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Testbericht

26. November 2015
Mit dem serienmäßigen Hardtop macht der Mercedes SL der R129-Baureihe auch als Coupé eine gute Figur. Und es steckt viel raffinierte Technik in ihm. Dieser Mercedes 500 SL ist ein einzigartiges Show-Car - ohne ihn auch nur einen Meter zu bewegen. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie die Journalisten bereits bei der SL-Premiere auf dem Genfer Automobilsalon im Frühjahr 1989 Schlange standen, um mal den neuen Integralsitz und das komplett elektrisch betätigte Verdeck mitsamt elektrisch verstellbarem Windschott auszuprobieren. Oder sie aktivierten den ausklappbaren Überrollbügel, der normalerweise sprungbereit hinter dem Windschott auf einen Überschlags-Crash wartet.

Komfort und Technik bis zum Abwinken
Doch am meisten beeindruckt uns noch heute das wohl durchgeknallteste Komfort-Feature der Mercedes R129-Baureihe: das sich selbst ent- und verriegelnde Hardtop. Dazu muss man nur die rote Zaubertaste neben dem Automatik-Wählhebel drücken, und sofort scheint das 34 Kilogramm schwere Alu-Dach etwa drei Zentimeter über der Karosserie zu schweben, wo es zwei Personen abnehmen können.Umgekehrt das Gleiche. Auf Knopfdruck verbindet sich das Hardtop wieder mit der Karosserie. Es ist übrigens jener durchsichtige, rot beleuchtete Plastikschalter, der auch das vollautomatische Auf und Zu des integrierten Cabrio-Faltdachs regelt. Der kluge Mercedes weiß also von sich aus, welches Dach er gerade trägt, und vermeidet dadurch das Entfalten des elektrischen Stoffdachs unter dem Hardtop.

Mercedes 500 SL mit Pracht-V8 mit 326PS
Sogar der optische Auftritt des V8-Motors gleicht einer gelungenen Showeinlage. Der 326PS starke Fünflitermotor des Mercedes 500 SL und seine Lebensadern verstecken sich unter einer großen schwarzen Kunststoffplatte, die selbstbewusst den Stern und in doppelter Ausführung den Markennamen zeigt. Zwei seitlich vorbeiführende armdicke Ansaugrohre bekunden die enorme Kraft des neuen M119-Motors.Er stemmt gegenüber seinem Fünfliter-Vorgänger im R107 gewaltige 81 Mehr-PS auf die Kurbelwelle. Vier Ventile je Zylinder und vier obenliegende Nockenwellen mit variablen Einlasssteuerzeiten machen den enormen Leistungszuwachs möglich. Eines ist klar: Die Mercedes-Baureihe R129 degradierte mit ihrer Supertechnik den direkten, bereits 1971 eingeführten Vorgänger R107 zum Oldtimer. Und das bereits im Jahr 1989. Doch wie fährt sich nun dieses Wunderauto, über das Gert Hack in automotorundsport einst urteilte: "Er ist Technologieträger und universell einsetzbarer Sportwagen in einem und ganz nebenbei ein faszinierendes Auto."

Saccos Meisterstück
Tatsächlich überzeugt die von Mercedes-Designer Bruno Sacco verantwortete Karosserie des Mercedes 500 SL noch heute durch ihren bulligen, selbstbewussten und völlig schnörkellosen Stil. Einzige Zeitzeugen der damaligen Automode sind der weitgehende Verzicht auf äußeren Chromschmuck und die Kunststoff-Panele an den Flanken, die sich bei unserem roten Fotofahrzeug zum Glück nicht allzu sehr von den lackierten Blechflächen abheben. Dank einer Wagenbreite von 1,81 Meter herrscht hinter dem großen Lenkrad des Mercedes 500 SL kein Platzmangel. Mithilfe der Tasten des Minisitzes in der Tür findet der Fahrer auf dem wuchtigen Jet-Gestühl mit integriertem Sicherheitsgurt schnell eine bequeme Sitzposition. Überhaupt standen wohl maximale Bequemlichkeit und Funktionalität - wie bei den meisten Mercedes aus den 80er- und 90er-Jahren - im Daimler-Lastenheft an erster Stelle.

