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Testbericht

Sebastian Viehmann, 8. September 2008
Dach öffnen, Tempomat einstellen und der Sonne entgegen – das ist der American Way of Drive. Direkt danach könnte im Lexikon gleich das Sebring Cabrio stehen. Doch im Test offenbart es seine Schattenseiten.

Stoff oder Stahl? Beim Sebring ist diese Entscheidung reine Geschmackssache, denn Chrysler bietet beides an. Die meisten Kunden entscheiden sich für das Stahldach, denn es gewährt auch in Herbst und Winter viel Komfort. Mit geschlossenem Verdeck wird der Sebring zum vollwertigen Coupé, und selbst bei hohem Tempo bleibt es leise im Cockpit. Der Wagen bietet vier Personen bequem Platz. Nur bei geschlossenem Dach gibt es hinten etwas wenig Kopffreiheit. Im Cabrio-Modus halten sich die Luftverwirbelungen in Grenzen, doch das Geflatter an den Gurten zehrt etwas an den Nerven. Das elektrische Dach lässt sich nur im Stand bedienen. Das Kofferraumvolumen ist mit 371 Litern bei geschlossenem Verdeck ordentlich, aber an der schweren und hohen Heckklappe ohne Griffmulde werden kleine und schwächere Personen keine Freude haben.

Platz hat man zwar reichlich in dem großen Amerikaner und man kann sich schön bequem in die breiten Sitze lümmeln. Doch im Detail entdecken Liebhaber von Premiumautos viel Verbesserungswürdiges. Ungleiche Spaltmaße am Handschuhfachdeckel, ein schwergängiger Blinkerhebel oder die teilweise billig wirkenden Kunststoffflächen hinterlassen einen faden Beigeschmack.

Auch bei der Bedienung zeigt der Chrysler Schwächen. Beim Tempomat kann man nirgendwo ablesen, welche Geschwindigkeit gerade eingestellt ist. Und den Bordcomputer muss man umständlich mit Tasten an der Mittelkonsole verstellen. Das Navigationssystem ist schön bunt und hat viele Funktionen - doch bei den wichtigsten Eigenschaften hapert es: Die großen Sprünge der Zoom-Funktion vermasseln einem zu oft den besten Überblick über die Route und das Kartenmaterial erwies sich während unserer Testphase als veraltet. Als Motorisierung stehen der Zweiliter-Diesel mit 140 PS und Sechsgangschaltung oder ein Sechszylinder mit 2,7 Litern Hubraum, 186 PS und Automatikgetriebe zur Verfügung. Der Vierzylinder-Diesel wird wegen der akzeptablen Verbrauchswerte gern genommen - doch eigentlich passt der V6 mit Automatik besser zum Charakter des Ami-Cruisers. Das Aggregat röhrt schön kraftvoll beim Gasgeben und für schubstarke Zwischenspurts stehen genügend Hubraum und Drehmoment zur Verfügung. Für die Höchstgeschwindigkeit von 196 km/h benötigt der 1,8 Tonnen schwere Kreuzer allerdings reichlich Anlauf.

Auch von unten heraus geht es ziemlich behäbig zu – 10,3 Sekunden braucht der Sebring, bis die Tachonadel an der 100 kratzt. Wenn man es eilig hat, pfuscht man der etwas trägen Sechsstufen-Automatik gern im manuellen Modus ins Handwerk. Den Durchschnittsverbrauch gibt Chrysler mit 10,5 Litern Super an, außerorts mit 7,7 Litern. Letzteres ist sogar machbar - wenn man den Tempomat bei den USA-üblichen 75 Meilen (120 km/h) festzurrt, die Schwiegermutter vom Rücksitz verbannt und jede Fliege auf der Haube entfernt, damit sie einem nicht die Aerodynamik versaut. Realistisch ist ein Verbrauch um 9 Liter auf der Autobahn und 11 bis 12 Liter im Drittelmix.

Das Fahrwerk des Sebring ist komfortbetont ausgelegt und in Kurven wankt der Wagen ein wenig zur Seite. Doch insgesamt bleibt der Chrysler gutmütig und vermittelt auch bei forscherer Gangart ein sicheres Fahrgefühl.

Ein unschlagbares Argument für den Sebring ist immer noch sein Preis: Das offene US-Vergnügen startet schon bei 29.990 Euro. Für ein in der Größe vergleichbares Cabrio muss man bei der Konkurrenz meistens mehr hinlegen. Beim Volvo C70 zum Beispiel läuft unter 34.840 Euro gar nichts. Saab ruft für das 9-3 Cabrio mindestens 34.700 Euro auf (Turbo-Benziner, 150 PS), ein offener Audi A4 will mit 35.250 Euro bezahlt werden (1.8 Turbo, 163 PS). Den VW Eos gibt es immerhin schon für 27.150 Euro - allerdings nur mit einem 122 PS-Benziner und magerer Ausstattung.

Beim Sebring kommt man schon beim Basismodell Touring 2.0 CRD in den Genuss einer ansehnlichen Ausstattung (unter anderem ESP, Nebelscheinwerfer, Reifendruckkontrolle, elektrische Außenspiegel, elektrisch verstellbarer Fahrersitz, Tempomat und Klimaautomatik). Das von uns getestete Top-Modell Limited 2.7 AT für 38.610 Euro hatte dazu noch ein Audio-System für CD und DVD mit sechs Lautsprechern, Lederpolsterung mit Sitzheizung, elektrisches Stahlverdeck, kühl- und beheizbare Getränkehalter, Windschott und ein paar andere Dinge an Bord. Die Aufpreisliste enthält dann nur noch den Metalliclack und das bedingt empfehlenswerte Festplatten-Navigationssystem für 1670 Euro.

Quelle: Autoplenum, 2008-09-08

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