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Testbericht

21. November 2010

So ziemlich die einzige Option, die bei BMW und Mercedes nicht mit einem Preisaufschlag geahndet wird, lautet "Entfall Typkennzeichen". Ein beliebtes Extra, weil ja nicht jeder wissen muss, ob der BMW 3er oder die Mercedes C-Klasse den großen Sechszylinder mit 300 PS oder den nur halb so starken Basismotor unter der Haube hat. Schließlich haftet den kleinen Vierzylindern bis heute der Ruf an, für die feine Welt der Premium-Mittelklasse nicht fein genug zu sein.

Einstiegsversionen von 3er und C-Klasse mit mehr Power Dabei ist offenbar nur noch nicht überall angekommen, dass sich trotz Diesel-Hype auch bei den Einstiegs-Benzinern einiges getan hat. BMW spendierte ihnen schon 2007 das Ökopaket "Efficient Dynamics", das neben einer deutlichen Verbrauchssenkung eine willkommene Leistungsspritze beinhaltet. Seither bringt es der günstigste BMW 3er, der 318i für 28.700 Euro, auf 143 statt 129 PS sowie 190 statt 180 Nm und konsumiert nach ECE-Norm einen Liter weniger als zuvor. Auf den nächsten Schritt - kleinerer Hubraum bei gleichzeitiger Aufladung - muss man jedoch noch bis zum Modellwechsel im Jahr 2012 warten. Mercedes hat das Thema Downsizing bereits 2002 umgesetzt, verpasste dem auch in der C-Klasse verbauten und auf 1,8 Liter Volumen reduzierten Vierzylinder einen Kompressor für mehr Leistung und weniger Verbrauch. Die jüngste Umstellung auf Turbolader, Direkteinspritzung und Start-Stopp soll in Verbindung mit weiteren Detailmaßnahmen nochmals eine Verbesserung bringen, doch abgesehen vom höheren Drehmoment (250 Nm bei 1.600/min statt 230 Nm bei 2.800/min) steht der neue Mercedes C 180 CGI für 32.219 Euro in den Eckdaten nicht besser da als sein Vorgänger. Mercedes C 180 CGI mit guter Durchzugskraft Dennoch wirkt der kultivierte Vierventiler mit 156 PS in der Mercedes C-Klasse überraschend lebhaft, dreht sauber und ruckfrei aus dem Leerlauf hoch und beschleunigt die 4,58-Meter-Limousine in 8,5 Sekunden auf Landstraßentempo. Dank der guten Durchzugskraft kommt man selbst an Steigungen zügig voran, muss selten zum etwas unexakt geführten Schalthebel greifen und fährt oft im großen Gang. Das senkt das Innengeräusch und den Verbrauch, obwohl der aktuelle Testwagen (8,9 L/100 km) nicht so sparsam war wie ein 2008 gemessenes Blue-Efficiency-Modell mit 1,6-Liter-Kompressormotor (8,2 L). Trotz seines größeren Hubraums ist der Zweiliter-Sauger im BMW 318i dem aufgeladenen Mercedes-Triebwerk in Leistung und Drehmoment spürbar unterlegen, was sich vor allem in der geringeren Elastizität niederschlägt. Kommt der etwa gleich schwere BMW 3er in der Stadt noch munter in Fahrt, so wirkt er bei Autobahntempi zäh und kraftlos. Der lange sechste Gang erfordert zudem häufigeres Schalten und Ausdrehen, tendenziell ist immer ein niedrigerer Gang eingelegt als im Mercedes C 180. BMW 318i mit niedrigerem Verbrauch als die C-Klasse Umso erfreulicher, dass das höhere Drehzahlniveau im BMW 3er weder zu Lasten des Geräuschkomforts noch des Spritkonsums geht. Das Mittel liegt sogar einen halben Liter unter dem der Mercedes C-Klasse im Test, und wer es darauf anlegt, kommt mit weniger als sechs Liter 100 Kilometer weit - unter freundlicher Mithilfe serienmäßiger Sparhilfen wie Start-Stopp-Automatik, abkoppelnder Lichtmaschine und bedarfsgesteuerter Lufteinlässe. Dennoch: Die sprichwörtliche Freude am Fahren will sich beim Basis-BMW 3er, zumindest was den Antrieb betrifft, nicht einstellen.

In jeder anderen Hinsicht erfüllt der BMW 3er hingegen die Ansprüche der Fans: Ergonomische Sitzposition, rückmeldefreudige Lenkung sowie präzise Schaltung und Schalter mischen sich mit der ausgewogenen Gewichtsverteilung zu einem leckeren Fahrdynamik-Cocktail ohne Katergefahr. Dank des hervorragend abgestimmten ESP absolviert der BMW 318i selbst schnelle Richtungswechsel sicher und stabil, verzögert allerdings trotz optionaler 17-Zoll-Bereifung nicht ganz so energisch und auf µ-split so spurtreu wie die Mercedes C-Klasse. Dass er keine Sänfte ist, sondern speziell mit den flankenverstärkten Notlaufreifen eher holprig und straff federt, gehört indes zum sportlichen Habitus. Mercedes C 180 CGI mit typischen Mercedes-Tugenden Bei Mercedes sieht man das traditionell anders. Entspanntes, sicheres Vorankommen gilt hier als höchstes Gut. Kleine und mittlere Unebenheiten behelligen die Insassen der Mercedes C-Klasse im Test nur am Rande, erst schwere Verwerfungen bringen die mechanisch-adaptiven Dämpfer an ihre Grenzen und die Fuhre zart ins Pumpen. Ansonsten gleitet man auf wenig konturierten Sitzen behaglich, leise und komfortabel dahin, registriert das sachliche, sauber verarbeitete Interieur und die übersichtlichen Rundinstrumente ebenso wohlwollend wie die gut strukturierte Bedienung oder das hervorragende Licht der optionalen Bi-Xenonscheinwerfer. Ein agiles oder gar nervöses Handling passt hingegen nicht zum Konzept des unaufgeregten Fahrens. Doch obwohl die Mercedes C-Klasse die Dynamik-Tests durchweg langsamer absolviert als der BMW 3er, ermöglicht sie hohe Kurvengeschwindigkeiten und präzise Kurskorrekturen, die sich mit der ruhigen, gefühlvollen Lenkung ohne großen fahrerischen Aufwand bewältigen lassen. Das gute Gefühl untermauern kräftig zupackende, standfeste Bremsen sowie die umfangreiche Sicherheitsausstattung.

Basis-Benziner im BMW 3er erfüllt nicht die Erwartungen Nicht alles davon ist im Grundpreis enthalten, und auch für die üblichen Nettigkeiten wie Metallic, Leder oder Navigationssystem muss man hier wie dort kräftig zuzahlen. Doch obwohl der BMW 318i bei Anschaffung und Unterhalt insgesamt günstiger abschneidet, erfüllt der laue Basis-Benziner nicht wirklich die dynamischen Erwartungen an einen BMW. Bei Mercedes bekommt man hingegen schon zum - allerdings etwas höheren - Einstiegstarif eine vollwertige, komfortable, harmonisch motorisierte Mercedes C-Klasse. Grund genug, dem Mercedes C 180 CGI nicht den Schriftzug am Heck zu verwehren, sondern ihn mit Stolz zu tragen.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-11-21

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