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Testbericht

23. Januar 2011

507 PS, also so viel wie der letzte BMW M5. Dabei hat der neue Alpina weder dessen Zehnzylinder-Sauger noch den Kompressor-V8 seines eigenen Vorgängers unter der Haube. Er trägt einen wortgewaltigen Zusatz als selbstbewusstes Zeichen der Aufladung im Namen – B5 Biturbo. Die Bezeichnung ergibt sich aus der Basis der neuen Allgäuer Sportlimousine: dem bereits serienmäßig hervorragenden BMW 550i, derzeit der stärkste 5er. Bei einem guten Thriller entsteht der Grusel im Kopf, nicht auf der Leinwand. Sinngemäß gilt dies bei einem Biturbo-Alpina fürs Besondere. Es ist das Wissen um die Geschichten des Dampfrad-Biturbos – und natürlich die Begehrlichkeit, geweckt durch die Exklusivität.

Alpina B5 Biturbo als Konkurrenz zum BMW M5 95.400 Euro Grundpreis stellen sie im Falle des Alpina B5 Biturbo sicher. Zusätzlich sollte man sich die Differenzialsperre für 2.995 Euro gönnen, damit die 700 Newtonmeter möglichst auf der Straße und nicht in der Traktionskontrolle landen. Subtil, unterschwellig, distinguiert. Attribute, die ein Alpina immer erfüllen muss, damit er als Alternative zu den BMW M-Modellen bestehen kann. Dezenter muss er auftreten, was dem Alpina B5 Biturbo von vorne auch gelingt. Hinten dagegen fällt der Blick etwas kritischer auf vier ovale Auspuffendrohre, die jedoch homogen in die flächige Heckschürze integriert sind. Das Testosteron darf einem Alpina schließlich nicht aus allen Sicken quellen. Den Pelz nach innen zu tragen heißt in diesem Fall, die Potenz unter der Haube zu verstecken. Der Kenner allerdings dürfte beim Anblick des Frontspoilers des Alpina B5 Biturbo bereits mit der Zunge schnalzen und sagen: "Es ist nicht nur ein BMW. Es ist ein Alpina." Einerseits kam ein Zierstreifen hinzu, andererseits fielen die Nebelscheinwerfer weg; sie mussten größeren Luftöffnungen weichen, was die Optik aufräumt. Weiteres Erkennungszeichen des Alpina B5 Biturbo: die Speichenräder, die Tieferlegung um zehn Millimeter und nicht zuletzt die Hausfarbe Alpina-Blau Metallic (2.870 Euro). Basslastiger V8-Sound im Alpina B5 Biturbo Wer die Befugnis zum Öffnen der Tür erhält, wird sofort die intensiv leuchtende Maserung des Myrte-Wurzelholzes mustern, bevor er seinen Blick über die dezenten Alpina-Embleme auf Sitz und Armaturenbrett schweifen lässt und dieser bei den grün-blauen Nähten des Lenkrads verharrt. Diese traditionelle Konfiguration ließe sich im Alpina B5 Biturbo allerdings auch mit Pianolack auf coole Moderne trimmen. Tuchfühlung. Das Lenkrad liegt griffig in der Hand, nicht zu wulstig, nicht zu spillerig. Und die Kuppen der Mittelfinger ertasten die Knöpfe der Switchtronic, dem manuellen Eingriff in die Wandlerautomatik; rechts Plus fürs Hochschalten, links Minus. Starten wir den Biturbo. Auf Knopfdruck braut sich ein solides Bassfundament zusammen – der Ton eines potenten Triebwerks. Schon beim Anrollen zeigt sich, dass die Antriebs-Abstimmung des Alpina B5 Biturbo gelungen ist. Das Gas lässt sich feinfühlig dosieren und verkneift sich das Ungestüme einer progressiven Kennlinie. Gegenüber dem Kompressormotor des Vorgängers hat der 4,4-Liter-V8 an Ansprech-Leidenschaft verloren, aber an Niederdrehzahl-Autorität gewonnen.

