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Testbericht

3. Juni 2008

Käfer-Fahrer der alten Garde werden sich erinnern: Wer einst mit dem luftgekühlten Krabbler 100.000 Kilometer geschafft hatte, wurde vom Volkswagenwerk mit einer goldenen Uhr geehrt. Kein Wunder, dass es so etwas heute nicht mehr gibt. Die 100.000 Kilometer, die den Standard beim Dauertest von auto motor und sport darstellen, bewältigen moderne Autos mit links. Die Zeit schwerwiegender, die Fuhre stilllegender Schäden ist, so scheint es, endgültig passé. Mehr noch: Qualitativ gute Kandidaten wie der Land Rover Discovery präsentieren sich nach Abschluss in einem Zustand, der die erschwerten Testbedingungen wie ständig wechselnde Fahrer und minimale kosmetische Pflege kaum erkennen lässt.

Der Landy steht nach 100.000 Kilometern fast wie neu da. Lack, Innenraumverkleidungen, Teppiche – alles befindet sich nach einer Grundreinigung in einem Zustand, der bei Gebrauchtwagenkäufern die Augen leuchten lässt. Ein paar Kratzer an Plastikteilen als kaum vermeidbare Folge von schweren Transportaufgaben, ein etwas speckig glänzender Bezug des Lederlenkrads - das war’s auch schon. Die Türen schließen wie immer mit sattem Klang, und weder die Karosserie noch die Innenausstattung verursachen auf schlechten Straßen irgendwelche Klapper- oder Knarzgeräusche.

Konstruiert auf ärgerfreie Langlebigkeit

Ein solides Stück also, ganz offensichtlich konstruiert auf ärgerfreie Langlebigkeit. Das immense Gewicht des Discovery bestätigt dies: Obwohl er der kleinere Bruder des Range Rover ist, wiegt er ähnlich viel. In einer Zeit der intensivierten Verbrauchsdiskussion mögen solche Schwergewichte fragwürdig erscheinen, weshalb Land Rover den ursprünglich angebotenen V8 aus dem Programm genommen hat. Zum Charakter des Discovery passt ohnehin besser der V6-Turbodiesel. Der verbrauchte über die Gesamtdistanz durchschnittlich 12,6 Liter auf 100 km, was angesichts der Transportleistung akzeptabel ist. Das Fahrtenbuch verzeichnet auch Verbrauchswerte, die um zehn Liter liegen. Die entstehen dann, wenn der Landy das tut, was er am besten kann: reisen mit Tempi zwischen 140 und 160 km/h. Da brummelt der V6 gemütlich, weder Maschine noch Besatzung sind gestresst.

Schneller geht es natürlich auch, aber das ständige Auspressen der Motorleistung ist dem Fahrvergnügen eher abträglich - von dem bis auf 16 Liter steigenden Verbrauch einmal abgesehen. Dynamik ist nicht Sache eines Land Rover. Wer ihn kauft, bekommt einen Geländewagen klassischer Machart, der beruhigend wirkt wie eine Valium-Tablette. Dass die effektiven Fahrleistungen mit dem Diesel eher bescheiden sind, dass er beim Anfahren erst einmal eine kleine Gedenksekunde einlegt, bevor sich das volle Drehmoment über den Antriebsstrang hermacht - all das sind letztlich Petitessen, die hinter der Annehmlichkeit des ruhigen Fahrens zurücktreten.

Denn an der Laufkultur des Motors hatte während des Dauertests niemand etwas auszusetzen. Sein Geräusch ist nur im unteren Geschwindigkeitsbereich präsent, auf der Autobahn spielt es kaum noch eine Rolle. Zu diesem Bild einer komfortbetonten Antriebsquelle passt auch die Sechsgang-Automatik, die unauffällig und weich die Gänge wechselt.

Motor und Getriebe arbeiten problemlos

Weder Motor noch Getriebe zeigten während des Tests irgendwelche Auffälligkeiten. Keine Störungen, kaum Ölverbrauch. Der Sechszylinder lief gegen Ende der Distanz sogar besonders gut, was sich auch in einer deutlichen Verbesserung der Messwerte niederschlägt. Der Rest des Antriebs absolvierte den Dauertest ebenfalls fast problemlos - fast. Kurz vor dem Ende macht das Vorderachsdifferenzial durch heulbojenartige Geräusche auf sich aufmerksam. Diagnose: Die Einstellung von Kegel und Tellerrad hat sich geringfügig verschoben. Sichtbaren Verschleiß gibt es noch keinen, das Heul-Differenzial hätte wohl noch viele Tausend Kilometer gehalten.

Eine Neujustierung ist eine nicht ganz einfache Mechanikerarbeit, weshalb es zur zeitgenössischen Ex-und-hopp-Lösung kommt: altes Vorderachsgetriebe raus, neues rein. Das hätte, wäre es nicht auf Garantie gegangen, 815 Euro gekostet. So konservativ britisch der Discovery auch erscheinen mag, er ist vollgestopft mit Elektronik, die unter anderem verschiedene Allradprogramme sowie das luftgefederte Fahrwerk ansteuert. Als Zeichen des Computer-Zeitalters tauchen in den Wartungsunterlagen deshalb auch regelmäßige Software-Updates auf. Dadurch wurde etwa die Bedienung des Navigationssystems während der Fahrt eingeführt, eine klare Verbesserung, auch wenn die wenig übersichtliche Menüführung kein wirkliches Vergnügen bereitete.

