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Testbericht

29. April 2016
Scharf wie Chili. Doch, der Vergleich mit einem vor allem im zentralamerikanischen Raum beliebten Gewürz passt beim neuen John Cooper Works Cabrio. Und das liegt nicht nur an der Testwagenfarbe "Chili Red". Denn Sportliche Seitenschweller und Zierleisten, große Lufteinlässe an der Motorhaube und ein kleiner Heckspoiler verleihen dem 231 PS starken, Oben-Ohne-Performer zumindest optisch schon mal Würze.Drinnen geben die rot-schwarzen Rennschalen mit integriertem Überrollschutz und Armaturen mit Zielflaggen-Verzierung weitere Hinweise auf eine pikante Note. Spielereien? Quatsch, in einem Mini doch nicht. Wem das schon zu viel Klimbim ist, der sollte vor dem Fahren lieber gleich mal die Lichtorgel-Funktion in Form einer leuchtenden Displayumrandung über der Mittelkonsole ausschalten. Wer aber eine Neon-Lightshow beim Beschleunigen, Rangieren, dichten Auffahren oder scharfen Bremsen toll findet, der wird seine helle Freude an diesem mehr oder weniger sinnvollen Tool haben. Für die Multimedia-Junkies ist der JCW digital ganz gut ausgestattet: AUX-In und USB-Schnittstelle sind vorhanden, Bluetooth-Koppeln klappt nach ein wenig Dreh-Drück-Akrobatik ebenfalls und dank Spotify lässt sich die Cabrio-Fahrt mit der eigenen Lieblings-Playlist akustisch untermalen.

Parksensoren hinten helfen beim Rangieren im Mini John Cooper Works Cabrio
Assistenztechnisch ist der Racing-Mini unter anderem mit serienmäßigen Parksensoren hinten ausgestattet – und die sind auch unabdingbar für ein beulenfreies JCW-Erlebnis. Denn die Übersicht in der inzwischen recht groß gewordenen Rennsemmel ist bescheiden, vor allem bei offenem Verdeck. Wer genügend Fledermaus-Gene in sich trägt, sich also anhand von Pieps-Geräuschen und einer stilisierten Radarwellen-Illustration in der Anzeige orientieren kann, der spare sich den Aufpreis von 340 Euro für die Rückfahrkamera. Allen normal sterblichen potenziellen Käufern sei jedoch dazu geraten, zumindest über das zusätzliches Kreuzchen in der Ausstattungsliste nachzudenken.Der Rückwärtsgang wird bei der Mini-Topversion aber erfahrungsgemäß sowieso eher selten betätigt. Vorwärts sollte es gehen und das liebsten mit Frischluftzufuhr. Knopf oben gedrückt und in nicht einmal 20 Sekunden öffnet das Verdeck voll elektrisch. Knopf unten gedrückt und schon blubbert der quer verbaute Vierzylinder-Reihenmotor feurig-frech. Leichtes Anfahren dank sattem Drehmoment untenrum und im Nu flutschen die Gänge und wehen die Haare – dank effizientem Windschott übrigens fast knotenfrei. Der florentinische Berufsverkehr eignet sich hervorragend dazu, die Brembo-Scheiben adäquat aufzuwärmen. Fiat links, Alfa rechts, Müllabfuhr geradeaus und die Lichtorgel blinkt farbenfroh in rot und gelb. Der Mini aber steht schnell und solide stramm, um danach weiter durch die Gassen zu knattern. Als potenter Zweiliter-Cityflitzer kann er also schon mal punkten und heimst auf seinem Weg ins Grüne das eine oder andere begeisterte "Buongiorno!“ am Straßenrand ein.

Mini John Cooper Works macht vor allem im dritten Gang Spaß
Dann sind endlich die Zypressen in Sichtweite, die man aus diversen Frischkäse-Werbespots kennt, und nun kann der Mini endlich seinen John Cooper raus lassen. Die sechs Gänge des seidenglatten Schaltgetriebes sind passend übersetzt. Schnell stellt sich der dritte als "Toskana-Gang“ heraus, mit dem sich alle Kurven, Kurzsprints sowie Auf- und Abfahrten meistern lassen. Von niedrigen Drehzahlen um die 1500 bis hoch in die 7000er fährt der Fronttriebler 30 bis theoretisch 120 Kilometer die Stunde – alles ganz lässig im dritten Gang. Theoretisch übrigens deswegen, weil das hohe Tempo auf Landstraßen natürlich verboten ist! Mit 6,6 Litern auf 100 Kilometern wird es dann zwar schwierig, aber dank Twinscroll-Turboaufladung und Direkteinspritzung spart er ja sowieso schon Sprit, um das mal schön zu reden. Was das Fahrwerk angeht, mimt der 1,3 Tonnen-Mini eher das Gokart als den Erwachsenen. Denn auch wenn seinem Vorgänger mehr Biss nachgesagt wird: Die reifere Attitüde, die der neuen Mini-Generation ja häufig, je nach Standpunkt entweder angekreidet oder zugesprochen wird, weicht hier einem jugendlichen Nintendo-Charme. Die brettharte Kurvenlage, die sehr direkte, aber homogene Lenkung und die Federung würde Mario und Luigi Freudentränen in die animierten Augen treiben. Ganz zu schweigen vom kessen Schubblubbern, das jeden Tunnel und jede Felswand zum auditiven Jackpot werden lässt.

John Cooper Works Cabrio als Nischenprodukt mit wenig direkter Konkurrenz
Ein echter Jungbrunnen für den durchschnittlich 42 Jahre alten Käufer des Modells, der sich den Einstiegspreis von 33.500 Euro für das Cabrio leisten kann. Mit seiner hohen Leistung in einem Kleinwagen-Cabrio steht der offene JCW übrigens auf weiter Flur allein da. Der DS3 konkurriert PS-technisch eher mit dem Cooper S und ist mit seinem Faltdach kein wirkliches Cabrio – das sagt sogar das Kraftfahrtbundesamt. Ähnliches gilt für den Fiat 500 Abarth und für den Opel Adam Rocks S. Audi schickt seinen S1 nur hochgeschlossen auf die Piste und ein BMW 2er Cabrio oder auch ein Audi A3 bewegen sich mit vergleichbarer Ausstattung schon in anderen Preisdimensionen.Insofern scheint das JCW-Cabrio also seine ziemlich kleine Nische gefunden zu haben. Weltweit entscheiden sich nur drei bis vier Prozent der weltweiten Minikäufer für die vergleichsweise teure Topversion. Eines jedoch fest: Pfeffer im Hintern gibt‘s beim offenen John Cooper Works gratis dazu.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-04-29

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