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Testbericht

21. Dezember 2015
Eine ausgewachsene Raubkatze, mindestens, die hätte es sicher gebraucht. Ein schnöder Kater jedenfalls hätte kaum gereicht, um die Stimmung nach den rauschenden Feierlichkeiten zu Alpinas 50. Firmengeburtstag zu umschreiben. Wobei es sich dabei um eine Annahme handelt, die auf der Tatsache basiert, dass vier Tage am Stück gefeiert wurde. Für das Jubel-Modell Alpina B6 Biturbo Edition 50 wird es jetzt aber ernst.Da schon lange kein Alpina-BMW mehr zum Einzeltest zu Gast war, ist es nun an der Zeit - und wenn nicht das stärkste je gebaute Straßenfahrzeug des Kleinserienherstellers, welches dann? Eben. Aber weshalb fährt das B7 S Turbo Coupé mit durchs Bild? Einfach so. Es gab nur 30 Stück, also gingen wir davon aus, dass Sie sich freuen, mal wieder eins zu sehen.

PS-Bolide mit mächtigem V8 Sound
Nur kurz sirrt der Anlasser, dann rauschen unaufhörlich dumpfe Bassfrequenzen aus den vier Endrohren der Titan-Abgasanlage des Alpina B6 Biturbo. Ja, jetzt heißt es V8, zweifelsohne, nochmals eine Oktave tiefer als im M6, und im Gegensatz zur Basis 650i deutlich wahrnehmbar. Genau zwischen den beiden BMW-Modellen sieht sich der Alpina, wenngleich sein 4,4-Liter-Triebwerk das des M6 in Leistung und Drehmoment übertrifft: 600PS und 800 Newtonmeter - eine mächtige Geburtstagstorte.Ob sie wegen der ganzen Buttercreme überhaupt zu verdauen ist? Schließlich bleibt der 6er auch als Alpina ein, nun ja, stattlicher Bursche, wuchtet die Kleinigkeit von 1,95 Tonnen auf die Waage. Dass der mit Akrapovic zusammen entwickelte Auspuff gegenüber einer Edelstahlvariante 17 Kilogramm Gewicht einspart, wirkt da ein bisschen so, als gäbe man einem Elefanten morgens nur einen Apfel, damit er sich nachmittags im Porzellanladen leichter umdrehen kann.

Alpina B6 Biturbo in 4 Sekunden auf Tempo 100
Wie auch immer, der Klang jedenfalls begeistert, denn er ist voll und vor allem echt. Und auch die Masse des Coupés liefert sich der Gewalt des gegenüber der B6-Basis mittels größerer Luftfilter und bearbeiteter Ansaugwege modifizierten Biturbo-Aggregats rasch aus, Gegenwehr zwecklos.In gerade einmal vier Sekunden reißt es die 100-km/h-Mauer ein, stapft stoisch weiter, watscht nach 12,4 Sekunden die 200-km/h-Marke ab - und bremst bei Bedarf mit einer maximalen Verzögerung von deutlich über 11 m/s². Bereits ab dem ersten Meter schüttet das mit eigenen, größeren Ladern versehene BMW-Triebwerk (nun mit 1,4 statt 1,0 bar Ladedruck) alles und jeden mit Drehmoment zu, gibt gar nicht erst vor, eigentlich ein hochdrehender Saugmotor sein zu wollen (so wie der des M6 zum Beispiel). Germknödelgleich melden sich die versammelten Newtonmeter warm und wohlig in der Magengegend der Insassen, in deren Rücken sich allmählich die Karosteppung der Retro-Ledersitze abzeichnet, mit der sich der glückliche Edition-50-Kunde für die Kleinigkeit von 12.000 Euro selbst beschenken darf. Dann überzieht die hauseigene Sattlerei aber auch so ziemlich alles andere im ansonsten weitgehend serienmäßigen Interieur mit Tierhaut, abgesehen vielleicht von den Glühwendeln des Zigarettenanzünders.