Limousinenhafte Behaglichkeit
Unter dem sorgfältig mit einem Velourshimmel ausgestatteten Hardtop des Mercedes 500 SL entsteht dadurch eine gewisse limousinenhafte Behaglichkeit. Dicke Lederpolster und bis an die Unterkante des Armaturenbretts hochgezogene Bodenteppiche sowie die mit Holz verkleidete Mittelkonsole unterstützen diesen Effekt.Auch die komfortable Fahrwerksabstimmung mit einer sanft ansprechenden Lenkung kann man nur bedingt als sportlich bezeichnen. Ein gewisses Maß an Agilität liefern der kleine Wendekreis (10,6 Meter) und die gewaltigen 326PS des Mercedes 500 SL, die noch heute souveränen Fahrspaß vom nächtlichen Cruisen bis zu 250km/h Reisetempo auf der Autobahn ermöglichen.

In 6,5 s auf Tempo 100
Souverän, leise und von Anfang an mit dem einzigartigen Mercedes-Gefühl von Qualität und sicherer Fahrzeugkontrolle setzt sich das mit Fahrer immerhin knapp zwei Tonnen schwere Hardtop-Coupé in Bewegung. Wir rollen zunächst völlig entspannt im dichten Stadtverkehr, dabei dreht der V8 nie über 2.000/min. Die Automatik des Mercedes 500 SL schaltet zügig in die höheren Gänge, lässt aber bei spontanen Zwischenspurts auf der Landstraße oder Autobahn ein oder zwei Fahrstufen vermissen.Bei diesen Manövern braucht der potente V8 etwas Zeit, um per Drehzahl seine Pferde zu mobilisieren. Doch keine Sorge, ab etwa 4.000/min zeigt der V8 seine Zähne, indem er die Einlassnockenwellen um 20 Grad auf spät verstellt, wodurch er mühelos Drehzahlen von 6.000/min und mehr erreicht. Dann verwandelt sich der sanfte Coupé-Gigant in ein veritables Muscle-Car und sprintet von 0 auf 100km/h in nur 6,5 Sekunden.

Technik-Meilenstein
Doch das Beste am Mercedes 500 SL, der übrigens ab 1993 SL 500 hieß, ist sein abnehmbares Hardtop. Die Sommersaison versüßt dann ein bequemes elektrohydraulisches Stoffverdeck. Es schließt und öffnet sich in 30 Sekunden, besitzt aber leider kein Heckfenster aus Glas. Dank serienmäßigem Windschott bleiben auch auf offen gefahrenen Autobahnetappen die Frisuren in Form. Und jetzt hört man auch ein dezentes V8-Brummen aus dem fast unsichtbaren Endschalldämpfer.Der R129 als 500 SL war und ist ein Technik-Meilenstein, den sich die Stuttgarter üppig bezahlen ließen - im Durchschnitt mit rund 150.000 Mark. Dafür sind die heute aufgerufenen Gebrauchtwagenpreise noch vergleichsweise moderat. Ein Show-Car ist der dezent auftretende 500 SL jedoch nur für Kenner und Technik-Freaks.

So viel kostet ein Mercedes SL 500 (R 129)
Bei den aktuellen Trends von Fahrzeugen der Marke Mercedes verwundert es schon etwas, dass die Preise des R129 stabil bleiben. Innerhalb der letzten 12 Mo9nate gab es für Fahrzeuge im Zustand 2 keine Veränderung in der Notierung. Classic-Analytics gibt 19.000 Euro an.Bei Exemplaren, deren Zustand der Note 4 entspricht, wird sogar ein leichter Rückgang vermeldet. So kostet ein solcher mäßig erhaltener Mercedes 500 SL aktuell (Stand November 2015) rund 6.800 Euro. Vor 12 Monaten waren es noch 7.700 Euro - knapp 12% mehr. Langfristig werden die Preise für den R129 jedoch weiter steigen, denn wenn der R129 das H-Kennzeichenalter erreicht haben wird, wird man mit diesem Sacco-Meisterwerk einige Leute schocken können - "Was, schon so alt?!?"
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-11-26

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