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Testbericht

15. Februar 2015
Marseille, 16. Februar 2015 - Citroën hat den Golf-Konkurrenten C4 erneuert. Das Modell kam 2010 in der zweiten Generation auf den Markt, seitdem wurde es nach Angaben des Unternehmens über 450.000-mal gebaut. Nun wurde eine Generalüberholung vorgenommen, die vor allem aus dem Einsatz sparsamerer Motoren besteht. Aber auch am Außen- und Innendesign wurden Retuschen vorgenommen. Wir haben den neuen 130-PS-Benziner und den neuen 120-PS-Diesel gefahren. Ich bin zwei Öltanks Zunächst muss man wissen, dass aus Citroën nach dem Motto "Ich bin zwei Öltanks" künftig zwei Marken werden: Citroën hier und DS da. In einigen Ländern ist die Abspaltung der bisherigen Submarke DS als eigenständiges, sportlich-exclusives Label bereits recht weit gediehen, zum Beispiel in China oder in Frankreich. In Deutschland beginnt der Prozess erst noch, unter anderem durch Einrichtung getrennter Ausstellungsräume. Hier soll man sich wohlfühlenIn diesem Zusammenhang definiert sich Citroën neu, den Beginn machte man mit dem viel beachteten C4 Cactus (der mit den Luftpolstern außen an den Türen). Die neuen Leitlinien lauten: Ein Citroën wirkt nicht aggressiv. Komfort steht im Vordergrund. Ein Citroën ist für Leute, die eine gelassene Fahrweise bevorzugen und sparsam voran kommen wollen. Die Alltagstauglichkeit und das Wohlfühlen an Bord sind wichtig. So erläuterte es uns Benjamin Demonzay, der Leiter der Citroën-Produktkommunikation in Frankreich. Dass sich die Marke auch mit Wagemut und Kreativität auszeichnen soll, lassen wir einmal dahingestellt ...
Lahme Gurken? Nun, das mit der gelassenen Fahrweise hat mich doch ein wenig stutzig gemacht. Sollen uns hier etwa lahme Gurken als die Verheißung verkauft werden? Ich kann Sie beruhigen, beide gefahrene Motorisierungen haben sich als recht spritzig erwiesen. Doch schauen wir uns zunächst die optischen Änderungen des C4 an. Neue Leuchten an allen Enden Außen gibt es ein neues Design der Frontscheinwerfer mit LED-Tagfahrlichtern. In die Rückleuchten arbeiteten die Designer einen markanten dreidimensionalen Effekt ein. Innen finden sich neue Sitzbezüge, aber vor allem ein schicker gemachtes Armaturenbrett samt Sieben-Zoll-Touchscreen. Die im Innenraum verwendeten Materialien sind ansprechend, das weichgeschäumte Cockpit sieht nett aus und fühlt sich gut an. Der Kofferraum fasst wie beim Vorgänger beachtliche 408 bis 1.183 Liter Gepäck. Navi mit Macken Das Navi allerdings gab insbesondere an unübersichtlichen Kreuzungen mit vielen Abbiegemöglichkeiten ungenaue Anweisungen, so dass ich mich mehrmals verfahren hatte. Bei einem kurzen Zwischenhalt stieg das System bei laufendem Motor einfach so aus und musste per erneuter Zieleingabe wieder auf Start gesetzt werden.
