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Testbericht

22. Dezember 2003
München, 19. Dezember 2003 – Die S-Klasse ist der Inbegriff eines Mercedes. Schon seit Jahrzehnten gelten elegante Limousinen mit Stern auf dem Kühler als Repräsentations-Wagen. Sie stehen in dem Ruf, bequem, stark und teuer zu sein.

Das Einstiegsmodell ist derzeit der 204 PS starke S 320 CDI für einen Grundpreis von 60.320 Euro. Im Vergleich zu den PS-stärkeren und teureren Benzin-Varianten erscheinen beide Zahlen relativ niedrig. Bekommt man mit dem kleinen Diesel also nur einen schwachen Billig-Mercedes? Sollte man mehr ausgeben, um eine S-Klasse genießen zu können? Wir haben den Einsteiger getestet.

Zeitloses Design Die aktuelle S-Klasse ist seit Oktober 1998 auf dem Markt. Erst 2005 soll sie abgelöst werden. Das Alter sieht man ihr nicht an, selbst fünf Jahre nach der Markteinführung hat sie kaum an Eleganz eingebüßt. Auf über fünf Meter streckt die Limousine ihre nahezu schlanke Form in die Länge. Trotz der Größe wirkt die Benz-Oberklasse nicht wuchtig.

Öffnen durch Berührung Man bekommt Lust, in den großen Mercedes einzusteigen. Das ist dank des Keyless-Go-Systems ohne Schlüssel möglich, vorausgesetzt, man hat den Sender in der Tasche. Einfach den Türgriff berühren und die S-Klasse lässt sich öffnen. Die Limousine kann via Startknopf auf dem Automatikhebel auch schlüssellos gestartet werden.

Lass dich verwöhnen: Komfortsitze vorn Am Steuer der S-Klasse sitzt es sich wie in einer Loge. Die optionalen Komfortsitze vorn haben nicht nur jede Menge elektrische Verstellmöglichkeiten, sondern lassen sich auch beheizen und belüften. Praktisch ist die Anordnung der Verstell-Knöpfe für die Sessel: Sie sind an den Türen in sichtbarer Höhe untergebracht und durch ihre Sitz-Form nahezu selbsterklärend.

Äußerst angenehm besonders bei längeren Fahrten ist eine Massagefunktion der Lordosenstütze: Es fühlt sich an, als würde ein Masseur mit einer Holzrolle sanft, aber dennoch druckvoll die untere Partie des Rückens bearbeiten.

Klassischer Schick Das Cockpit der S-Klasse macht einen edlen Eindruck, der von den verwendeten Materialien wie lackiertem Holz und Leder verstärkt wird. Das Design ist eher klassischer Schick als Moderne und passt insgesamt zum Nobel-Mercedes. Das Leder- und Holz ummantelte Lenkrad verfügt über Tasten fürs Radio und fürs Telefon. Für die Griffigkeit des Volants ist das lackierte Holz allerdings nicht so günstig: Hier wäre ein kompletter Leder-Überzug besser.

Je wärmer, desto leiser Mit einem leichten Druck auf den Starterknopf erwacht der Sechszylinder-Diesel zum Leben. Beim Kaltstart gibt er sein Selbstzünder-Tun leicht nagelnd bekannt, aber die Insassen bekommen davon nur wenig mit. Mit steigender Motortemperatur verschwindet erst das Dieseln und dann das Motorengeräusch im Leerlauf nahezu völlig. Wenn es zur Sache geht, wird die Maschine im oberen Drehzahlbereich zwar brummig, aber nicht aufdringlich.

8,2 Sekunden auf hundert In nur 8,2 Sekunden sprintet die immerhin zwei Tonnen schwere Luxusklasse auf 100 km/h und beschleunigt auf eine Spitze von 235 Sachen. Damit zeigt sich, dass der S-Mercedes mit der "kleinen" 204-PS-Maschine sehr vernünftig motorisiert ist.

Denn der 250 PS starke V8-Diesel im etwa 18.000 Euro teureren S 400 CDI überbietet diese Werte mit 7,8 Sekunden und 250 km/h auch nicht wesentlich. Selbst das maximale Drehmoment von satten 500 Newtonmetern im S 320 CDI wird vom großen Bruder mit 560 Newtonmetern nicht nennenswert getoppt.

Mercedes gibt den Durchschnittsverbrauch mit 7,7 Litern auf 100 Kilometer an. Wir haben bei zurückhaltender, aber zügiger Fahrweise einen Verbrauch von 8,5 Litern Diesel erreicht. Bei schnellen Autobahnfahrten kann dieser Wert aber durchaus auf über zehn Liter klettern.

Sanfte Automatik Der durchzugsstarke 3,2-Liter-Motor arbeitet mit der serienmäßigen Fünfgang-Automatik in einem perfekten Team. Die Gänge werden nahezu gleitend eingelegt und beim Cruisen ist vom Gangwechsel nichts zu spüren. Wer mag, kann auch sequentiell mit der Hand schalten, aber da dabei der Ganghebel von links nach rechts bewegt werden muss, macht das eher wenig Spaß. Ein konventionelles Handschaltgetriebe wird für die S-Klasse gar nicht angeboten.