B7 S Turbo, der Senior
Im B7 S Turbo Coupé von 1982 spannt sich dagegen grün-gelb karierter Stoff über dünn gepolsterte Recaros - Campingstuhl statt Sessel wie im Alpina B6 Biturbo, in beiden Fällen allerdings mit deutlich besserem Seitenhalt als die Seriensitze. Überhaupt verzettelt sich der B7 nicht etwa in künstlicher Distinguiertheit, denn mit seinem unruhig brabbelnden Sechszylinder, der Batterie analoger Zusatzinstrumente und den pornoesken Zierstreifen und Schriftzügen war er wild. Und er ist es immer noch.Grummelig, leicht heiser, kommt der aufgeladene 3,5-Liter-Motor aus dem Block, klingt eigentlich wie die M30B35-Basis - und fühlt sich auch genauso an. Der Turbolader faulenzt noch ein wenig herum, überlässt es der Kraft, sich aus dem Hubraum zu nähren. Erst knapp über 3.000/min bricht leise pfeifend jene mächtige Druckwelle, die das knapp 1,6 Tonnen schwere Coupé gen Horizont presst, während die Umgebung im schnellen Vorlauf über die großen Glasflächen hinwegspult.

B7 schon 1984 mit Bestwerten im Test
Jetzt grantelt er mächtig, der Senior, brodelt, schreit heiser, zischelt, pfeift und knallt - die Fahrstuhlmusik auf dem Weg in eine Fahrleistungsdimension, die 1982 für nur wenige real war. Mit einer Beschleunigung von 6,1 Sekunden stach er in Heft 16/1984 sogar den M635 CSi um vier Zehntelsekunden aus, zog auf der Autobahn mit einer Höchstgeschwindigkeit von 270km/h davon, während der BMW bei 256km/h nicht mehr schneller werden wollte. Selbst wenn es mal nicht geradeaus ging, hielt der Alpina mit. Er packt einen mit seiner Unverblümtheit und natürlich mit seinem maximalen ungefilterten Drehmoment von 512Nm. Also hockst du da hinter dem Armaturenbrett genannten Kunststoffberg, freust dich über die Dreistigkeit der 50er-Skalierung des Tachos und die zuckende Nadel des Ladedruckmessers. Du bist es, der Kraft kanalisiert, ein etwas hakeliges Fünfganggetriebe sowie ein mechanisches Sperrdifferenzial helfen dir, mehr aber nicht, schon gar keine Elektronik - und dennoch oder gerade deshalb willst du mit dem B7 feiern, jeden Abend, ausgelassen.

Vielseitiger Alpina B6 Biturbo überzeugt
Und mit dem Alpina B6 Biturbo? Eigentlich schon auch, nur dass er für viele wunderbare Party-Locations einfach ein wenig zu breit erscheint. An Talent fehlt es nicht, ganz sicher nicht, denn fahrdynamisch hält er problemlos mit einem M6 Competition mit, obwohl seine Hinterachse nicht starr mit der Karosserie verbunden ist und das Fahrwerk tatsächlich noch guten Federungskomfort zulässt. Zudem sorgt sich Alpina noch heute mittels eines Sperrdifferenzials um die Traktion, entzieht den Regelsystemen ein Stück weit das Vertrauen.Die Spreizung der adaptiven Dämpfer übertrifft die der Basis deutlich, erlaubt zusammen mit den 20-Zoll-Rädern ein breites Spektrum zwischen Komfort und Dynamik. Das ebenfalls spezifisch abgestimmte Achtgang-Automatikgetriebe passt ins Bild, schaltet grundsätzlich schneller, aber selbst im Sport-Programm nicht so aufgekratzt wie das des Serienmodells - wozu auch.Wie es also auch immer am Morgen nach der großen Sause bei der Alpina-Inhaberfamilie Bovensiepen aussah, das selbst gemachte Geburtstagsgeschenk hätte kein schöneres sein können. Das Coupé beschleunigt brachial, ohne Halswirbel knacken zu lassen. Es fegt wild durch Kurven, ohne hinterhältig zu sein. Es spult gelassen lange Distanzen ab, ohne fad zu werden. Es passt also perfekt in die kleine Nische zwischen BMW und M-Modell - so wie die meisten Alpina der letzten 50 Jahre.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-12-21

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