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Testbericht

28. März 2010

Autos werden immer rundlicher? Im Windkanal auf Effizienz geschliffen, bis sie sich wie Kieselsteine ähneln? Sagen Sie das mal den Designern von Daihatsu Materia, Kia Soul und Nissan Cube. Bei den Kreuzungen aus Minivan und SUV dürften wohl eher Bauklötze als Inspirationsquelle gedient haben. Mit wuchtigen Frontpartien und nicht minder mächtigen Hinterteilen tauchen sie im Straßenbild jedenfalls ab wie Nilpferde im Pinguin-Gehege.

Der Nissan Cube ist ein beliebtes Tuning-Auto in Japan Auf dem Heimatmarkt bereits in dritter Generation angeboten, konnte sich vor allem der Nissan Cube als Kultmobil der japanischen Tuning-Szene etablieren. Aber auch deutsche Passanten staunen Bauklötze bei seinem Anblick, wobei nur zwei Meinungen möglich scheinen: Entweder er wird gemocht wie von unserem jungen Tankwart ("Hammercool"), oder er erntet verständnisloses Kopfschütteln. Unabhängig von Geschmacksfragen bringt seine Kastenform zunächst mal einige Vorteile mit sich: So ist Kopffreiheit vorn wie hinten kein Thema, während die leicht erhöhte Sitzposition Ein- und Ausstieg bequem macht. Die steil stehende Frontscheibe lässt in Reihe eins zudem vergessen, dass er mit knapp vier Metern nicht länger als ein Opel Corsa baut. Mit dem Nissan Cube werden Ladevorgänge nicht nur im Fahrbericht zum Show-Act Praktisch auch die Rückbank, die sich je nach Transportauftrag verschieben und in der Lehnenneigung justieren lässt. Aber machen wir uns nichts vor, ein Pragmatiker will der Nissan Cube nicht sein. Sonst hätten ihm seine Macher eine gewöhnliche Heckklappe spendiert und nicht diese seitlich schwenkende Kühlschranktür, die zwar meist im Weg steht, Ladevorgänge jedoch zur Show macht. Oder sie wären nicht nur im Dachbereich verschwenderisch mit Glas umgegangen, sondern auch dort, wo es der Übersichtlichkeit dient - etwa am Heck, wo kleine Bullaugen für eine intime Atmosphäre auf der Rückbank sorgen - und zum Parken nach Gehör zwingen. Vermutlich wäre auch der liebenswerte runde Mini-Flokati auf dem Armaturenbrett auf der Strecke geblieben. Seine langen Fransen sollen Handys und sonstigen Kleinkram während der Fahrt in Griffweite halten (tun sie nicht). Dafür lösen sie bei weiblichen Insassen Streichel-Reflexe und lautstarke Sympathiebekundungen aus. Der Daihatsu Materia wirkt wie ein zu heiß gewaschener Hot Rod Mit kantigem Aufbau und bösem Blick macht auch der Kia Soul auf Vorstadt-Revoluzzer. Doch in den Tiefen seines Interieurs wirkt er brav wie ein Punker auf Omis Geburtstag. Seine Fahrgäste empfängt er mit solider Materialqualität, übersichtlichen Instrumenten samt nettem Chromschmuck sowie den bequemsten Sitzen in dieser Runde. Zwölf große und günstig gelegene Ablagen unterstützen zudem bürgerliche Ordnungsliebe. Selbst kritische Betrachter akzeptieren da mit einem Augenzwinkern, dass die Lautsprecherringe seines Soundsystems (530 Euro) auf Parkplatz-Partys im Takt der Musik flackern. Wir waren doch alle mal jung. Der Daihatsu Materia wirkt von außen wie ein zu heiß gewaschener Hot Rod aus dem Amerika der dreißiger Jahre. Passend zur robusten Optik stattet Daihatsu den mobilen Würfel für nur 1.000 Euro Aufpreis sogar mit Allradantrieb aus. Der Daihatsu Materia-Kofferraum schrumpft auf 181 Liter Im Innenraum sind die Designer aber anscheinend in ein tiefes Kreativitätsloch gefallen. So können auch ein paar blaue Lichtakzente und der Pseudo-Klavierlack ums Radio nichts an der Hartplastik-Tristesse des spärlich bestückten Armaturenbretts mit seinem dürren Lenkradkranz ändern. Die schlichten Stoffbezüge seiner dünn gepolsterten Sitze und ein Dachhimmel in Presspappe-Anmutung erinnern jedenfalls verdächtig an wenig lauschige Jugendherbergsaufenthalte. Dabei hat der Pragmatismus auch seine guten Seiten: Wird die variable Rückbank bis zum Anschlag nach hinten geschoben, geht es im Fond luftiger zu als in mancher Mittelkasse-Limousine. Dass dann nur noch 181 Liter Kofferraum übrig bleiben, ist angesichts der kürzesten Karosserie hier verzeihlich. 103 PS genügen dem Daihatsu Materia für guten Durchzug im Fahrbericht Beim Fahren wird der Spaß generell etwas kleiner geschrieben, denn letztendlich sind alle drei trotz ihrer imposanten Erscheinung brave Kleinwagen. Das heißt konkret: Sparmaßnahmen wie fünf statt sechs Gänge, wenig Schallisolierung und daher hohes Geräuschniveau oder der Verzicht auf längs einstellbare Lenkräder. Die Kastenform führt außerdem zu höherer Windempfindlichkeit sowie zäher Beschleunigung jenseits der Autobahn-Richtgeschwindigkeit. An Leistung mangelt es hingegen in keinem Fall. Obwohl mit 103 PS noch am schwächsten motorisiert, zieht selbst der Daihatsu Materia munter los. Kein Wunder, bringt er doch knapp drei Zentner weniger auf die Waage als die kräftigeren Konkurrenten. Dank direkter Lenkung und agilem Handling wirft sich der Daihatsu Materia am agilsten ins Kurven-Geschlängel - unterlegt vom frech-vorlauten Motorsound seines drehfreudigen 1,5-Liter-Vierzylinders. Fahrbericht: Der Kia Soul zeigt das reifste Fahrverhalten Allerdings steht dem Temperament ab und an das Getriebe mit hakeligen Gangwechseln im Wege. Zudem wird der Daihatsu von den vielen Frostaufbrüchen des harten Winters kräftiger durchgeschüttelt als die Mitbewerber - untermalt von lautem Fahrwerkspoltern. Dafür beeindruckt das Leichtgewicht mit den kürzesten Bremswegen: Selbst voll beladen verzögert er in unter 38 Metern aus Tempo 100. Der Nissan Cube federt Unebenheiten zwar am lässigsten weg, verspürt aber keinerlei Veranlassung, sich querdynamisch ins Zeug zu legen. Mit wenig präziser Lenkung und stärkerem Untersteuern bringt er Landstraßenausflüge ähnlich motiviert hinter sich wie Teenager den Sonntagsspaziergang. Auch Sitze mit dem Seitenhalt eines Gymnastikballs scheinen an den Fahrer zu appellieren, es entspannt angehen zu lassen. Immerhin verkneift sich der 1,6-Liter lästige Verbrennungsgeräusche oder Vibrationen. Insgesamt zeigt der Kia das reifste Fahrverhalten.

