ist nicht so, als sei die AMG-Variante des Mercedes SLC ein echtes Volumenmodell. Bereits beim Vorgänger SLK tat sich der 55 AMG überaus schwer und fand nur bei ein paar Handvoll leistungshungrigen Sonnenanbetern echte Fans. Wer viel Leistung bei geöffnetem Dach genießen will, entscheidet sich im Hause Mercedes zumeist für den SL, steigt gleich in das modernere S-Klasse Cabriolet oder wartet kühn auf den AMG GT Roadster, der erst 2017 kommt.

Das mag die Produktverantwortlichen bei Mercedes wohl auch dazu bewogen haben, dem SLC die sportlichen Zähne zu ziehen. Denn statt des bisherigen V8-Saugmotors mit Zylinderabschaltung im SLK 55 AMG verfügt der AMG SLC 43 nur noch über einen aufgeladenen V6-Benziner aus dem Daimler-Regal. Der schöpft auch nicht wie die Nomenklatur altertümlich vermuten lässt, aus 4,3 Litern, sondern aus drei Liter Brennraum. Das ist kaum mehr als die Hälfte vom bisherigen 5,5-Liter-V8. So stehen dem SLC-Fahrer 270 kW / 367 PS zur Verfügung - ein Leistungsdefizit von 55 Pferdestärken, die gerade in Verbindung mit dem Defizit von Hubraum und Zylindern auch der emsige Turbolader nicht überspielen kann. Er ermöglicht mit seinen 520 Nm Drehmoment zwischen 2.000 und 4.200 U/min zwar einen imposanten Durchzug aus niederen Drehzahlen, aber echte Affalterbach-Gefühle mögen bei dem 1,6 Tonnen schweren AMG-Lightmodell nicht aufkommen auch wenn die straffe Fahrwerksabstimmung, bissige Bremsen, direkte Lenkung und die aufmerksame Neungang-Automatik gefallen.

Die in Falten gelegte Stirn hat ihren Ursprung weniger an den Fahrleistungen, die mit 250 km/h Höchstgeschwindigkeit sowie 0 auf Tempo 100 in 4,7 Sekunden allemal eindrucksvoll sind. Viel mehr bot auch das Vorgängermodell mit mehr Dampf unter der Haube nicht. Es ist mehr die Leistungscharakteristik, die einen vom Vorgänger träumen lässt. Der mimte den knapp dimensionierten, bullig geduckten Boxer, mit dem man sich besser nicht anlegen wollte. Bereits das Grollen des V8-Triebwerks verriet, dass der SLK 55 AMG oberhalb des Teillastbetriebs kaum zu Späßen aufgelegt war, sondern die Fahrbahn umfänglich für sich einnahm und eben ein echter AMG-Sportler war. Zudem ließen die Affalterbacher ihn gegen ein Aufgeld von 3.200 Euro auf Wunsch 280 km/h schnell rennen.

Das geht dem fraglos exzellenten Mercedes-AMG SLC 43 ab. Nicht nur, dass die Nomenklatur von SLK weitgehend sinnfrei auf SLC umgemünzt wurde und die AMG-Lettern noch sinnfreier nunmehr vor der ehemaligen Hubraumbezeichnung stehen. Der 43er ist bei allen Qualitäten, sehr guten Fahrleistungen und entsprechender Dynamik die Sportversion eines zweisitzigen Roadsters, aber eben keine AMG-Variante. So schnell bekam man vor Jahren die drei magischen Buchstaben nicht an den Heckdeckel geklebt. Die 43er-AMG-Modelle im Hause Mercedes runden das normale Motorenportfolio bei C-, E-Klasse oder SLC nach oben hin ab; mehr aber auch nicht. Das gleiche Triebwerk macht den Mercedes SL wenig konsequent dann auch nur zu einem SL 400. Da soll noch einer durchsteigen.

Dabei tut man dem Mercedes AMG SLC 43 Unrecht, würde man ihm seinen Tatendrang vollends absprechen. Er zieht eben auch aus niederen Drehzahlen vorbildlich durch, presst seine Insassen bei schneller Gangart in die manuellen Sportsitze und ist als Spaßmacher ungemein wendig. Doch der SLK zeigt als weich gespülte und dann mehrfach im Schonwaschgang gekochte AMG-Version, dass sich mittlerweile eben nahezu alles um den Normverbrauch dreht. Den stellten die Affalterbacher Ingenieure beim SLK 55 AMG mit mutigen 8,4 Litern in Aussicht. Im Sparmodus "C", der den verheißungsvollen Namen "Controlled Efficiency Modus" trug, arbeitete der an sich 310 KW / 422 PS starke V8-Motor mit der internen Bezeichnung M 152 in der steten Bereitschaft, die Hälfte seiner Brennkammern pausieren zu lassen. Im Teillastbetrieb zwischen 800 und 3.600 Touren arbeiten die Zylinder zwei, drei, fünf und acht daher nur selten. Statt des sonst üblichen Drehmoments von 540 Nm bei 4.500 Touren standen maximal 230 Nm zur Verfügung, die für den leichten Galopp allemal reichten. Der Fahrer merkte die Umschaltung zwischen Vier- und Achtzylinderbetrieb nur an der Anzeige im Zentraldisplay. Wurde bei einem Zwischenspurt mehr Leistung benötigt, sprangen die vier schlafenden Zylinder wieder in die Bresche und ein V8-Stakkato brach über die sonnenhungrigen Insassen her.

Doch das war gestern. Heute beeindruckt der Mercedes AMG 43 mit einem Normverbrauch von 7,8 Litern und soll eben auch ein paar SLC-Kunden Lust auf ein Topmodell machen, das eben doch nicht den grobschlächtigen Boxer mimt. Schade ist es allemal. Denn wer sowieso nur flott durch die Lande cruisen will, um in ein paar Kurven Gas zu geben, für den reicht der SLC 300 mit seinem 245 PS starken Vierzylinder-Turbo allemal. Das schont dann ganz nebenbei auch das eigene Bankkonto, denn mit 46.380 Euro ist der SLC 300 nennenswert günstiger als der knapp 60.000 Euro teure 43er. Das echte 55er AMG-Modell war übrigens nochmals 13.000 Euro teurer.
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Technische Daten
Antrieb:Hinterradantrieb
Getriebe:Neungang-Automatik
Motor Bauart:Sechszylinder V mit Turbo
Hubraum:2996
Leistung:270 kW (367 PS) bei UPM
Drehmoment:520 Nm bei 2000 bis 4200 UPM
Preis
Neupreis: 60000 € (Stand: 2016-05-10)
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: press-inform, 2016-05-09

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