700 Newtonmeter und Rennsporttechnik Unter mäßigem Gaseinsatz schaltet das Getriebe des Alpina B5 Biturbo fließend hoch, und der blau hinterlegte Tourenzähler zeigt selten über 2.000/min an. Der B5 befindet sich im Gleitmodus. Besonders fein ist die Fortbewegung bei manuell festgesetztem achtem Gang – wenn man auf der Autobahn die bis zu 700 Newtonmeter arbeiten lässt. Dank adaptiver Stoßdämpfer genießen die Passagiere dazu eine Federung, die anders als der steifbeinige Vorgänger-B5 dem Komfortanspruch von Alpina wieder gerecht wird. Aber der Alpina B5 Biturbo kann auch wild. Etwa seine acht Gänge im 150-Millisekunden-Takt durchzappen, unterlegt von einem satten Räuspern – hervorgerufen von der Zylinderausblendung während des Schaltvorgangs. Diese Technik stammt aus dem Rennsport, ist die Alternative zur Drehmoment-Reduzierung über Spätzündung. Alpina B5 Biturbo rennt bis zu 312 km/h Dämpfer auf Sport, Wählhebel in die S-Gasse. Nun schaltet das Automatikgetriebe des Alpina B5 Biturbo nicht mehr zwanghaft bei Erreichen der Drehzahlgrenze hoch – selbstbestimmende Fahrer wissen das speziell auf Handlingstrecken zu schätzen und lassen den Achtzylinder bis knapp 7.000/min hämmern. Mit allmächtigem Schub drängt der Zweitonner vorwärts, auf Wunsch bis über 300 km/h. Bei einem Hochgeschwindigkeitstest von auto motor und sport erreicht der Alpina B5 Biturbo auf der Kreisbahn in Nardo Tempo 312 und glänzt auf der ultraschnellen Rennstrecke mit überraschender Handlichkeit. Erkauft wird sie lediglich durch eine Vorliebe der 20-Zoll-Räder, bei hohem Tempo Spurrillen nachzuschnüffeln. Höhere Sturzwerte sorgen für mehr Grip an der Vorderachse des Alpina B5 Im Hinterkopf haben wir Andy Bovensiepens Vorliebe für eine fügsame Vorderachse und sein Unverständnis bezüglich der Tendenz moderner Fahrwerke, den Vorderachsen negativen Sturz zu rauben. Der technische Geschäftsführer ließ beim Alpina B5 Biturbo neue obere Querlenker einbauen, die den Sturz um 45 Minuten auf ein Grad erhöhen. Wer seine Achtsamkeit auf die Hände richtet, spürt in der mitteilsamen Lenkung tatsächlich die höhere Erdverbundenheit der Vorderachse. Auf anspruchsvollen Landstraßen gibt sie sich nicht widerstandslos dem Rutschen hin, überlässt dies bei übermütigem Gaseinsatz eher der Hinterachse, sofern der Sport-ESP-Modus (DTC) angewählt ist; er gestattet mehr Schlupf und dem B5-Fahrer eine größere Querdynamik-Entfaltungsmöglichkeit.

Fahrdynamisch rangiert der Alpina unter dem BMW M5 Die Fahrdynamik-Prüfung absolviert der Alpina B5 Biturbo im Vergleich zum aktuellen BMW 5er auf höherem Niveau, aber unter dem des eingestellten M5. Dabei federt der B5 deutlich besser und taugt uneingeschränkt als Erstwagen – zumal er mit einem Durchschnittsverbrauch von 14,5 Liter/100 km für einen 300-km/h-Potentaten noch einigermaßen effizient ist und bremst wie ein Sportwagen. Damit ist der Voralpen-Express der inoffizielle Patron der 5er-Baureihe und derzeit alternativlos für alle, die eine Sportlimousine mit Propeller-Wappen suchen. Diese Position füllt der B5 Biturbo aus wie kein Alpina zuvor. Am Ende mündet alles in eine Reihung aus Fünfen: Der B5 auf Basis des 5er erhält fünf Sterne.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-01-23

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