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Testbericht

16. März 2004
Mallorca, 17. März 2004 – Größer, schneller und besser ist die Neuauflage des offenen Zweisitzers SLK von Mercedes im Vergleich zum Vorgänger. Mit den Modellen SLK 200 Kompressor, 350 und 55 AMG, die im Laufe des Jahres 2004 nacheinander auf den deutschen Markt kommen, will Mercedes den bisherigen Erfolg weiter toppen. Wir haben den 272 PS starken SLK 350 getestet. Mit 308.000 verkauften Einheiten war der erste SLK, der 1996 auf den Markt kam, bereits sehr erfolgreich. Er machte das faltbare Blechdach wieder hoffähig, das erstmals in den Dreißigerjahren von Peugeot umgesetzt wurde. Der größere Mercedes SL, aber auch Konkurrenten wie der kleine Peugeot 206, ahmten das Konzept in den letzten Jahren nach. Und alle wurden Bestseller. Nase im Formel-1-Look Der neue SLK wirkt auf den Betrachter wie eine zum Sprung bereite Skulptur. Die vom ganz teuren Supersportwagen Mercedes SLR McLaren übernommene Nase im Formel-1-Look wirkt gar nicht mal aggressiv, sondern passt sich verschmitzt in die Konturen ein. Von hinten betrachtet ist der SLK bulliger geworden. Die Ähnlichkeit zu den Familienmitgliedern SL und CLK ist unübersehbar, dennoch ist der SLK in seiner Kompaktheit eigenständig. Für einen dauerhaft glänzenden Auftritt sorgt der neue kratzbeständige Klarlack auf Basis der Nanotechnologie.

Variodach mit drehender Heckscheibe Das Variodach wurde neu entwickelt und schließt jetzt drei Sekunden schneller als bisher, nämlich in 22 Sekunden. Die Heckscheibe dreht sich und nach dem Öffnen liegt sie in der gewölbten Dachschale. So beträgt das Kofferraum-Volumen bei geöffnetem Dach 208 Liter, 63 Liter mehr als bisher. Geschlossen können 300 Liter Gepäck transportiert werden. Im Innenraum erwarten uns neue Sportsitze. Wir nehmen Platz und freuen uns über das großzügige Raumangebot. Auch 1,90 m große Fahrer können die Beine ausstrecken, kein Vergleich mit dem Vorgänger oder etwa dem Chrysler Crossfire, der bekanntlich auf dem alten SLK basiert. Beim Beifahrer ist der Beinraum allerdings kürzer als auf der Fahrerseite. Sitzlehnen mit Kleiderhaken Die Sportsitze sehen aus wie dünne Sitzschalen, sind aber auch für lange Strecken bequem und bieten guten Seitenhalt. Neu: Die Lehnen lassen sich vorklappen – hinten sind Kleiderhaken angebracht, zum Beispiel für eine Jacke oder einen schmalen Kleidersack aus dem Zubehörprogramm. Das Cockpit soll an klassische Rennwagen erinnern. Mit mit den beiden großen Rundinstrumenten, die aus dicken schräg gestellten Röhren lugen, ist das gelungen. Farbgestaltung und Materialauswahl sind schick, edel und zurückhaltend. Besonders gut hat uns der matte Look der Alu-Applikationen gefallen.

Übersichtliche Mittelkonsole Die Mittelkonsole ist zwar mit dutzenden Knöpfen versehen, doch erweist sie sich schnell als bedienungsfreundlich und übersichtlich. Auch mit der Navigation kamen wir auf Anhieb zurecht. Nur die Lage des Schalthebels hat uns gestört. Er liegt recht weit zurück und die mittlere Armauflage ist zerklüftet, so dass sich keine so entspannte Körper- und Armhaltung ergibt wie zum Beispiel im Erzrivalen BMW Z4. Dafür ist der Handbremshebel der Schönste der Welt. Wir starten den Motor, einen neu konstruierten Sechszylinder, den Mercedes im SLK zuerst einsetzt. Aus einem Hubraum von 3.498 Kubikzentimetern entwickelt der V6 bei 6.000 U/min 272 PS. Ein Drehmoment von 350 Nm ist ab 2.400 Touren abrufbereit. Gedämpftes Brüllen wie von acht Zylindern Entsprechend entfaltet sich die Leistung aus der Tiefe des Hubraums. Der sinnliche Sound steht dem eines Achtzylinders kaum nach. Das gedämpfte Brüllen bei Vollgas im oberen Drehzahlbereich ist nicht so martialisch wie beim Porsche Boxster, aber aus der zweiflutigen Abgasanlage so hörbar, dass es süchtig macht.

