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Testbericht

23. November 2013
In der Welt der Nutzfahrzeuge ticken die Uhren ein wenig anders – langsamer, um genau zu sein. Modellzyklen von zehn Jahren sind hier keine Seltenheit. Kurzfristigen Designmoden wird ebensowenig hinterhergehechelt wie den aktuellsten Ausstattungstrends aus der Pkw-Welt. Modelle wie der Ford Tourneo Connect oder VW Caddy – ursprünglich als Lieferwagen konzipiert – haben eine hohe Nutzlast bei niedrigen Unterhaltskosten zu bieten und ansonsten in erster Linie möglichst lang und zuverlässig zu funktionieren. Ihr schlichtes und damit günstiges technisches Grundkonzept in Verbindung mit einem großzügigen Raumangebot auf vergleichsweise kleiner Verkehrsfläche macht die Hochdachkombis aber auch für Familien mit Kindern und Betreiber raumgreifender Hobbys interessant. Eine Zielgruppe, die Ford mit den Tourneo-Versionen seiner Lieferwagen und Transporter Transit, Connect und künftig auch Courier ab 2014 verstärkt ansprechen will – auch auf die Gefahr hin, dass einige Ford Tourneo Connect-Kunden von den etablierten Van-Modellen C-Max, S-Max und Galaxy auf die preislich attraktiven Nutzfahrzeug-Adaptionen umschwenken könnten.

Ford Tourneo Connect auf Focus-Basis Auftritt Ford Tourneo Connect. Nach fast zwölf Jahren Bauzeit präsentieren die Kölner erstmals wieder ein komplett neues Modell im populären Segment der Hochdachkombis. Der Ford Tourneo Connect basiert nun auf der globalen C-Plattform des Ford-Konzerns und teilt sich damit wichtige Komponenten mit den Pkw-Modellen Focus, C-Max und Kuga. Dies betrifft vor allem den Antriebsstrang, wo zwei der modernsten Benzin-Aggregate des Konzerns (1.0 und 1.6 Ecoboost mit 100/150PS) in drei Leistungsstufen des 1,6-Liter-TDCi (75/95/115PS) zum Einsatz kommen. Die Einzelradaufhängung vorn mit McPherson-Federbeinen und Dreiecks-Querlenkern entspricht ebenfalls dem aktuellen Plattform-Standard, während hinten eine platzsparende Verbundlenkerkonstruktion zum Einsatz kommt. Damit darf der Tourneo Connect bis zu 515 Kilogramm zuladen, beim Ford Grand Tourneo Connect mit 40 Zentimeter längerem Radstand sind es sogar bis zu 687 Kilogramm. Letzterer ist optional auch als Siebensitzer erhältlich (714 Euro Aufpreis) und kann die Sitzbank der zweiten Reihe für leichteres Beladen in den Fußraum absenken. Bei der ersten Begegnung mit dem Ford Tourneo Connect hatten wir die Gelegenheit zu einer Probefahrt mit dem 100PS starken und 4,42 Meter langen Basis-Connect, dem wir als Referenz einen VW Caddy zur Seite stellten. In der höchsten Ausstattung Titanium, die unter anderem das Notbremssystem Active City Stop, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik sowie das große Panoramadach umfasst, kostet der Ford Tourneo Connect knapp 24.700 Euro. Die Basisausstattung Ambiente beginnt aber bereits bei familienfreundlichen 18.880 Euro. Zum Vergleich: Ein VW Caddy in der Ausführung 1.2 TSI Startline mit 105PS startet kaum teurer bei 19.272 Euro. Zwei Schiebetüren sind im Ford Tourneo Connect stets serienmäßig, an wichtigen Extras fehlen der Einstiegsversion lediglich Radio und Klimaanlage (Aufpreis 1.166 Euro im Cool & Sound-Paket).

Viel Platz, kräftiger Basismotor Wir steigen in den Ford Tourneo Connect ein, sehen uns um und stellen fest: An Platz mangelt es hier wirklich nicht. So weit, so bekannt. Allerdings ist das luftige und mit Ablagen gespickte Familienmobil außen wie innen nun erheblich gefälliger aufgemacht, sprich: Der Ford Tourneo Connect ist näher an die Pkw-Familie von Ford gerückt. Das Cockpit mit hochgesetztem Schalthebel könnte auch einen C-Max schmücken, Innen- und Kofferraum sind ordentlich kunststoffbeplankt oder mit Teppich ausgekleidet. Lediglich die schlichtere Materialauswahl erinnert daran, dass wir in einem Nutzfahrzeugabkömmling sitzen – was aber in unserem Foto-Caddy nicht anders ist. Der kleine Dreizylinder-Benziner im Ford Tourneo Connect trägt ebenfalls zum positiven Eindruck bei: Obwohl mit dem 1,5-Tonner gut ausgelastet, vermittelt er in Verbindung mit dem angenehm schaltbaren und passend abgestuften Sechsganggetriebe nie das Gefühl eines überanstrengten Basisantriebs, sondern überzeugt auch hier mit Elastizität und Drehfreude. Besser noch: Durch die veränderte Einbausituation bleibt das Einliter-Aggregat im Leerlauf und bei Teillast akustisch sehr zurückhaltend. Nur bei höheren Drehzahlen dringt sein Arbeitsgeräusch vernehmlich nach innen, ohne aber wirklich störend laut zu werden. Auf unserer ersten Ausfahrt präsentierte sich auch das Fahrwerk des Ford Tourneo Connect vergleichsweise harmonisch und bügelte selbst ohne große Zuladung die meisten Unebenheiten akzeptabel aus. Dabei wirkte es im direkten Vergleich mit dem ansonsten ähnlich abgestimmten VW Caddy etwas schwächer gedämpft, was sich in forciert gefahrenen Wechselkurven in stärker wahrnehmbaren Aufbaubewegungen und sanften, aber früheren ESP-Regeleingriffen als im VW äußerte.

Ford Tourneo Connect mit guten Anlagen Ob sich dieser Eindruck im Test auf den Referenzstrecken bestätigt, bleibt abzuwarten. Unterm Strich gibt der neue Ford Tourneo Connect ein gutes Bild ab: Im Wortsinn, da er seine kastige Grundform mit einigen Design-Kniffen optisch aufwertet, und im übertragenen Sinn, weil er nicht nur das Pflichtprogramm der Hochdachkombis beherrscht – Raum und Variabilität –, sondern auch ein wenig Pfiff und Fahrspaß mit ins Segment bringt. Bereits mit seinem Basisaggregat ist er angemessen motorisiert und hat so das Zeug dazu, dem angejahrten Primus im Segment das Leben ein wenig schwerer zu machen.
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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-11-23

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