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Testbericht

Michael Gebhardt/SP-X, 23. Oktober 2019

SP-X/Tokyo. Jetzt also auch Mazda. Der japanische Autobauer hat sich reichlich Zeit gelassen mit der Elektro-Mobilität, hat in den vergangenen Jahren lieber seine Verbrenner optimiert und einen selbstzündenden Benziner entwickelt. Auf Dauer aber kann sich freilich auch Mazda dem Stromer-Boom nicht entziehen, und die Zeit drängt: Wenn der Hersteller die zukünftigen Flotten-CO2-Grenzwerte einhalten will, muss er schnell handeln. Auf der Heimat-Messe in Tokyo hat Mazda jetzt sein erstes Elektro-Auto vorgestellt – und macht schon mit der Benennung eine klare Ansage: das stromernde Kompakt-SUV hört auf den Namen MX-30.

Mit den Coupés MX-3 und MX-6 wollte Mazda in den 90er-Jahren eher Herz als Hirn der Autokäufer ansprechen, in die gleiche Kerbe schlägt bis heute der MX-5, der Ende der 80er Jahre eine Roadster-Renaissance auslöste. Und der MX-30? Der soll nach Vorstellung der Mazda-Verantwortlichen nicht weniger als eine „komplett neue E-Auto-Erfahrung“ bieten. Ob ihm das am Ende tatsächlich gelingt, wird sich zeigen, denn tatsächlich sind einige der auf den ersten Blick unkonventionell erscheinenden Lösungen gar nicht so neu.

Vor allem vom Elektro-Vorreiter BMW i3 hat sich der MX-30 einiges abgeschaut. Das gilt unter anderem für die Türen: Auch Mazda setzt im Fond auf hinten angeschlagene Türen, die – ebenfalls wie bei den Bayern – nur aufgehen, wenn die Vordertür geöffnet ist. Das ist etwas unpraktisch, wenn man schnell die Jacke auf die Rückbank werfen will, erleichtert aber dank der fehlenden B-Säule den Einstieg in die zweite Reihe; zu diesem Zweck rutschen auch Fahrer- und Beifahrersitz wie bei einem Dreitürer ein Stückchen nach vorne. Das Platzangebot selbst ist wie bei den meisten E-Autos in beiden Reihen recht üppig, wie groß das Gepäckabteil ist, verrät Mazda noch nicht konkret. Allerdings versprechen die Japaner, dass vier handelsübliche Bord-Trolleys reinpassen sollen. Klappt man die Rückbank um, entsteht eine fast ebene Ladefläche.

Anders als der i3, der mit seinem außergewöhnlichen Design anfangs stark polarisierte, setzt Mazda bei seinem 4,40 Meter lange Kompakt-SUV mit auf eine typische Formensprache: Vorne präsentiert der MX-30 das Familiengesicht und trägt weiterhin stolz einen flachen Kühlergrill zur Schau, der von schmalen Scheinwerfern flankiert wird. Vom gleichgroßen CX-30, mit dem er sich die technische Plattform in Grundzügen teilt, hat sich der Stromer die robuste Plastebeplankung abgeschaut. Zumindest für die Marke neue Wege geht Mazda bei der Cockpit-Gestaltung: Die Bezüge der Türverkleidungen sind – der i3 lässt auch hier grüßen – aus recycelten Plastikflaschen, rund um die freischwebende Mittelkonsole haben die Designer geräumige Ablagen geschaffen, die mit Kork ausgelegt sind. Bekannt sind der Gangwahlhebel und der dahinter positionierte Drehdrücksteller für das Infotainmentsystem, neu ist ein Siebenzoll-Touchscreen für die Klimasteuerung, der allerdings an Audi oder Land Rover erinnert. Etwas zu klein geraten wirkt der 8,8 Zoll große Infotainment-Bildschirm auf dem Armaturenbrett, der von einem unzeitgemäß-wuchtigem Plastikrahmen flankiert wird und nicht auf Fingertipps reagiert. Auch das Kombiinstrument, das noch mit klassischen Rundinstrumenten aufwartet, ist nicht ganz up-to-date.

Zum eigentlichen Herzstück des MX-30, dem Motor, äußert sich Mazda noch nicht konkret, er soll dem Vernehmen nach mit rund 103 kW/140 PS aber leistungsmäßig im Mittelfeld liegen. Mehr Power erscheint in Anbetracht der recht klein dimensionierten Batterie auch unwahrscheinlich, Mazda packt nur einen 35,5 kWh großen Lithium-Ionen-Speicher in den MX-30. Die Reichweite soll bei rund 200 WLTP-Kilometern liegen; das ist insofern erstaunlich, als dass der deutlich kleinere und mit 1,5 Tonnen wahrscheinlich auch leichtere Honda e mit der gleichen Energiemenge nicht weiterkommt.

Bei der Ladeleistung bewegt sich Mazda in gewohntem Fahrwasser: An Wechselstrom-Steckdosen tankt der MX-30 mit maximal 6,6 kW Energie, am CCS-Stecker lädt der Japaner mit 50 kW. Klar ist: Mit dem kleinen Akku und der geringen Reichweite positioniert Mazda den MX-30 als reines Stadtauto. Zumindest in der Batterie-Version, denn: Die Japaner arbeiten – auch das kennen wir von BMW – schon an einer Range-Extender-Variante. Als Reichweitengarant kommt der von Mazda immer mal wieder hervorgezauberte Wankelmotor zum Einsatz, der sich dank seiner kompakten Bauweise platzsparend einbauen lässt. Wie viele Kilometer der Zusatzbenziner bringt, steht noch in den Sternen, und ob sich die Kunden darauf einlassen, ein eigentlich sauberes E-Auto mit Auspuff zu kaufen, auch.

Bei BWM hat sich zumindest in Europa zuletzt nur rund ein Viertel der Käufer für den Range Extender entschieden, weshalb die Münchner den Otto hierzulande komplett aus dem Programm nehmen wollen. Ob die Nachfrage nach den Extra-Kilometern in Zukunft wieder steigt, werden wir erst ein, zwei Jahre nach dem Start des MX-30 erfahren; so lange will sich Mazda mit der Range-Extender-Version noch Zeit lassen. Die Batterievariante kann dagegen für 1.000 Euro Anzahlung ab sofort als First-Edition online reserviert werden, erst in der zweiten Hälfte 2020 sollen die Autos ausgeliefert werden. Vor allem auch mit Blick auf etwaige CO2-Strafzahlungen hofft Mazda, noch im kommenden Jahr in Deutschland ein paar Tausend Autos zuzulassen. Ob das gelingt, dürfte am Ende auch vom Preis abhängen – und der ist mit 33.990 Euro für die First-Edition nicht gerade ein Schnäppchen. Mit dem MX-30 steigt nun auch Mazda in die Elektromobilität ein. Der Stromer kommt mit überraschend kleinem Akku und erinnert in manchen Punkten an einen höhergelegten BMW i3.

Fazit

Mit dem MX-30 steigt nun auch Mazda in die Elektromobilität ein. Der Stromer kommt mit überraschend kleinem Akku und erinnert in manchen Punkten an einen höhergelegten BMW i3.

Quelle: Autoplenum, 2019-10-23

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