Der Verbrauch ist bei allen drei Modellen im Fahrbericht recht hoch Zwar räubert er ebenfalls äußerst steifbeinig über kurze Unebenheiten, dafür nerven weder Fahrwerksgeräusche noch zu starke Seitenneigung. Außerdem überzeugt seine Lenkung mit der richtigen Mischung aus Gelassenheit und Präzision. Weitere Pluspunkte sammelt der Kia Soul mit seiner exakten Schaltung und dem durchzugskräftigen Vierzylinder. Beim Verbrauch fallen die Unterschiede hingegen gering aus. Kurz übersetzte Fünfgang-Getriebe sowie die wenig effiziente Aerodynamik schlagen sich in vergleichsweise hohen Mess-Verbräuchen von 8,3 bis 8,6 Liter/100 Kilometer nieder. Für rund 2.000 Euro Aufpreis locken Kia und Nissan Vielfahrer mit Diesel-Motoren, die besseren Durchzug bei weniger Verbrauch versprechen. Der Kia Soul bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis im Fahrbericht In der gefahrenen Benzin-Version geht nach dem Eigenschafts-auch das Kostenkapitel an den Kia. Sieben Jahren Garantie und dem geringsten Basispreis haben die Konkurrenten wenig entgegenzusetzen, zumal im Basis-Soul für 15.900 Euro Klimaanlage oder CD-Radio samt iPod-Steuerung bereits inklusive sind. Mit dem Funktions-Paket (Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, Lenkradtasten fürs Radio sowie elektrisch verstellbare und beheizbare Außenspiegel) für 620 Euro wird nichts Wesentliches mehr vermisst. Ganz anders beim Daihatsu Materia, der rund 1.000 Euro teurer kommt und sich ESP mit 650 Euro separat bezahlen lässt. Für die schwächere Motorisierung und die Allradvariante bietet Daihatsu den wichtigen Schleuderschutz erst gar nicht an. Ein Unding. Eine solche Blöße gibt sich der gut ausgestattete Nissan Cube nicht. Mit 18.000 Euro Grundpreis marschiert er allerdings schon stramm in Richtung Kompaktklasse. Das dürfte seinen Fans ebenso schnuppe sein. Musterschüler hatten schließlich noch nie die meisten Anhänger.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-03-28

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