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Testbericht

Sebastian Viehmann, 6. Mai 2009
Frühlingsgefühle bei Alfa Romeo: Ein neuer Turbo-Benziner soll beim 159 künftig Sportlichkeit und Sparsamkeit in Einklang bringen. Wir haben schon mal ausprobiert, ob die italienische »Formel Fahrspaß« aufgeht.

Die 1750 ist Alfas Glückszahl. Modelle wie der 1750 Berlina oder der 1750 GTV waren in den 60er und 70er Jahren Garanten für Fahrspaß vom Feinsten. Dass der Hubraum mit 1779 Kubikzentimetern ein wenig größer war als das Kürzel nahe legt, störte Alfa damals genau so wenig wie heute: Der neue 1.8 TBi hat eigentlich 1742 Kubikzentimeter Hubraum. Doch auch wenn der 1750-Schriftzug stolz auf der Motorabdeckung prangt, zeigen das kleine angehängte "i" und der Zusatz "Turbo Benzina", wie wenig das neue Aggregat mit seinen Vorgängern zu tun hat. Saugmotoren stehen auch bei Alfa auf der Liste der bedrohten Arten, zumindest wenn es um leistungsstarke Vierzylinder geht. Der 1.8 TBi 16V mit Turboaufladung und Direkteinspritzung leistet 147 kW (200 PS) und ersetzt den durstigen 2.2 JTS (136 kW/185 PS). Gleichzeitig ergänzt ein neuer Dieselmotor mit 125 kW/170 PS die Palette.

"Mit den neuen Motoren bringen wir den Fahrspaß wieder näher. In der letzten Zeit hat uns das vielleicht ein bisschen gefehlt", sagt Heico van der Luyt, Alfa-Markenchef in Deutschland. "Mit diesen Aggregaten kann man anderen schnellen Autos das Leben richtig schwer machen", freut sich auch Alfas Motorenentwickler Dirk Andriesse. Und nicht zuletzt soll der neue Benziner den 159 sparsamer machen – die Italiener versprechen einen Durchschnittsverbrauch von 8,1 Litern pro 100 Kilometer, während der 2.2 JTS auf der gleichen Distanz stolze 9,2 Liter verbrennt. Zudem erfüllt der TBi die Euro-5-Norm.

Das alles dürfte den durchschnittlichen Alfa-Fahrer freilich nicht ganz so sehr interessieren wie die Frage, wieviel Fahrspaß der Motor bietet. In diesem Punkt kann man Entwarnung geben: Zwar empfiehlt es sich, den Drehzahlmesser nicht zu weit unter 2000 Touren fallen zu lassen, doch der Motor ist elastisch wie ein Gummiband – vor allem im Bereich zwischen 80 und 120 km/h, wo sich viele Überholmanöver abspielen. Die Kraftentfaltung geht dabei kontinuierlich und ohne überfallartigen Turbo-Schub vonstatten, begleitet von einem singenden, Turbinen-artigen Sound. Traktionsprobleme sind dem Italiener fremd, auch Antriebseinflüsse in der Lenkung spürt man kaum.

Unterstützt wird der Charakter des Alfa durch sein gut abgestimmtes Sechsganggetriebe mit kurzen Wegen. Den Spurt von 0 auf 100 km/h schafft der 159 in 7,9 Sekunden. Erst ab 160 km/h auf der Autobahn ermüdet der Beschleunigungsdrang spürbar. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 235 km/h. Passend zum Motor gibt sich auch das Fahrwerk: Straff abgestimmt und an der Vorderachse manchmal etwas holprig, doch ideal für schnelle Kurvenfahrten. Der Alfa bleibt lange neutral, die Lenkung ist nicht übermäßig, aber ausreichend direkt.

Optisch bleibt der 159, wie er ist – betörend schön, aber beim Rangieren unübersichtlich. Auch im Innenraum gibt es Licht und Schatten. Zu letzterem gehört vereinzelt Nachlässigkeit in der Verarbeitung, die sich an lockeren Verkleidungen oder der lieblos befestigten Abdeckung des Handbremshebels äußert. Die Sitze bieten zwar recht guten Seitenhalt, aber eine zu kurze Sitzauflage.

Auf der Habenseite hat der Alfa dafür immer noch eines der schönsten Cockpits weit und breit: Die Mittelkonsole ist zum Fahrer hin geneigt wie in BMWs besten Zeiten, das Lenkrad ist schön griffig und die Instrumente haben natürlich italienische Beschriftungen. Schick, aber etwas seltsam kommt der Drehzahlmesser daher, der bis 8000 Touren reicht – da die Zahlen komplett von einem roten Ring umgeben sind, ist der "rote Bereich" in weiß dargestellt. Nicht fehlen dürfen natürlich die drei Zusatzinstrumente in der Mittelkonsole, die den Piloten über Benzinvorrat, Kühlwasservorrat und Ladedruck auf dem Laufenden halten.

Die Serienausstattung des 159 hat Alfa zur Einführung der neuen Motoren etwas aufgestockt. Unter anderem sind beim Basis-Modell elektrische Fensterheber, Zweizonen-Klimaautomatik, Tempomat, Nebelscheinwerfer, Lederlenkrad und Multifunktionsdisplay an Bord. Weitere Extras, darunter auch zahlreiche Zierteile für außen und innen, gibt es in Komfort- und Sportpaketen.

Um Kurzentschlossene zu ködern, will Alfa den 159 1.8 TBi bis Ende Juni zum Einführungspreis von 24.990 Euro anbieten, danach ist der reguläre Preis 29.700 Euro. Der Sportwagon kommt auf einen Grundpreis von 31.050 Euro. Zum Vergleich: Der Audi A4 2.0 TFSI (180 PS) ist ab 31.600 Euro zu haben, der BMW 325i (218 PS) ab 35.700 Euro, der VW Golf GTI (210 PS, Viertürer) ab 27.400 Euro und der Seat Leon FR (210 PS) ab 25.690 Euro.

Quelle: Autoplenum, 2009-05-06

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