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Testbericht

20. September 2011

Mächtiger verchromter Kühlergrill, massive Türgriffe außen, braunes Leder im Antik-Look, flächendeckende Furnierung und ein dicker Lenkradkranz aus Holz - in seiner Präsenz erinnert der Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD irgendwie an einen Lkw. Nein, nicht an eine karge Flotten-Hütte, auf der Dieselknechte Stunden knüppeln, sondern an ein wohlfeiles Stück, das sich der solvente Selbstfahrer gönnt. Einer, der dem gesunden Dieselsound des neuen Dreiliter-V6 etwas abgewinnen kann, die Richtung nicht mit einem Spirrel-Lenkrad, sondern mit etwas Handfestem vorgeben will.

Famose ZF-Automatik im BMW X5 x-Drive 30d Und wenn er schon kein manuelles Getriebe befehligt, will der Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD wenigstens einen soliden Hebel durch die Gasse führen - selbst wenn nur fünf Gänge an einem flauschig weichen Wandler hängen. Hebel, Gasse, weicher Wandler? Da wiehert es aus München. Diese Zöpfe sind schon lange weggefegt. Beim BMW X5 x-Drive 30d befehligt der Pilot die famose ZF-Automatik elektronisch per Stick. Achtgang übrigens, womit klar wird, dass das hier eine schwere Kiste wird für den - ja was eigentlich? Ist der Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD Italiener oder Amerikaner? Nun, nach Fiat sieht beim Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD nichts aus, wohl aber nach Chrysler. Den Soundtrack liefert das serienmäßige Alpine-Soundsystem, dessen Subwoofer Hosenbeine flattern lässt. Ebenfalls akzentfrei Chrysler: das Bedienkonzept des Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD, die Mittelkonsole und der einsame Lenksäulenhebel, den sie bei Daimler Ingenieurshebel nennen. Nicht ganz zu Unrecht, denn Neulinge blenden erstmal auf, statt die Frontscheibe zu besprühen, blinken statt zu wischen. Aber irgendwann hat man es raus. Kein selbsterklärendes Infotainment im Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD Schneller als den richtigen Dreh beim Infotainment des Jeep Grand Cherokee. Die Kombination aus Berührungsbildschirm und Tasten verlangt für traumwandlerische Bedienungssicherheit längere Einarbeitung - ohne dass es jemals so geschliffen liefe wie beim i-Drive von BMW. Okay, Frischlinge brauchen auch hier einen kurzen Moment, bevor die Kombination aus Drehdrück-Steller, Tasten und großem Display ihre Bedienungs-Spitzenstellung einnehmen kann.

Zeit zur Abfahrt: Hier grinst wieder der Trucker an Bord des Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD. Hochbeinig und majestätisch fühlt er sich an, Fahrdynamik vom Start weg von sich weisend. Der neue, 241 PS starke Dreiliter-V6-Diesel hängt an einem wachsweichen Wandler und klingt so, als ob er viel Luft und viel Turbo zum Atmen bräuchte. Ehrlicher Maschinenbau eben. Auch truckmäßig: die farbige Markierung für den ökonomischen Drehzahlbereich. Blöd nur, dass der Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD diesen bereits auf der Landstraße verlässt. Im letzten Gang wohlgemerkt, es sei denn, man wird zum Amerikaner und cruist mit 55 Meilen umher, eine entsprechende Skala hat der Jeep bereits. Geländegängiger Jeep Grand Cherokee Und Gelände kann er auch, selbst wenn die Starrachse Historie ist. Wählbare Programme konditionieren Luftfedern, Differenzialsperre sowie das Ansprechverhalten, und schon stakst der Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD mit 27 Zentimeter Bodenfreiheit über Hindernisse. Hochbeinig? Da muss der BMW X5 x-Drive 30d passen, hält mit seinem elektronisch geregelten Allradantrieb und Bergabfahrhilfe dagegen. Und glaubt mir, Freunde: Der vermeintliche Luxusboy kann offroad mehr, als die meisten glauben - und mehr, als ihm normale Kunden zumuten. Der BMW X5 wird zwar in Amerika montiert, ist aber eine echte deutsche Ingenieursleistung. Sein Reihensechszylinder besitzt ähnliche Papierwerte wie der Jeep-V6, hängt dank fixer Wandlerüberbrückung aber viel spontaner am Gas, beschleunigt den 2,2 Tonnen schweren BMW X5 x-Drive 30d vehementer. Nebenbei schafft er auch noch die um acht km/h höhere Endgeschwindigkeit, dreht dank passender Übersetzung stets 1.000/min weniger als der Jeep. BMW X5 x-Drive 30d mit tollem Innenraum Zu diesem ingenieusen Eindruck passt auch der Innenraum. Kühl und loungig, verzichtet der BMW X5 x-Drive 30d auf Trucker- oder Trapperromantik. Selbst kritische Innenarchitekten bekommen beim Arrangement aus schwarzem Leder, dunklem Holz und sauber verarbeitetem Kunststoff keinen Ausschlag. Das Aufspüren qualitativer Mängel endet bis auf einen etwas schleifend laufenden i-Drive-Steller ergebnislos, und selbst beim Sitzkomfort liegt der BMW X5 vorn.

Dafür zeigt der Jeep Grand Cherokee auf Hebeldruck, wie elegant sich eine Rückbank flachmachen kann. Flachmachen - Stichwort für die herzhafte Landstraßenetappe, auf der der Jeep Grand Cherokee gegen den BMW X5 abfällt. Okay, der Jeep fährt besser als seine Vorgänger. Dennoch wankt er trotz Luftfederung und Adaptivdämpfern immer etwas unentschlossen um Kurven, befehligt von einer drehfreudigen, aber rückmeldungsarmen Lenkung. Straffer X5, gemütlicher Jeep Der BMW X5 x-Drive 30d dagegen verbindet eine präzise Lenkung mit präziser Radführung - ohne Voll-Luftfederung, jedoch mit adaptiven Dämpfern. Wer Fahrdynamik beim SUV mag, wird den ziemlich straff abgestimmten BMW X5 lieben. Jeep-Liebhaber hingegen fragen sich, warum sie ihren 2,4-Tonner überhaupt zu so etwas zwingen sollen. Mit Gemütlichkeit kommt man doch genauso weit - und verbraucht weniger. Im Schnitt sind es 12,4 L/100 km und 11,1 Liter beim BMW. Mit leichtem Gasfuß fließen auch mal weniger als zehn Liter. Zum Schluss die Preisfrage: Den mit Luftfederung, Nappaleder, Abstandsregeltempomat, Xenonlicht sowie Infotainment inklusive Navigation und Soundsystem verschwenderisch ausgestatteten Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD gibt es für 57.650 Euro. BMW lässt sich beim X5 30d für 54.500 Euro selbst die Zweizonen-Klimaregelung bezahlen - von Leckerem wie dem Fahrwerkspaket Adaptive Drive, Navigation und Lederpolstern ganz zu schweigen. Bei BMW ist halt der besonders solvente Selbstfahrer gefragt.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-09-20

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