Unterschiedlicher Sitzkomfort Citroën-Produktmanagerin Alexandra Bérard hob die neuen Sitze hervor, die gegenüber dem Vorgänger komfortabler seien und mehr Seitenhalt böten. In der Tat sind die vorderen Sessel sehr bequem, straff genug und geben einen guten Seitenhalt. Meine vierstündige Testfahrt überstand ich darin ganz hervorragend. Allerdings schien der Verstellbereich des elektrisch einstellbaren Sitzes kürzer zu sein und höher saß man dort auch, die E-Motoren brauchen halt ihren Platz. Deshalb würde ich größeren Figuren die manuell verstellbare Variante empfehlen. Masseur an Bord Recht witzig ist die Massagefunktion für die Vordersitze (entgegen der offiziellen Verlautbarung von Citroën gibt es die nicht nur für den Fahrer, auch der Beifahrersitz war damit ausgestattet). Die funktioniert so, dass sich die Lordosenstütze recht schnell auf- und wieder abpumpt, wodurch der Rücken im unteren Bereich ein paar Zentimeter vorgeschoben wird und sich wieder gegen die Lehne zurückdrückt. Ein Massagesitz, wie man ihn von deutschen Luxusmobilen kennt, ist das natürlich nicht: Dort walken schließlich verschiedenste Stützelemente im Inneren des Sitzes nach unterschiedlichsten Mustern rauf und runter, vor und zurück, was den Eindruck eines regelrechten Durchgeknetetseins hinterlässt. 300 Newtonmeter mit dem Diesel Doch nun wollen wir die Testfahrt starten. Zunächst wähle ich den Diesel, genauer gesagt, den BlueHDI 120 mit Start-Stopp-System, der immer mit einem manuellen Sechsgang-Schaltgetriebe kombiniert ist. Der 1,6-Liter-Vierzylinder leistet 120 PS. Das maximale Drehmoment von recht beachtlichen 300 Newtonmetern liegt allerdings erst bei 1.750 Umdrehungen pro Minute an, so dass die Maschine etwas höher gedreht werden sollte als gewöhnlich, wenn man forcierten Leistungseinsatz wünscht. In 10,6 Sekunden ist der Wagen von null auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 197 km/h. Es gibt übrigens noch eine 100-PS-Variante mit Fünfgang-Schalter im Diesel-Angebot. Beide erreichen die Euro-6-Norm mit einem SCR-Kat, dem alle 20.000 Kilometer 17 Liter AdBlue zugeführt werden müssen.
Geräuschdämmung: Top Da die Dämmung des ganzen Autos hervorragend ist, bekommen die Ohren von höheren Drehzahlen nicht viel mit. Überhaupt fährt der Wagen sehr leise. Ich bin auf einer französischen Autobahn wagemutige 140 km/h gefahren (130 km/h waren erlaubt) und da hört man nur Windgeräusche und das Abrollen der Reifen, fast wie in der Oberklasse. Wankneigung: Gering Die Lenkung liegt in der Mittellage ruhig in der Hand und zeigt sich ziemlich direkt. Die Rückstellkräfte könnten größer und der Wendekreis kleiner sein. Citroën meint, dass der Wagen in agil gefahrenen Kurven wenig wankt und recht haben sie. Dies erstaunt umso mehr, als zumindest die Dieselvarianten äußerst komfortabel abrollen (dazu später mehr). Sportliches Fahren geht auch Aber auch eine sportliche Kurvenhatz macht der C4 mit, es scheint ihm geradezu Spaß zu machen, auf kurvenreichen Bergstrecken so richtig gefordert zu werden: Der Anzug ist spontan, die Kurvenlage willig. Der stärkste Benziner zieht allerdings noch eine Spur unangestrengter von dannen als der Diesel.
Benziner mit 110 und 130 PS Bei den Benzinern sind zwei 1,2-Liter-Dreizylinder mit 110 und 130 PS im Angebot. Der 110-PS-Motor ist immer an eine Fünfgang-Schaltung gebunden, beim 130-PS-Aggregat kann zwischen einer Sechsgang-Schaltung und einem neuen Sechsgang-Automaten gewählt werden (zuvor gab es noch eine Antiquität mit nur vier Automatikgängen). Ich fuhr die 130 per Automatik sortierten PS. Schnelle Automatik Richtig drehfreudig kann diese Maschine abgehen, dazu verhilft sicherlich das Drehmoment von 230 Newtonmeter ab 1.750 U/min. Zudem schaltet das Getriebe schnell und entscheidet sich stets für den passenden Gang. Per Knopfdruck auf "Sport" gestellt, wird gleich eine Stufe zurückgeschaltet und die Gänge werden höher ausgedreht. So wird das Überholen eines LKW auf der Landstraße zum Kinderspiel. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h dauert hier 10,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt wie beim Diesel 197 km/h. Der Benziner zeigt Härte Auffällig war, dass das Fahrwerk des Benziners mehr Härte und weniger Schluckfreude als beim Diesel zeigte. Ich fragte nach und erhielt die Erklärung, dass Federn, Stoßdämpfer und die Stabilisatorstange unterschiedlich sind. Erstaunlich, wie stark sich das auf den Charakter des Autos auswirkt. Beide Varianten fuhren übrigens mit 17-Zoll-Rädern.