Elektronik macht den meisten Ärger

Die Elektronik ist es denn auch, die im Dauertest den meisten Ärger macht. Erstmals bei Kilometerstand 19.202 taucht im Display "Aufhängungsfehler - max. 50 km/h" auf. Was sich mit einem Neustart zunächst beheben lässt, wird zum Dauerbrenner. Allerdings nicht exakt reproduzierbar, was die Sache für die Werkstatt erschwert. Der Fehler taucht meist erst nach 300 Kilometern auf, manchmal aber eben auch nicht. Weiterfahren kann man immer, doch die 50-km/h-Warnung ist nicht umsonst: Wenn die vernetzte Fahrwerkssteuerung ausfällt, sind nicht nur die Fahrprogramme des Terrain-Response-Systems inaktiv. Die Luftfederung arbeitet im Notprogramm, und der Landy schwankt in Kurven wie ein Schiff auf hoher See.

Es dauert bis Kilometer 59.448, bis mit einem Sensor für das Niveau der Luftfederung der Übeltäter überführt scheint. Leider wechselt die Werkstatt zunächst nur den linken. Aber krank war auch der rechte. Der kommt 13.000 Kilometer später dran, und von da ab ist Ruhe an der Fahrwerksfront. Weshalb wir uns den guten Seiten der Fahrwerkssteuerung zuwenden dürfen. Dank der Elektronik, die automatisch das macht, was sonst nur ein ausgefuchster Offroad-Fahrer kann (viel oder wenig Drehmoment je nach Untergrund, situationsgerechtes Sperren von Mitten- und Hinterachsdifferenzial), erweist sich der Disco als Meister des Geländes.

Der Landy hat viele Vorzüge

Variable Bodenfreiheit und große Achsverschränkung erlauben eine ausgezeichnete Traktion. Wer das nicht braucht, profitiert vielleicht davon, dass ein solcher Geländewagen sich bestens für Anhänger eignet. 

Selbst Redaktionsmitglieder, die zur schnellen Truppe gehören, fuhren lange Strecken gern im Discovery. Denn auch ein etwas lahmer Diesel stört nicht, wenn man auf sehr bequemen Sitzen Platz nimmt, die Klimaanlage ebenso unauffällig wie wirksam arbeitet - und man sich übers Gepäck keine Gedanken machen muss. Einfach rein damit, Platz gibt es genügend in der großen Kiste.

Viele durchdachte Kleinigkeiten

Auch durchdachte Kleinigkeiten machen das Leben mit dem Landy schön: die vielen geräumigen Ablagen beispielsweise, die stabilen Zurrösen im Kofferraum oder auch das sehr gute Licht. Nur die Lichtautomatik - die kann man vergessen. Sie schaltet die Scheinwerfer meist erst ein, wenn das Ende des Tunnels in Sicht kommt. Und weil wir gerade beim Kritteln sind: Die horizontal geteilte Heckklappe ist nur prima, wenn man ein Picknick veranstalten will. Das Laden von schwerem Gepäck aber ist mühsam, meistens bekommt auch das Beinkleid eine Portion Dreck ab. Oder die heizbare Frontscheibe. Sie erspart morgendliches Kratzen, was bei einem so hohen Vehikel nicht zu unterschätzen ist. Aber die dünnen Heizdrähte reflektieren das Licht entgegenkommender Autos; speziell bei Regenwetter wird die Sicht unangenehm beeinträchtigt.

Drei außerplanmäßige Werkstattaufenthalte

Das Protokoll verzeichnet weiterhin einen losen Schließkeil an der Fahrertür sowie eine nicht funktionierende Tankklappe, die nicht nötig gewesen wäre, hätte der von der Zentralverriegelung betätigte Stift regelmäßig etwas Fett abbekommen. So wird daraus der zweite von insgesamt drei außerplanmäßigen Werkstattaufenthalten. Der Mängelindex spricht trotzdem für den Land Rover. Besser war bisher nur der Hyundai Tucson, der verglichen mit dem Discovery aus der technischen Steinzeit stammt. Ganz zum Schluss erfüllt der treue Kumpel zwar den Euro 3-Abgastest und liegt bei Kohlenmonoxid und Rußausstoß sogar unter den Grenzwerten der Euro 4-Norm, doch müssen alle Discovery-Modelle, die seit September 2006 zugelassen wurden, die strengere Euro 4-Vorschrift erfüllen. Obwohl der Dauertest-Discovery werkseitig ohne Partikelfilter ausgeliefert wurde, trägt er auch eine Feinstaub-Plakette für die Umweltzonen. Allerdings nur in Gelb. Nobody is perfect.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2008-06-03

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