Die Beschleunigung ist nahezu unglaublich – willkürlich fragt man sich, wozu Mercedes im Herbst 2004 noch das AMG-Modell nachlegen will. Tempo 100 erreichen wir in 5,5 Sekunden. Der Porsche Boxster S mit 260 PS braucht 5,7 Sekunden, der 231 PS starke BMW Z4 3.0i gar 5,9 Sekunden.

Sieben Vorwärtsgänge Unser Testwagen hatte die optionale 7G-Tronic-Automatik aus dem AMG-Modell. Durch die sieben Vorwärtsgänge sind die Sprünge zwischen den einzelnen Gängen kleiner. So steht immer die optimale Übersetzung zur Verfügung. Dank vergleichsweise niedriger Drehzahlen ergibt sich auch ein recht günstiger Verbrauch von 10,1 Litern – das ist ein halber Liter weniger als für die Sechsgang-Schaltung angegeben wird. Auf kurvigen Bergstrecken wählten wir den manuellen Schaltmodus, um immer im passenden Drehzahlbereich zu sein. Geschaltet wird dann mit dem Gangwahlhebel oder mit aufpreispflichtigen Schalttasten hinten am Lenkrad. Komfortables Sportfahrwerk Unser Testwagen war mit dem Sportfahrwerk ausgerüstet. Auch damit ist die Federung immer noch sehr komfortabel. BMW Z4 und Porsche Boxster liegen wesentlich härter auf der Straße, haben dafür aber auch ein neutraleres Kurvenverhalten, insbesondere der Porsche. Beim kräftigen Rausbeschleunigen aus Kurven mit mallorquinisch glatten Fahrbahnbelägen kann es mit dem SLK passieren, dass der Hinterwagen aus der Kurve rutscht. Er wird zwar sanft von der Elektronik eingefangen, aber für Fahrschüler ist das nichts. Respekt vorm Gaspedal oder fahrerisches Können sind hier gefragt.

Direkte Lenkung Die Lenkung ist jetzt direkter als früher. Bei Langsamfahrt lässt sich der SLK mercedes-typisch schwerer lenken als der Z4 oder gar der leichtfüßige Boxster. Dafür ist bei schneller Fahrt keinerlei Nervosität zu spüren, so dass sich ein sehr sicheres Fahrgefühl einstellt. Das Handling ist sportlich, da man den SLK mit ruhiger Hand in jede Kurve reinziehen kann. Dazu führte auch die 18-Zoll-Bereifung unseres Testwagens mit 225/40ern vorn und 245/35ern hinten. Serienmäßig hat der SLK 350 kleinere 17-Zöller. Die Bremsen – eine Nummer größer als beim 200 Kompressor – entsprechen den hohen Fahrleistungen und sind standfest. Weltneuheit Airscarf Bei geöffnetem Dach mit installiertem Windschott sind die Verwirbelungen des Fahrtwinds etwas höher als im vorbildlichen BMW Z4. Dafür kann der SLK aber mit einer Weltneuheit aufwarten, dem Airscarf-System – auch hier allerdings wieder gegen Aufpreis. Airscarf heißt übersetzt „Luftschal“. Es handelt sich um eine Kopfraumheizung mit einer Luftaustrittsöffnung in den Kopfstützen. Die warme Luft wird durch ein Heizelement in der Sitzlehne erzeugt. Die verstellbare Kopfstütze ermöglicht dann gezieltes Erwärmen von Kopf, Hals und Nacken. So kann man problemlos auch während Winterfahrten seinen braungebrannten Teint zur Schau stellen – doch Spaß beiseite: Wir würden Airscarf unbedingt mitbestellen.