Airmatic lässt schweben Fahren in der S-Klasse heißt Schweben in der Sänfte. Schon immer waren die großen Benz dafür bekannt, dass man in ihnen nicht nur bequem sitzt, sondern dank eines ausgezeichneten Fahrwerks auch von der Straße kaum etwas mitbekommt.

Der S 320 CDI verfügt wie alle S-Klassen serienmäßig über die so genannte Airmatic. Das ist ein luftgefedertes Fahrwerk, welches sich auf Tastendruck den jeweiligen Fahr-Vorlieben anpassen lässt. In der Schaltstufe Komfort fährt sich der Mercedes wie auf einem Luftkissen. Kleine Bodenunebenheiten werden so gut weggebügelt, als wären sie nicht vorhanden.

Dämpfer-Härte wählbar Wer’s sportlicher mag, kann zwischen den Einstellungen Sport 1 und Sport 2 wählen. Wobei gesagt werden muss, dass in der höchsten Stufe die Dämpfung zwar straffer wird, aber die Fünfmeter-Limousine trotzdem nicht zum Sportwagen mutiert.

Für eine durchgeheizte Serpentinenstrecke zwischendurch reicht’s allemal. Dann darf auch das elektronische Stabilitätsprogramm ESP zum Einsatz kommen. Es bremst und nimmt Leistung weg, um den sanften Schwaben wieder in die rechte Spur zu bringen, wenn der Fahrer das Kurven-Spiel übertreibt.

Automatische Niveauregulierung Das Fahrwerk hat noch eine weitere Besonderheit: Die Niveauregulierung. Sie sorgt beispielsweise bei beladenem Fahrzeug für nahezu gleichbleibende Bodenfreiheit und damit mehr Stabilität. Ab einer Geschwindigkeit von etwa 140 km/h senkt sich das Fahrzeugniveau um etwa 15 Millimeter. Fährt man langsamer als 70 km/h, hebt sich die Karosserie wieder auf das Normalniveau.

Für schlechte Strecken oder zum Aufziehen von Schneeketten lässt sich die S-Klasse auf Knopfdruck um etwa 25 Millimeter anheben. Nach längerer Fahrt mit etwa 80 km/h oder bei Überschreiten von 120 km/h wird der Wagen automatisch wieder auf Normalniveau eingeregelt.

Einstieg ab 60.320 Euro Der Einstiegspreis für den S 320 CDI beträgt 60.320 Euro. Darin ist schon ein dickes Ausstattungspaket enthalten. Ab Werk sind unter anderem die Klimaautomatik, der Tempomat, das ESP, die Luftfederung Airmatic und das Comand-System mit 6,5-Zoll-Monitor, Radio, CC- und DVD-Spieler dabei.

Mit Extra-Wünschen, wie beispielsweise einer Lederausstattung (ab 2.378 Euro), Komfortsitzen vorn (1.154 Euro), dem Abstandsregel-Tempomat Distronic (2.366 Euro), dem Keyless-Go-System (1.183 Euro) und dem Comand APS-System mit Navigation (2.088 Euro), lässt sich die Anschaffung beträchtlich verteuern.
Technische Daten
Motor Bauart:V-Sechszylinder, 24 Ventile
Hubraum:3.222
Leistung:150 kW (204 PS) bei UPM
Drehmoment:500 Nm bei 1.800-2.600 UPM
Preis
Neupreis: 60.320 € (Stand: Dezember 2003)
Fazit
Der S 320 CDI mag zwar von der Leistung und vom Preis her der Einsteiger in die Mercedes-Oberschicht sein, die Rolle des Billigheimers übernimmt er im Reigen der S-Klassen auf keinen Fall.

Der große Mercedes ist eine Limousine, die auch fünf Jahre nach ihrer Markteinführung nichts an elegantem Auftreten eingebüßt hat. Der Wagen ist entsprechend seiner Klasse sehr gut ausgestattet und kann mit jeder Menge Luxus-Zubehör wie den Komfortsitzen das Fahrgefühl mit einer gehörigen Portion Genuss würzen.

Der „kleine“ Dieselmotor ist, gemessen an seinen Leistungswerten, gar nicht so klein. Er befähigt die S-Klasse zu nahezu sportlichen Fahrleistungen und ist als Motorisierung für den Alltag mehr als ausreichend. Hinzu kommt ein Fahrwerk, das den Oberklasse-Benz in der Komforteinstellung zur Sänfte macht.

Selbst der Einstiegspreis scheint, im Vergleich zum nicht viel stärkeren S 400 CDI, noch relativ vernünftig: Schließlich kostet der Achtzylinder-Selbstzünder fast 18.000 Euro mehr. (hd)

Quelle: auto-news, 2003-12-22

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