Niedrige Verbräuche So kann man bei der Wahl zwischen Benziner und Diesel eine einfache Rechnung aufmachen: Wollen Sie mehr Komfort, dann wählen Sie einen der Diesel, stehen Sie auf etwas mehr Sportlichkeit, so greifen Sie zu einem der Benziner. Für den starken Diesel weist Citroën einen Durchschnittsverbrauch von 3,6 Liter pro 100 Kilometer aus. Der 130-PS-Automatikbenziner soll laut Citroën auf 100 Kilometer durchschnittlich 4,9 Liter Sprit verbrennen. Viele Sicherheitsfeatures Für alle Modelle sind serienmäßig beziehungsweise gegen Aufpreis neue Sicherheitsausstattungen verfügbar, darunter eine "intelligente" Traktionskontrolle, eine Berganfahrhilfe, ein Spurassistent und ein Toter-Winkel-Assistent. Außerdem gibt es noch die Citroën-Connect-Box. Diese stellt zum Beispiel Notrufdienste bereit. Das erfolgt über eine integrierte SIM-Karte, womit im Falle des Falles das Auto genau lokalisiert werden kann. Zu haben ab 16.990 Euro Die Listenpreise für den neuen Citroën C4 starten bei 16.990 Euro. Dafür gibt es den 110-PS-Benziner in der Basisausstattung "Live". Immerhin ist eine Klimaanlage an Bord. Ein Radio ist im Paket mit Nebelscheinwerfern samt statischem Abbiegelicht und 16-Zoll-Stahlfelgen für 690 Euro erhältlich (welch seltsamer Zubehörmix). Der von mir gefahrene 130-PS-Benziner kostet mit der Sechsgang-Automatik ab 22.990 Euro, während der 120-PS-Diesel ab 23.540 Euro in der Preisliste steht - sicherlich nicht wenig Geld, aber im Konkurrenzvergleich auch nicht überzogen.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Reihen-Dieselmotor
Hubraum:1.560
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:88 kW (120 PS) bei UPM
Drehmoment:300 Nm bei 1.750 UPM
Preis
Neupreis: 23.540 € (Stand: Februar 2015)
Fazit
Der Citroën C4 war schon vor der Überarbeitung ein interessanter Kompaktwagen. Sein eigenständiges Design kann nun noch mehr überzeugen. Trotz der Beschränkung auf einen 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner und einen 1,6-Liter-Vierzylinder-Diesel - jeweils in unterschiedlichen Leistungsstufen - ist das Motorenangebot ausreichend. Überzeugen kann der C4 mit seinem Komfort, seiner Geräuscharmut und seiner Handlichkeit. Da auch die Sicherheitsausstattung auf der Höhe der Zeit ist, sei der Franzose allen empfohlen, die in der Kompaktklasse nicht die übliche Hausmannskost wollen. + laufruhige, kräftige Motoren, sauber geführte manuelle Schaltung, niedrige Verbräuche, direkte Lenkung, geringe Wankneigung, großer, gut nutzbarer Kofferraum, sehr gute Sitze, gute Serienausstattung - straffes Abrollverhalten (nur Benziner), hinteres Platzangebot nur mäßig, einige Extras nur im Paket
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2015-02-15

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