Testbericht

Wolfgang Gomoll, 12. September 2012
Mercedes lässt automobile Tradition wieder aufleben und bringt den CLS Shooting Brake. Neben einer extravaganten Form bietet das Kombi-Coupé allerdings wenig wirklich Neues.

Kleiner Geschichts-Exkurs: Shooting Brakes, das waren früher Fuhrwerke, mit denen in England widerspenstige Pferde gezähmt wurden (englisch: brake in). Später nutzen dann die Landadligen das Gefährt für die Jagd. Bekannte Vorläufer des CLS-Ablegers sind ein Reliant Scimitar oder der Volvo P1800. Allerdings ist das Hinterteil des CLS Shooting Brake etwas lang geraten und die abfallende Form erinnert an ein Wespen-Hinterteil. Mit einer Länge von 4,95 Metern sind die Abmessungen entsprechend.

Der Asphalt-Slalom gehört nicht zu den Kernkompetenzen des CLS-Shooting-Brakes. Die gesetzte Kundschaft will entspannt gleiten. Und diese Aufgabe bewältigt der Mercedes mit Bravour. Die Motoren sind so gut gedämpft, dass man sie nur bei starkem Gasgeben hören kann. Der Komfort ist dank der serienmäßigen Luftfederung der Hinterachse wirklich gut. Unebenheiten werden locker weggebügelt. Ein Vorteil des Radstandes von 2,87 Metern. Der bringt auch ein Plus an Beinfreiheit im Fond, in dem auch Sitzriesen entspannt Platz nehmen können.

Das angenehme Raumgefühl wird zudem noch durch die rahmenlosen Fenster erhöht, Sie sorgen trotz der schmalen Fensterbänder nicht nur für eine gute Rundumsicht, sondern sehen auch noch schick aus. Wer es ganz edel haben will, lässt sich den Boden des Kofferraums mit amerikanischem Kirschbaumholz in bester Jacht-Optik beplanken. Kosten: schlappe 4.700,50 Euro. Sieht toll aus, doch der Kofferraum wird dadurch auch nicht größer als 590 bis 1.550 Liter. Groß genug. Allerdings schränkt die schräge Heckscheibe den Nutzwert ein.

Der Basisdiesel mit 204 PS genügt völlig zum Dahingleiten. Bäume reißt der Selbstzünder trotz eines Drehmoments von 500 Nm nicht aus, da er sich schon mit dem 1,8-Tonnen-schweren Gefährt müht. Mehr Ambitionen hegt der 3,5-Liter-Diesel mit 306 PS. Den gibt es optional auch mit Allradantrieb, genauso wie den 500 CLS Shooting Brake mit 408-PS-Benzin-PS. Wem das nicht genügt, holt sich am besten den AMG-Hammer: Der treibt den Shooting Brake mit 525 Pferdestärken an. Schnell entschlossene Fans der Längsbeschleunigung greifen zur "Edition 1", die hat nochmal 32 PS mehr.

Allerdings ist die Fahrerlaubnis dann stark gefährdet, denn die Geschwindigkeit kommt beim Fahrer nicht wirklich an und die Souveränität des V8-Bi-Turbos macht einfach Laune. Doch so viel Spaß hat seinen Preis: 117.512,50 Euro für den AMG und noch einmal 11.126,50 für das "Edition-1-Paket". Dagegen klingen die 61.761 Euro für den dünnbrüstigen 250 CDI fast schon bescheiden. Serienmäßig sind unter anderem eine automatische Klimaanlage, ein Bremsassistent, der bei Notbremsungen den Bremsdruck erhöht und die automatisch öffnende Heckklappe.
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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: press-inform, 2012-09-12

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