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Testbericht

Peter Eck/SP-X, 20. August 2016

Vor lauter Porsche 911, Audi TT oder Mercedes GT wird häufig vergessen, dass auch andere Marken schöne Töchter, besser gesagt schöne Sportwagen haben. Und deutlich günstigere noch dazu. Beim Preis-PS-Verhältnis schießt der Nissan 370Z wohl derzeit den Vogel ab. In der Basisversion, aber immerhin schon mit dem 3,7-Liter-Sechszylinder und dessen 328 PS an Bord, steht der Japaner als Coupé mit offiziell 34.130 Euro in der Preisliste. Und auch unser Testwagen, ein von Haus aus immer etwas besser ausgestattetes Cabrio kostet nur knapp über 40.000 Euro. Solche Angebote kennt man eigentlich sonst von privat importierten amerikanischen Ikonen. Bleibt die Frage: Wo hat Nissan denn da gespart und was darf man für diesen vergleichsweise günstigen Betrag überhaupt erwarten?
 
Nun, zuallererst eine aggressiv gestylte, aber durchaus ansehnliche Karosserie, die schon mal nach deutlich mehr Geld aussieht, wie uns die neugierig-neidischen Blicke von Passanten und Autofahrern immer wieder bestätigten. Flach, scharf und schon im Stand schnell, so könnte man die Formen des 370Z auf den Punkt bringen.
 
Unter der flachen Haube arbeitet ein Benzinmotor der alten Schule, mit viel Hubraum und ohne Unterstützung von Kompressoren oder Turboladern. 3,7 Liter Brennraum, sechs Zylinder, 328 PS, 363 Nm Maximaldrehmoment und Hinterradantrieb. Auf dem Papier hat der Nippon-Sportler alles, was man sich nur wünschen kann. In der Praxis setzt sich das allerdings nicht ganz so souverän um wie erwartet und gewünscht. Das manuelle Sechsganggetriebe ist ziemlich schwergängig und ein wenig hakelig, die Schaltwege unnötig lang. Zudem braucht der Motor hohe Drehzahlen, um seinem theoretischen Leistungsniveau gerecht zu werden. Das maximale Drehmoment liegt sogar erst bei 5.200 Umdrehungen an.
 
Kein ausgesprochen modernes Aggregat also. Und kein besonders sparsames. Schon offiziell stehen 11,2 Liter Normverbrauch zu Buche. Wir kamen bei relativ zurückhaltender Fahrweise im Durchschnitt auf knapp 14 Liter. Wer den 370Z so nutzt, wie er eigentlich genutzt werden will – also eigentlich stets unter hohen Drehzahlen – kann noch locker zwei, drei Liter mehr einkalkulieren. Ein Teil des günstigen Preises relativiert sich also schnell an der Tankstelle.
 
Aber wer dort immer blind zahlt, ohne sich um Spaßverderber wie Durchschnittsverbrauch oder die daraus resultierende Höhe der Tankrechnung zu kümmern, hat mit dem 370Z trotzdem seinen Spaß. Ein gesunder Rücken vorausgesetzt, lässt sich der – sagen wir mal – ehrlich gefederte Japaner schon sehr sportlich bewegen. Wobei trotz der hohen Leistung Kurven eher sein Metier sind, als lange, schnelle Autobahnetappen. Denn die Lärmkulisse ist vor allem beim Cabrio gewaltig, selbst im geschlossenen Zustand. Dann schon lieber gleich das elektrische Verdeck öffnen und gemütlich bei 2.000 bis 3.000 Umdrehungen über die Landstraße cruisen. Da macht der Sauger in Zusammenarbeit mit dem Hinterradantrieb sogar richtig Spaß, wenn nur die wenig Sportsgeist mitbringende Schaltung nicht wäre.
 
Im Innenraum merkt man dem Z an, dass die Designer sich an strenge Sparvorgaben halten mussten. Die Verarbeitung stimmt zwar, aber die Materialien wirken teilweise doch arg preiswert und die gesamte Einrichtung ein bisschen nach 90er-Jahre. Aber das ist rein subjektiv und muss nicht jeden Fahrer stören. Keine Diskussion kann es dagegen über die Bedienung geben. Die ist alles andere als logisch und erfordert einige Zeit zur Einarbeitung. Das Navi arbeitet zudem sehr langsam und schien sich auch nicht überall wirklich gut auszukennen. Der Bildschirm ist zudem nicht gut ablesbar, wenn man eine Sonnenbrille aufhat, was in einem Cabrio ja schon mal vorkommen soll.
 
Das sind alles keine Mängel, die speziell einen Sportwagen unbedingt ins Mark treffen müssen. Aber es zeigt, dass auch Nissan in der 40.000-Euro-Klasse nicht zaubern kann. Der 370Z ist, ganz gleich ob als Cabrio oder Coupé, in allererster Linie ein Straßensportler, einer der von seinem Fahrer getrieben und bei (Drehzahl-)Laune gehalten werden will. Wer den Blick auf die Straße richtet und nicht aufs Plastik-Interieur, wer die Geräuschkulisse als Musik empfindet und nicht den neuesten Standard-Pop aus dem Radio plärren lässt und wer lieber hinterm Volant arbeitet, als sich mehr oder weniger fahren zu lassen – für den ist der 370Z eine ernsthafte Alternative. Und wer das Alles gerne auch unter freiem Himmel tut, dem sei die Cabrio-Version empfohlen. 

Nissan 370Z Roadster – Technische Daten:

Zweitüriges, zweisitziges Roadster-Cabriolet; Länge: 4,25 Meter, Breite: 1,85 Meter, Höhe: 1,33 Meter, Radstand: 1,55 Meter, Kofferraumvolumen: 140 Liter

3,7-Liter-V6-Benzinmotor, manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe, Hinterradantrieb, 241 kW/328 PS, maximales Drehmoment: 363 Newtonmeter bei 5.200 U/min, 0-100 km/h: 5,5 s, Vmax: 250 km/h (abgeregelt), Normverbrauch: 11,2 Liter je 100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 262 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: G, Testverbrauch: 13,8 Liter
Preis: 40.130 Euro
Preis des Testwagens: 40.920 Euro

Kurzcharakteristik:

Warum: viele Pferde für wenig Piepen
Warum nicht: den günstigen Preis merkt man an vielen Stellen
Was sonst: Audi TTS Roadster, BMW Z4, Mercedes SLK, Peugeot RCZ R

328 Pferdestärken für knapp über 34.000 Euro? Verpackt in einen ansehnlichen, routiniert gemachten Sportwagen? Gibt es! Bei Nissan.

Fazit
328 Pferdestärken für knapp über 34.000 Euro? Verpackt in einen ansehnlichen, routiniert gemachten Sportwagen? Gibt es! Bei Nissan.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2016-08-20

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