Reich an Sonderausstattungen Durch das größte Angebot an Sonderausstattungen, das es laut Mercedes in diesem Fahrzeugsegment gibt, können Komfort und natürlich auch der Anschaffungspreis in ungeahnte Höhen getrieben werden. So stehen neben der Airscarf-Kopfheizung Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Abbiegelicht im Angebot. Oder das Comand APS-Bediensystem mit Navigation und einem 6,5-Zoll-Bildschirm. Da können DVD-Videos oder MP3-CDs gespielt werden, SMS-Kurznachrichten anzeigt und versandt werden. Da erscheinen Parktronic, Lederpolster, Regensensor oder 380-Watt-Soundsystem fast schon profan. Knackige Sechsgang-Handschaltung Zum Abschluss unseres Tests wollen wir noch berichten, dass die neu entwickelte Sechsgang-Handschaltung wesentlich knackiger als bisher ist und dank kurzem Schalthebel noch sportlicher wirkt als in der C-Klasse, wo das Getriebe ebenfalls zum Einsatz kommt. Kräftiger SLK 200 Kompressor Und den 200 Kompressor sind wir auch kurz gefahren – mit einem positiven Gesamteindruck: Die 163 Kompressor-PS aus der kleinen 1,8-Liter-Maschine beschleunigen den SLK in durchaus sportlichen 7,9 Sekunden auf Tempo hundert und weiter geht es zur Spitze von 230 km/h. Zum relativ günstigen Einstiegspreis von 33.524 Euro lässt es sich stilvoll cruisen und auch mal ordentlich heizen. Der stärkere SLK 350 kostet schon 10.000 Euro mehr.
Technische Daten
Motor Bauart:Sechszylinder V-Motor, Vierventiltechnik mit stufenloser, kontinuierlicher Nockenwellen-Verstellung
Hubraum:3.498
Leistung:200 kW (272 PS) bei UPM
Drehmoment:350 Nm bei 2.400 - 5.000 UPM
Preis
Neupreis: 33.524 € (Stand: Februar 2004)
Fazit
Der Mercedes-Benz SLK 350 ist schneller Sportler und gemütlicher Cruiser zugleich – ein Hingucker ist er allemal. In allen Details außen und innen ist er sehr ansprechend designt – schauen Sie sich auf unseren Bildern nur einmal den Handbremshebel oder die inneren Türgriffe an! Die technisch anspruchsvolle Verdecklösung sorgt für einen großen Kofferraum. Lediglich das fummelig anzubringende Windschott passt nicht zu den ansonsten glänzend gelösten Details. Die Sportsitze sind bequem und geben einen guten Seitenhalt. Der Fußbereich des Fahrers ist sehr groß, der Sitz hat einen weiten Verstellbereich. Sowohl der 200er-Kompressor-Motor als auch der 350er-Sechszylinder sind kräftig und bieten im oberen Drehzahlbereich einen sportlichen Sound – der V6 ist natürlich das Sahnestück und hört sich fast wie ein Achtzylinder an. Vorbildlich sind die aktiven und passiven Sicherheitssysteme, was Mercedes nach eigener Einschätzung ein NCAP-Crashtest-Ergebnis von „vier Sternen plus“ einbringen dürfte.

Die etwas weit hinten liegende Position des Schalthebels dürfte wohl nicht entgegenstehen, dass die 55.000 bis 60.000 SLKs, die in Bremen jährlich produziert werden können, auch den Weg zu den Käufern finden werden. Im Gegenteil: Über 8.000 SLK sind seit Verkaufsstart am 7. Januar 2004 bereits veräußert. Da müssen sich weitere Interessenten auf ein paar Monate Wartezeit gefasst machen. (ph)

Quelle: auto-news, 2004-03-16

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